Kommentar zur Judenfeindlichkeit

Das hässliche Deutschland

Eine Entschuldigung des Hotels in Leipzig bei Gil Ofarim und personelle Konsequenzen sind das Mindeste, was nun folgen muss.

Von Alexander Schierholz 05.10.2021, 17:43
Gil Ofarim wurde nach eigenen Angaben in Leipzig antisemitisch diskriminiert,
Gil Ofarim wurde nach eigenen Angaben in Leipzig antisemitisch diskriminiert, Foto: imago/Future Image

Wieder einmal hat das hässliche Deutschland sein Gesicht gezeigt, diesmal in Leipzig. Ein Musiker mit israelischen Wurzeln wird in einem Hotel nicht bedient, weil er einen Davidstern, das Symbol des Judentums, trägt. Das ist beschämend und abscheulich.

Nicht weniger erschreckend als der Vorfall an sich ist aber, dass er sich überhaupt zutragen konnte.

Alexander Schierholz, Reporter

Nicht weniger erschreckend als der Vorfall an sich ist aber, dass er sich überhaupt zutragen konnte. Dass hierzulande ein Klima herrscht, das Menschen aus der Mitte der Gesellschaft ermutigt, andere offen wegen ihrer Religion oder ihres Aussehens zu diffamieren. Dass niemand eingegriffen hat, als ein Hotel-Mitarbeiter Gil Ofarim aufgefordert hat, den Davidstern abzulegen. Dass alle Umstehenden es in diesem Moment offensichtlich für selbstverständlich gehalten haben, im Deutschland des Jahres 2021 einen Juden diskriminieren zu können.

Eine Entschuldigung des Hotels und personelle Konsequenzen sind deshalb das Mindeste, was nun folgen muss. Darüber hinaus braucht es ein Signal der Zivilgesellschaft an alle, die von Diskriminierung und Angriffen betroffen sind. Ein Signal, das deutlich macht: Wir lassen euch nicht allein, ihr habt unsere Solidarität. Wer hier lebt, gehört dazu, egal ob er oder sie Kippa, Kopftuch oder Kreuz trägt. Kurz: Es braucht ein starkes Zeichen gegen das hässliche Deutschland.

Den Autor erreichen Sie unter: alexander.schierholz@mz.de