Kurzporträt

Kurzporträt: Bernd Jürgen Brandes - Das Kannibalen-Opfer

Kassel/dpa. - Das Opfer des «Kannibalen von Rotenburg» willigt freiwillig in seine eigene Tötung ein. Als der 43 Jahre alte Berliner Ingenieur am Tatabend im März 2001 nicht nach Hause kommt, hat dessen Lebensgefährte keine Ahnung von seinem Verbleib. Während der Ingenieur einen arbeitsreichen Tag im Büro vortäuscht, begibt er sich auf seine letzte Fahrt ins Kannibalen-Haus. Bis zur Aufdeckung des Kannibalismus-Falles im Dezember 2002 bleiben alle Nachforschungen nach dem Verbleib des Vermissten vollkommen ...

28.01.2004, 11:36
Das undatierte Polizeifoto zeigt Bernd Jürgen Brandes, der im hessischen Rotenburg einem Fall von Kannibalismus zum Opfer gefallen ist (Archivfoto). Mit dem Urteil im Kasseler Kannibalismus-Prozess geht an diesem Freitag einer der spektakulärsten deutschen Kriminalfälle zu Ende. Während des zwei Monate dauernden Prozesses wurden nicht nur schockierende Details der unfassbaren Tat, sondern auch die Existenz einer Kannibalismus-Szene in Deutschland bekannt. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der «Kannibale von Rotenburg» wegen Mordes lebenslang hinter Gitter. Die Verteidigung hat auf Tötung auf Verlangen plädiert, worauf höchstens fünf Jahre Haft stehen. (Foto: dpa)
Das undatierte Polizeifoto zeigt Bernd Jürgen Brandes, der im hessischen Rotenburg einem Fall von Kannibalismus zum Opfer gefallen ist (Archivfoto). Mit dem Urteil im Kasseler Kannibalismus-Prozess geht an diesem Freitag einer der spektakulärsten deutschen Kriminalfälle zu Ende. Während des zwei Monate dauernden Prozesses wurden nicht nur schockierende Details der unfassbaren Tat, sondern auch die Existenz einer Kannibalismus-Szene in Deutschland bekannt. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der «Kannibale von Rotenburg» wegen Mordes lebenslang hinter Gitter. Die Verteidigung hat auf Tötung auf Verlangen plädiert, worauf höchstens fünf Jahre Haft stehen. (Foto: dpa) Polizei

Das Opfer des «Kannibalen von Rotenburg» willigt freiwillig in seine eigene Tötung ein. Als der 43 Jahre alte Berliner Ingenieur am Tatabend im März 2001 nicht nach Hause kommt, hat dessen Lebensgefährte keine Ahnung von seinem Verbleib. Während der Ingenieur einen arbeitsreichen Tag im Büro vortäuscht, begibt er sich auf seine letzte Fahrt ins Kannibalen-Haus. Bis zur Aufdeckung des Kannibalismus-Falles im Dezember 2002 bleiben alle Nachforschungen nach dem Verbleib des Vermissten vollkommen ergebnislos.

Das Opfer wächst als Sohn eines Arztehepaars in Berlin auf, studiert dort Elektrotechnik und arbeitet später als Ingenieur bei einem großen Kommunikationskonzern. Auch im Privaten verläuft der Lebenslauf geradlinig: Auf wechselnde Beziehungen in der Studentenzeit folgen längere Partnerschaften, mehrfach zieht der Ingenieur auch mit einer Frau zusammen. Schließlich erkennt er seine homosexuellen Neigungen und wendet sich Männern zu, sucht dort feste Kontakte. Im Kollegenkreis ist er derweil als «feiner Kerl» beliebt.

Auch von engsten Bekannten unbemerkt sucht der Ingenieur sexuelle Abenteuer im Stricher-Milieu. Dabei will er, dass ihm Schmerzen zugefügt werden und bietet schließlich sein ganzes Hab und Gut, um entmannt zu werden. Seit seiner Jugend leidet er nach Expertendarstellung unter sexuellem Masochismus. Er ist davon besessen, sich das Geschlechtsteil abtrennen zu lassen. Damit will er den Experten zufolge seine vermeintliche Mitschuld am Tod der Mutter abtragen. Deren Selbstmord verschwieg der Vater dem damals kleinen Kind und sprach immer nur von einem Autounfall.