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Arbeitsmarkt Sachsen kämpft mit steigender Arbeitslosigkeit

Globale Krisen und Wirtschaftsflaute bringen Sachsens Arbeitsmarkt in Bedrängnis. Arbeitsagenturen und Jobcenter steuern dagegen - sonst wäre die Zahl der Arbeitslosen weitaus höher.

Von dpa Aktualisiert: 07.01.2026, 15:07
Im Dezember waren fast 148.300 Männer und Frauen in Sachsen arbeitslos. (Archivbild)
Im Dezember waren fast 148.300 Männer und Frauen in Sachsen arbeitslos. (Archivbild) Sven Hoppe/dpa

Chemnitz - Der sächsische Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Zum Jahresende stieg die Arbeitslosigkeit im Freistaat erneut und rückte an die Marke von 7 Prozent. Im Dezember waren fast 148.300 Männer und Frauen ohne Job, 1,7 Prozent mehr als im November und 5,6 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,9 Prozent.

„Kein gutes Jahr, aber stabiles Jahr“

„Das Jahr 2025 war kein gutes, aber ein stabiles Jahr“, resümierte der Chef der Regionaldirektion, Klaus-Peter Hansen. Es habe aber auch gezeigt, wie robust sich die Arbeitsmarktlage in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt habe. Betroffene würden ihre Lage nicht tatenlos hinnehmen, sondern sich dagegen stemmen. „Wir erleben es sehr oft, dass Menschen mit unserer Hilfe und zumindest mit uns gemeinsam aus dieser Existenzbedrohungslage so schnell wie möglich wieder herauskommen wollen.“

Hansen zufolge haben sich auch globale Unsicherheiten auf den hiesigen Arbeitsmarkt ausgewirkt. „Dass es nicht mehr arbeitslose Menschen gibt, liegt an den Betrieben, die mit aller Kraft, viel Geld und Mut ihr Fachpersonal halten.“ Zudem hätten die Arbeitsagenturen und Jobcentern wieder verstärkt in die Qualifizierung der Menschen investiert. Andernfalls wäre die Arbeitslosigkeit noch weitaus höher.

Unterbeschäftigung bei mehr als 178.000

Die sogenannte Unterbeschäftigung, die neben den Arbeitslosen auch Menschen erfasst, die zum Beispiel an solchen Weiterbildungen teilnehmen, lag am Jahresende bei mehr als 178.400 Personen.

Auch bundesweit ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember im Vergleich zum Vormonat gestiegen: um 23.000 auf 2,908 Millionen. Das sind 101.000 mehr als im Dezember 2024, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote liegt in Deutschland nun bei 6,2 Prozent.

„Schlagseite, aber nicht aus der Bahn geworfen“

2025 waren in Sachsen im Schnitt 148.747 Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Quote von 6,9 Prozent. Bezogen auf die Prognosen der Wissenschaft seien das noch gute Zahlen, meinte Hansen. Diese habe mit einer Quote von mehr als 7 Prozent gerechnet. „Wir hatten Schlagseite, wir sind aber nicht aus der Bahn geflogen.“ Innerhalb des Jahres habe es nur wenige Schwankungen gegeben.

Nach Angaben von Hansen haben im vergangenen Jahr 115.000 Menschen in Sachsen ihre Arbeit verloren, aber nur etwa 75.000 einen neuen Job gefunden. In den Jobcentern kämpfe man vor allem mit dem Thema Migration. Jeder zweite bis dritte Kunde im Jobcenter sei nicht in Deutschland geboren.

Prognose: Arbeitslosigkeit steigt

Der Chef der sächsischen Arbeitsagentur gab auch eine Prognose für das neue Jahr und prognostizierte schon bald einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über 7 Prozent. Dennoch sei für ihn das Glas noch immer halb voll statt halb leer. Jede Krise beinhalte auch Chancen. Letztlich gebe es ein sehr differenziertes Bild je nach Berufsbild, Branchen, Qualifikation und Herkunft.

Die Chancen auf einen neuen Job seien in den vergangenen drei Jahren schlechter geworden, sagte Hansen. „Das wird sich nicht ändern in diesem Jahr.“ Je höher die Qualifikation, desto geringer das Risiko, arbeitslos zu werden oder arbeitslos zu bleiben. Die Arbeitslosenquote von Akademikern liege bei nur 3,3 Prozent, bei Facharbeitern seien es zwischen sechs und sieben Prozent, bei Menschen ohne Ausbildung mehr als 20 Prozent.

Gute „Therapie“ als Erfolgsrezept

Laut Hansen wird es bei der Vermittlung von Arbeitslosen darauf ankommen, nach einer guten Anamnese und einem guten Befund eine gute Therapie anzubieten. Dafür stünden etwa 500 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir stecken permanent die Köpfe zusammen und suchen nach guten Wegen und Lösungen (...) Klar ist aber auch, je schwerer der Rucksack, den ein Mensch mit sich herumträgt, desto schwerer wird die Integration gelingen. Das kostet Zeit und Geld.“

Mehr Jugendliche von Arbeitslosigkeit betroffen

Der Arbeitsagentur-Chef zeigte sich besorgt über eine weitere Entwicklung: „Arbeitslosigkeit hat wieder einmal ein sehr junges Gesicht.“ Berufs- und Lebenserfahrung sei für viele Unternehmen ein gutes Argument für eine Einstellung. Aktuell gebe es mehr als 15.000 arbeitslose Jugendliche, vor fünf Jahren seien das unter 10.000 gewesen. Zudem gebe es einen relativ hohen Anstieg bei älteren Arbeitslosen.

Mangelnde digitale Kenntnisse erschweren Jobvermittlung

Ricardo Donat, Geschäftsführer des Jobcenters Dresden, verwies auf ein anderes Problem. Mangelnde digitale Kenntnisse bei Jobsuchenden würden deren Vermittlung erschweren. Mittlerweile gebe es eine breite Palette an Dienstleistungen, die digital genutzt werden können. Allerdings müsse man auch die Fähigkeit besitzen, darauf zuzugreifen. Zudem würden die Kenntnisse bei Online-Bewerbungen benötigt, die viele Firmen inzwischen verlangen.

Wirtschaftsminister sieht paradoxe Situation

Sachsens Wirtschaft- und Arbeitsminister Dirk Panter (SPD) sieht den Arbeitsmarkt in einer paradoxen Situation - auf der einen Seite Abbau von Jobs auf der anderen Seite Fachkräftemangel. Während in einer Region oder Branche Beschäftigte um ihren Job bangen müssten, würden in anderen händeringend Leute gesucht.

Langfristig sei aufgrund der Demografie auch in Sachsen mit steigender Arbeitskräfteknappheit zu rechnen. Sachsens Wirtschaft befinde sich nicht in einem Prozess der Deindustrialisierung, aber in einer tiefgreifenden, aber „gestaltbaren Phase der Transformation“.

DGB: Kredite des Bundes müssen Investitionsbooster auslösen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht angesichts der Zahlen nun die Politik in der Pflicht. „Steigende Arbeitslosenzahlen und ein Tiefpunkt an offenen Stellen zeigen, dass die Krise vor allem der Industrie zu schaffen macht“, betonte DGB-Chef Markus Schlimbach. „2026 muss endlich der versprochenen Investitionsbooster durch die Kredite des Bundes zünden. Wir brauchen jetzt ein Aufbruchssignal, dass Straßen, Schienen, Schulen und Krankenhäuser gebaut und erneuert werden. Lieber jetzt ein paar Baustellen mehr, als steigende Arbeitslosigkeit hinzunehmen.“