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Mentale Gesundheit Mehr Depressionen und Ängste bei Mädchen nach Pandemie

Die Folgen der Pandemie lasten schwer auf Jugendlichen in Thüringen. Was eine Studie über den Anstieg psychischer Erkrankungen bei Mädchen offenbart.

Von dpa 24.02.2026, 11:31
Einer Studie zufolge sind die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Depressionen wieder deutlich gestiegen. (Symbolbild)
Einer Studie zufolge sind die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Depressionen wieder deutlich gestiegen. (Symbolbild) Fabian Sommer/dpa

Erfurt - Bei vielen jungen Menschen in Thüringen haben die Folgen der Pandemie zu zunehmenden psychischen Problemen geführt. Das belegt der Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit. Die wissenschaftliche Studie fand bei Thüringer Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren einen besonders starken Anstieg von Angststörungen. Demnach waren 2024 rund 72 von 1.000 DAK-versicherten jugendlichen Mädchen deswegen ambulant oder stationär in Behandlung - insbesondere mit sozialen Phobien und Panikstörungen. Hochgerechnet waren landesweit rund 2.000 Teenagerinnen betroffen. Im Vergleich zum letzten Vorpandemie-Jahr 2019 entspreche das einem Anstieg um 42 Prozent.

Die aktuellen Ergebnisse zeigten den Ernst der Lage und eine neue Dimension, erklärte Marcus Kaiser, DAK-Landeschef in Thüringen. Die leise Hoffnung auf einen Rückgang bei psychischen Erkrankungen sei nicht eingetreten. „Ängste, Depressionen und Essstörungen begleiten viele junge Menschen inzwischen dauerhaft – vor allem Mädchen.“ Die Zahl jugendlicher Mädchen mit chronischen Angststörungen stieg der Untersuchung zufolge seit 2019 im Freistaat um 75 Prozent.

Das Erbe der Pandemie

Ein ähnlicher Trend zeigt sich laut der Studie auch mit Blick auf Depressionen und Essstörungen. Die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Depressionen stiegen nach einem Rückgang 2022 wieder an und lagen 2024 um 48 Prozent höher als 2019. Auch Essstörungen hätten sich auf einem hohen Niveau stabilisiert. Hochgerechnet wurden 2024 in Thüringen rund 2.100 jugendliche Mädchen wegen einer Depression behandelt. Bei Essstörungen waren es etwa 600 Teenagerinnen im Alter von 15 bis 17 Jahren.

Die Zahlen machen nach Ansicht von Experten das Erbe der Pandemie und eine langfristige Verfestigung psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen sichtbar. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einen Teil dieser Generation verlieren“, so der DAK-Landeschef. Jugendliche würden oft auch später als Erwachsene an den Folgen ihrer psychischen Erkrankungen leiden, was ihre Familien oder ihr Arbeitsleben belaste. „Deshalb brauchen wir jetzt eine Offensive für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Thüringen.“ 

Umfangreiche Daten ausgewertet

Für die Analyse untersuchten Wissenschaftler die Abrechnungsdaten von rund 17.700 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Thüringen versichert sind, wie es hieß. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit rund 929.300 ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen. Insgesamt sind bei der Krankenkasse in Thüringen nach eigenen Angaben rund 130.000 Menschen versichert.