Traditionen Männer unter sich - Wenn Frauen ausgeschlossen werden
Jahrhundertelang waren Frauen bei vielen Traditionsfesten außen vor. Wie sich das langsam ändert – und wo männlicher Widerstand bestehen bleibt.

Bremen - Silberbesteck, dunkle Anzüge, große Namen aus Wirtschaft und Politik: Wenn im Bremer Rathaus zur Schaffermahlzeit geladen wird, geht es nicht nur ums Essen, sondern auch ums Netzwerken. Seit 1545 besteht das Fest, bei dem sich Kaufleute und Gäste aus dem In- und Ausland treffen. Über Jahrhunderte war es ein Brudermahl, bei dem Frauen draußen bleiben mussten.
Erst seit dem Jahr 2015 werden Frauen regulär als Gäste eingeladen. 2023 gab es erstmals eine Schafferin - sie gehörte damit zu der kleinen Gruppe von Schaffern, die das traditionsreiche Mahl vorbereitet und bezahlt. Eine alte Regel fiel.
Noch heute gibt es in Deutschland Männerbünde, die sich auf ihre Geschichte berufen und Frauen keinen Zugang zu ihren Veranstaltungen oder Vereinen gewähren. Auch ein Blick nach Niedersachsen und Bremen zeigt: Manche Türen öffnen sich, andere bleiben verschlossen.
Aus Tradition männlich
Viele Schützenvereine haben ihre Satzungen inzwischen geändert. Frauen schießen mit, werden Schützenköniginnen, übernehmen Ämter. Aber nicht überall ist das so. In manchen Vereinen heißt es weiterhin: Mitglied wird nur, wer männlich ist.
So ist es auch bei der Wildeshauser Schützengilde. Die Gemeinschaft besteht seit 1403. Zweck ist „die Heimatpflege, die Pflege des traditionellen Brauchtums, sowie des Schießens in der althergebrachten Form des Vogelschießens“, wie es in den Statuten heißt.
Das wirkt sich auch auf die nächste Generation aus: Beim Kinderschützenfest der Wildeshauser Schützengilde dürfen nur Jungs schießen. Mädchen ist es nicht erlaubt. Auf der Generalversammlung der Gilde im Februar 2025 wurde ein Antrag, das Kinderschützenfest zu öffnen, mehrheitlich von den Mitgliedern abgelehnt - mit Verweis auf die Tradition.
Burschenschaften
Nicht nur auf dem Schützenplatz, auch an Hochschulen gibt es bis heute reine Männerzirkel. Laut Definition der Bundeszentrale für politische Bildung sind Burschenschaften national-konservative Studentenverbindungen, die fast alle ausschließlich Männer aufnehmen.
Auf der eigenen Internetseite beschreibt sich der Coburger Convent als einen „Zusammenschluss von fast 100 Studentenverbindungen“. Dem Verband gehören auch Verbindungen in Niedersachsen an, zum Beispiel in Braunschweig und Hannover. Doch warum sind Frauen unerwünscht? „Die häufigste Begründung dürfte sein, dass das prägende Lebensbundprinzip im gleichgeschlechtlichen Kontext für einfacher umsetzbar gehalten wird, da man sich auch bei großen Differenzen einfacher wieder zusammenrauft“, heißt es auf der Website auf die Frage „Warum nehmt ihr keine Frauen auf?“
Wo Frauen lange ausgeschlossen wurden
Anderswo hat sich in den vergangenen Jahren etwas geändert, wenn auch mit Widerstand. So wurden im Jahr 2020 zum Bremer Eiswettfest auch Frauen eingeladen. Bei der Veranstaltung treffen sich Vertreter der Wirtschaft und Gesellschaft, um nach einem traditionellen Ablauf zu speisen und Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zu sammeln. Das Fest folgt auf die Eiswettprobe, bei der jährlich am 6. Januar geprüft wird, ob die Weser zugefroren ist oder nicht.
Die Öffnung der Eiswettgemeinschaft für Frauen erfolgte nach erheblichem politischem Druck im Jahr 2019. Als Bremens damaliger Regierungschef Carsten Sieling (SPD) seine Teilnahme wegen einer Trauerfeier absagte, bekam seine Vertreterin, die damalige Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne), keine Einladung. Sieling forderte daraufhin, die Regularien zu überdenken.
2022 erste Frau als Bruchmeisterin
Auch wenn es in einigen Schützenvereinen weiterhin nicht vorgesehen ist, dass Frauen mitmachen, gab es bei dem nach eigenen Angaben größten Schützenfest der Welt in Hannover im Jahr 2022 eine Premiere: Erstmals übernahm eine Frau das Ehrenamt der Bruchmeisterin. Jahrhundertelang war diese Aufgabe Männern vorbehalten.
Der Anstoß kam von Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) und Schützenpräsident Paul-Eric Stolle. Doch auch dieser Vorstoß blieb nicht ohne Widerspruch. Ein ehemaliger Bruchmeister startete im Internet eine Petition zur „Rettung der Tradition der hannöverschen Bruchmeister“. Durchsetzen konnte sich die Petition offensichtlich nicht.