Essen statt Massensterben Minister am Grill: Kummer wirbt für Fisch aus DDR-Besatz
Zu DDR-Zeiten sollten Silber- und Marmorkarpfen Thüringens Talsperren sauber halten. Die Fische fühlten sich wohl, inzwischen gelten die Bestände als zu groß. Nun sollen sie auf den Teller kommen.

Erfurt - Auf den Grill statt tot in der Talsperre: Thüringens Umweltminister Tilo Kummer wirbt für die stärkere Nutzung von Silber- und Marmorkarpfen und legt ein paar Exemplare gleich selbst auf den Rost. Er wolle auf das wirtschaftliche Potenzial und die gleichzeitigen positiven Auswirkungen einer Nutzung für die Talsperren im Freistaat aufmerksam machen, sagte der BSW-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt.
Fische sollten Talsperren sauber halten
Dafür will sich der Minister bei der „Thüringen-Ausstellung“ an der Messe Erfurt, die noch bis Sonntag läuft, selbst an den Grill stellen und ein paar solcher Karpfen zubereiten.
Silber- und Marmorkarpfen stammen aus Asien. Zu DDR-Zeiten wurden in den späten 70er und in den 80er Jahren viele dieser Fische in die Thüringer Talsperren gesetzt. Sie sollten damals das übermäßige Algenwachstum reduzieren und damit die Wasserqualität verbessern.
Zu große Bestände werden zum Problem
Laut Kummer gibt es noch große Bestände, was auch teils zum Problem wird. Zu große Silber- und Marmorkarpfenbestände finden nicht genug Nahrung – die Gefahr von Stress und Massensterben steigt. „Außerdem greifen sie massiv in die Nahrungskette ein und verhindern so das normale Aufkommen anderer, heimlicher Fischarten“, hieß es aus dem Umweltministerium.
„Bisher wurden die Tiere in Thüringen nicht genutzt, obwohl sie zu den weltweit am meisten gezüchteten Fischen gehören“, sagte Kummer, der selbst Diplomfischereiingenieur ist. Die Verarbeitung und Vermarktung könnten demnach vom Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds gefördert werden. Das Thüringer Umweltministerium arbeite derzeit an einem entsprechenden Konzept.