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In 35 Metern Tiefe unter Sand Wrack von US-Bomber in der Nordsee entdeckt

Bei Sondierungen für eine Konverterplattform in der Nordsee stoßen Arbeiter auf Überreste eines Kriegsflugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg. Was Experten im Wrack am Meeresgrund fanden – und was nicht.

Von dpa 04.03.2026, 13:20
Das Wrack wurde bei Sondierungsarbeiten am Nordseegrund gefunden.
Das Wrack wurde bei Sondierungsarbeiten am Nordseegrund gefunden. -/Rheinmetall/dpa

Emden/Düsseldorf - Das Wrack eines US-amerikanischen B-17-Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg ist bei Arbeiten für eine Offshore-Konverterplattform in der Nordsee entdeckt worden. Die Überreste waren im vergangenen Sommer bei Kampfmitteluntersuchungen rund 260 Meter von der geplanten Plattform in 35 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund gefunden worden, wie der Rüstungskonzern Rheinmetall und der Netzbetreiber Amprion mitteilten. Das Wrack sei nicht gehoben worden, lediglich kleinere Teile seien zur Begutachtung an die Oberfläche geholt worden, sagte ein Rheinmetall-Sprecher. 

Der Netzbetreiber Amprion baut die Konverterplattform DolWin delta auf der Nordsee für das Offshore-Stromkabelsystem DolWin4. Er hatte Rheinmetall Project Solutions - ein Tochterunternehmen des Düsseldorfer Technologiekonzerns - mit der Untersuchung des Wracks beauftragt.

Konverterplattformen sind große technische Anlagen, die auf fest verankerten Pfählen im Meer stehen. Darin wird der von Offshore-Windkraftanlagen produzierte Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt. Die Plattform DolWin delta wird rund 43 Kilometer nördlich der Insel Norderney gebaut.

Wie die Untersuchung ablief

Die Wrackteile wurden über mehrere Wochen hinweg untersucht. Dabei wurden nach Rheinmetall-Angaben mit einem Elektromagnetometer die Lage und das Ausmaß des Wracks zunächst kartiert. Danach wurde das Objekt Schritt für Schritt frei gespült. Das Wrack lag unter einer 1,5 Meter dicken Schicht aus Sand, Sediment und Schlick. Da es sich um eine Maschine der US-Streitkräfte handelte, wurde die Untersuchung von einer spezialisierten Behörde des US-Verteidigungsministeriums begleitet. 

Die B-17-Bomber, auch „Fliegende Festungen“ genannt, waren eines der bekanntesten Kriegsflugzeuge der US-Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg. Mit den rund 20 Meter langen Bombern wurden Angriffe auf Deutschland geflogen. 

Was auf dem Nordseegrund gefunden wurde

Bei der Untersuchung sollte nach Amprion-Angaben unter anderem geklärt werden, ob noch Kampfmittel an Bord waren, ob die Maschine etwa über Seriennummern eindeutig identifiziert werden kann und ob es Hinweise auf menschliche Überreste der Besatzung gibt.

Experten konnten die Bombenkammer lokalisieren. Über die geöffneten Luken ließ sich der Innenraum der Kammer freilegen und überprüfen. „Es befanden sich keine Bomben mehr an Bord des Wracks“, teilte Rheinmetall mit. Auch menschliche Überreste seien nicht gefunden worden, sagte der Rheinmetall-Sprecher. Die zuständigen US-Behörden behielten sich jedoch weitere Untersuchungen vor, hieß es. Weitere Funde und Daten, um die Maschine zu identifizieren, würden nun ausgewertet, teilte Amprion mit.

Die Fundstelle wurde danach für weitere Projektarbeiten freigegeben. Amprion erwartet durch den Wrackfund keine Verzögerungen bei den Arbeiten für das Offshore-Kabelsystem. Geplant ist, dass die Offshore-Netzanbindungssysteme DolWin4 und BorWin4 ab 2028 Strom von Windparks auf der Nordsee ans Festland transportieren. Amprion hatte Mitte 2022 mit dem Bau begonnen. 

Laut dem Netzbetreiber hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie das Wrack nun in die offiziellen Seekarten aufgenommen. Es soll bei der weiteren Planung des Offshore-Projektes und der Kabelverlegung berücksichtigt werden. Die Entscheidung, ob das Wrack in den kommenden Jahren noch geborgen werden soll, liege bei den US-amerikanischen Behörden, sagte ein Amprion-Sprecher.