Smartphones

Smartphones als digitale Begleiter: Kluge Telefone sind neue beste Freunde des Menschen

Halle (Saale) - 2006 stellte Apple mit dem iPhone eine neue Form des Telefons vor, die mittlerweile fest den Alltag der westlichen Zivilisation prägt. Das bestätigte nun auch ein Test, den Forscher der Universitäten Würzbur gund Nottingham durchgeführt haben.

Von Steffen Könau

Die Forscher der Universitäten Würzburg und Nottingham staunten nicht schlecht, als sie die Ergebnisse eines ungewöhnlichen Tests auf den Tisch bekamen. Der sollte ergründen, wie eng die Bindung von Smartphone-Besitzern zu ihren digitalen Begleitern wirklich ist - deshalb hatten die Wissenschaftler ihre Probanden im Auftrag des Sicherheitsunternehmens Kaspersky Lab gebeten, sich auf einer vorgegebenen Schachbrett-Grafik mit engen Verwandten, Freunden und Kollegen, aber auch mit technischen Geräten in Beziehung zu setzen.

Mit einem verblüffenden Ende: Für mehr als jeden dritten Menschen ist sein iPhone oder Android-Handy inzwischen mindestens so wichtig wie ein guter Freund.

Zwar schnitten Partner und Verwandte insgesamt noch etwas besser als die schlauen Telefone ab. Doch für sagenhafte 29,4 Prozent der Testpersonen ist das Smartphone heute schon wichtiger als die eigenen Eltern , und mehr als jeder Fünfte (21,2 Prozent) gibt dem Smartphone sogar den Vorzug gegenüber dem eigenen Ehepartner oder Lebensgefährten. Noch besser: Für jeden hundertsten Menschen ist sein Handy das Wichtigste im Leben überhaupt.

Smartphones vor allem bei junger Generation standard

Knapp zehn Jahre nach der Vorstellung des ersten iPhone durch den damaligen Apple-Chef Steve Jobs hat sich dessen Vorhersage bewahrheitet, dass das anfangs als Spielzeug für Digital-Pioniere verlachte Gerät die Welt verändern werde.

Im ersten Jahr sah es nicht danach aus - Apple verkaufte gerade mal 1,4 Millionen iPhones. Weltweit. Inzwischen übertrifft der Absatz von Smartphones die Marke von 27 Millionen jährlich. Allein in Deutschland.

Hier verfügt bereits seit längerem eine Mehrheit der Bürger über ein schlaues Handy, genutzt wird es allerdings nur von der jüngeren Generation mit all seinen Möglichkeiten, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag des Handy-Providers Otelo ergab.

Smartphone als neues Körperteil des Menschen

Während zwei Drittel der 14- bis 29-jährigen Nutzer ihr Handy nicht nur zum Telefonieren, sondern auch für Social Media, zum Musik hören und zum Anschauen von Videos nutzen, hängt die Generation 60+ nach: Nur zehn Prozent der Älteren nutzen ihr Handy auch für Social Media, neun zum Musik hören, gerade sieben schauen sich darauf Videos an und nur übersichtliche fünf Prozent spielen Spiele. Auffällig auch: Etwa 13 Prozent der Über-60-Jährigen haben bis heute kein Handy. Bei den 14- bis 19-Jährigen sind es genau null Prozent.

Das Smartphone gilt hier vielen quasi als Körperteil, wird es irgendwo vergessen, empfinden die Betroffenen das Fehlen als schmerzhafte Leerstelle. In Momenten der Ruhe greifen gerade Jugendliche und junge Erwachsene automatisch zum Handy, um sich abzulenken.

Auch in größeren Runden, in denen es früher als unhöflich galt, im laufenden Gespräch zu telefonieren, ist der Blick auf den Bildschirm heute Normalität. Nach einer Untersuchung der Medienwissenschaftlerin Angela Keppler findet Kommunikation heute auf mehreren Ebenen statt: „Die Leute reden miteinander, aber völlig selbstverständlich schauen sie zwischendurch auch auf ihre Smartphones“. Der beste Freund, er ist auch in der Runde der besten Freunde dabei. Und akzeptiert. (mz)