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Verkehr Fahrlehrer protestieren gegen Führerschein-Reform

Lernen per App und Simulator statt Straße? Fahrlehrer warnen angesichts von Reformplänen bei der Führerscheinausbildung vor Folgen für die Verkehrssicherheit. Vor dem Landtag ist Protest geplant.

Von dpa 28.01.2026, 06:00
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) will den Führerschein günstiger machen - bei Fahrschulen lösen seine Reformvorschläge Kritik aus. (Symbolbild)
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) will den Führerschein günstiger machen - bei Fahrschulen lösen seine Reformvorschläge Kritik aus. (Symbolbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Potsdam - Fahrlehrer wollen aus Protest gegen Reformvorschläge zur Führerscheinausbildung auf die Straße. Die Pläne von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) gefährdeten die Qualität der Ausbildung und die Verkehrssicherheit, beklagte der Fahrlehrer-Verband in Brandenburg. Am Donnerstagmorgen wollen Fahrlehrer vor dem Landtag in Potsdam demonstrieren. 

Der Verbands-Vorsitzende Hendrik Schreiber sagte der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte dazu um die 200 bis 250 protestierende Fahrlehrer. „Wir sind mächtig auf den Barrikaden.“ 

Kosten sollen laut Bundesverkehrsminister sinken

Mit den Reformvorschlägen Schnieders sollen die Kosten für den Führerschein sinken. Für einen Pkw-Führerschein der Klasse B werden laut Bundesverkehrsministerium derzeit im Schnitt rund 3.400 Euro fällig.

Verband kritisiert „Experimentierklausel“ als riskant 

Kritik gibt es unter anderem an einer möglichen „Experimentierklausel“: Erprobt werden könnte demnach, ob Eltern oder andere nahe Menschen mit Erfahrung am Steuer mit Fahrschülern üben können. 

Das sei eine „Laienausbildung mit hohem Risiko“, kritisierte Fahrschul-Betreiber Schreiber. „Würden wir Flugkapitäne oder Ärzte auch so ausbilden?“

Was sehen die Reformpläne noch vor?

Nach den Reformplänen des Bundesverkehrsministers soll die Pflicht zum Präsenzunterricht wegfallen und Wissen komplett digital über Apps oder Lernplattformen vermittelt werden können. Künftig sollen häufiger Fahrsimulatoren eingesetzt werden können, statt direkt auf der Straße unterwegs zu sein. Vorgesehen sind zudem weniger verpflichtende Sonderfahrten in der Nacht, auf Autobahnen und über Land. 

Skepsis bei Lern-Apps und Simulatoren

Fahrlehrer Schreiber ist überzeugt: Werte und Einstellungen ließen sich nur im direkten Austausch vermitteln. Simulatoren und Lern-Apps könnten den Unterricht allenfalls ergänzen. 

Mehr Lernen per App könne auch mehr Erklärungsbedarf in der Praxis und am Ende mehr Fahrstunden und höhere Kosten bedeuten, so Schreiber. Auch Sonderfahrten wie Überland-, Nacht- und Autobahnfahrten sind aus seiner Sicht nicht realistisch per Computer simulierbar: Stresssituationen etwa könnten so nicht abgebildet werden.

Verband zu Reformen bereit

Der Verbands-Vorsitzende Schreiber betonte, dass er Reformen durchaus befürworte. „Man kann Möglichkeiten suchen, den Führerschein preiswerter zu erlangen.“ 

Die Zahl der Fahrstunden sei gestiegen, die Führerscheinausbildung ziehe sich bei einigen Schülern teils bis zu einem Jahr und länger hin, so Schreiber. Die Politik müsse für eine Reform die Fachleute aus der Praxis einbinden. 

Fahrlehrer bundesweit beklagen auch, dass mit der Aussicht auf geringere Führerschein-Kosten die Anmeldungen derzeit zurückgehen. „Dann entsteht später wieder Stau, wenn alle auf einmal kommen“, meinte Schreiber. 

Preise für Führerschein erhöht

Wie das Statistische Bundesamt im April 2025 mitgeteilt hatte, erhöhten sich die Preise für Fahrschule und Führerscheingebühr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent. Das war deutlich mehr als die allgemeine Erhöhung der Verbraucherpreise. Ursachen für die höheren Kosten sind laut ADAC unter anderem gestiegene Fahrzeug-, Sprit- und vor allem Personalkosten.