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Wohnen Neubau wird für Wohnungsgenossenschaften zum Risiko

Der Neubau bei den sächsischen Wohnungsgenossenschaften bricht ein. Und auch andere Probleme plagen ihren Verband, der für ein Fünftel des Mietwohnungsbestandes im Freistaat verantwortlich ist.

Von dpa 29.01.2026, 12:30
Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften sehen sich beim Neubau von stark gestiegenen Preisen ausgebremst (Archivbild).
Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften sehen sich beim Neubau von stark gestiegenen Preisen ausgebremst (Archivbild). Robert Michael/dpa

Dresden - Der Bau neuer Wohnungen wird angesichts der Kostenentwicklung für die Wohnungsgenossenschaften in Sachsen immer mehr zum Risiko. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 282 Wohnungen entstanden, erklärte Mirjam Philipp, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, bei der Vorstellung der vorläufigen Zahlen. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 500. In diesem Jahr wird beim Neubau mit nur 110 Wohnungen gerechnet. 

Fokus liegt auf der Entwicklung des Wohnungsbestandes

Philipp hält beim Neubau eine Größenordnung zwischen 300 und 500 Wohneinheiten pro Jahr für wünschenswert - so wie es früher üblich war. Das sei auch kein Widerspruch zum Leerstand, einem weiteren Problem der Genossenschaften. Schließlich gehe es darum, das Portfolio zu erweitern. Bei den aktuellen Baupreisen müsste man je nach Standard Quadratmeterpreise zwischen 15 und 20 Euro aufrufen. Die Baukosten würden derzeit 3.500 bis 5.000 Euro betragen. Der Fokus liege deshalb auf der Bestandsentwicklung.

Gut 30.000 Genossenschaftswohnungen stehen leer

Beim Leerstand rechnen die Genossenschaften in diesem Jahr mit einer leichten Zunahme auf 8,5 Prozent (2025: 8,3 Prozent). Allerdings sind hier die regionalen Unterschiede recht deutlich. 2024 lag der Leerstand in den Großstädten Dresden und Leipzig bei unter drei Prozent, in Chemnitz sechs Prozent. Im Landkreis Zwickau waren es dagegen 16,4 Prozent, im Erzgebirgskreis 14,6 Prozent und im Landkreis Meißen 14,1 Prozent. Jede achte Wohnungsgenossenschaft hat einen Leerstand von mindestens 20 Prozent. Aktuell stehen bei Genossenschaften gut 30.000 Wohnungen leer. 

„2025 war ein Jahr der Stabilisierung, aber kein Jahr des Wachstums“, zog Philipp ein Gesamtfazit. Am allerwichtigsten sei für die Genossenschaften die Kostenstabilität. Baukosten und Betriebskosten seien die „beiden großen B“ in puncto Kostensteigerung. Bei den Betriebskosten müssten die Mieter mit erhöhten Nachzahlungen rechnen. Weitere Kostentreiber seien der höhere Mindestlohn und gestiegene Bau- und Handwerkerkosten. Den Genossenschaften gehe es um wirtschaftliche Stabilität ohne soziale Härte. 

Durchschnittsmiete bei Genossenschaften: 5,62 Euro kalt

2025 lag die Durchschnittsmiete (kalt) einer Genossenschaftswohnung bei 5,62 Euro pro Quadratmeter (2024: 5,42 Euro). In diesem Jahr wird mit einer Steigerung von 2 bis 3,5 Prozent gerechnet. Mietschulden sind weiter kein Thema. „Die Mieter sind sehr diszipliniert“, sagte Philipp. Im vergangenen Jahr betrug die Höhe der Mietschulden etwa neun Millionen Euro - 0,6 Prozent der Umsatzerlöse. Die Genossenschaften bewirtschaften insgesamt rund 294.000 Wohnungen im Freistaat und damit 21,4 Prozent des gesamten Mietwohnungsbestandes.

Den vom Bund geplanten „Bauturbo“ sehen die Genossenschaften als „zartes Pflänzlein“, allerdings müsse es jetzt auch gepflegt werden, hieß es. Zudem spricht sich der Verband für ein „einfaches Bauen“ ohne überquellende Vorschriften aus. Man brauche für das Bauen einen Basisstandard als das „neue Normal“. Abgesenkte und bezahlbare Standards müssten der Maßstab und Abweichungen nach oben dennoch möglich sein. „Man braucht keine Trittschalldämmung auf dem Balkon“, sagte Philipp und auch 15 Steckdosen in einem Raum seien nicht notwendig. Das Einsparpotenzial liege bei bis zu 600 Euro pro Quadratmeter.