Journalisten ausgeschlossen Empörung über Hausverbot bei DESG-Pressekonferenz
Hausverbot für ARD-Journalisten, ein Präsident im Angriffsmodus und Kritik von allen Seiten: Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft liefert eine denkwürdige Pressekonferenz ab.

Berlin - Auf einen Eklat mit einem Hausverbot für zwei ARD-Journalisten folgte eine zweieinhalbstündige Abrechnung von Matthias Große: Der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft holte auf einer denkwürdigen Pressekonferenz zu einem Rundumschlag gegen die Medien aus. Währenddessen mussten Hajo Seppelt und Jörg Mebus am Fuße des Müggelturms hinter einem Gitter bleiben - und verharrten dort in einem Auto.
Seppelt und Mebus waren zuvor maßgeblich an einem kritischen Bericht der „Sportschau“ zu Beginn der Olympischen Winterspiele beteiligt gewesen. In dem wurden der DESG Unregelmäßigkeiten vorgeworfen und über ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet.
Von der ARD, Journalisten-Verbänden und auch aus der Politik hagelte es Kritik an dem denkwürdigen Eklat mit dem Ausschluss der zwei Journalisten. „Die im Grundgesetz verbriefte Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Dies gilt natürlich auch für den Bereich des Sports. Auch kritische Journalistinnen und Journalisten müssen in einer Demokratie grundsätzlich Zugang zu Pressekonferenzen erhalten. Die Bundesregierung setzt sich für Transparenz ein“, sagte ein Sprecher aus dem Haus der Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.
ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky reagierte mit Empörung auf den Ausschluss von Seppelt und Mebus. „Die Nicht-Zulassung ausgewählter Berichterstatter zu einer offiziellen Pressekonferenz verstößt eklatant gegen Grundsätze einer freien und unabhängigen Berichterstattung und ist aus unserer Sicht grundsätzlich nicht akzeptabel.“ Es sei ein für einen deutschen Sportfachverband beispielloser Fall, sagte Balkausky.
Große spricht von „Hassspiel“ und „Schmutzkampagne“
Der umstrittene Präsident und mächtigste Mann in der DESG wies in seiner Abrechnung auf seinem Anwesen im Südosten der Hauptstadt jegliche von Seppelt und Mebus erhobenen Vorwürfe der vergangenen Wochen von sich. In weißem Hemd und blauem Anzug mit Einstecktuch erhob Große während des Medientermins immer wieder die Stimme, stand auch auf, wurde emotional, laut und phasenweise aggressiv.
Im Fokus seiner Generalkritik stand der besagte „Sportschau“-Bericht zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Italien. Der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein sprach von einem „Hassspiel“ gegen den Verband, sich und auch seine Partnerin und bezeichnete den Bericht als „Schmutzkampagne“ gegen die DESG.
Seppelt: „Muss bemerkenswerte Pressekonferenz gewesen sein“
Auf diese Kritik zu reagieren, hatten Seppelt und Mebus zunächst keine Chance. Sie warteten nach ihrem Ausschluss abseits des Müggelturm-Areals hinter einem Gitter auf das Ende. „Dem Vernehmen nach muss das eine bemerkenswerte Pressekonferenz gewesen sein. Da werden sich im Nachgang noch einige Fragen im Umgang von Herrn Große mit der Pressefreiheit stellen“, sagte Seppelt nach dem Medientermin.
Große verteidigte den Ausschluss: „Das Grundgesetz schützt doch Lügner nicht“, sagte er und ergänzte: „Wollen Sie mir wirklich erzählen, dass ich verpflichtet bin, alle Leute einzuladen, die es wollen.“
Während Seppelt und Mebus im Müggelturm fehlten, wichen Großes Anwälte nicht von dessen Seite. Er habe von ihnen eine Liste an Worten bekommen, die er nicht sagen dürfe, sagte Große. „Sonst hätte ich noch ganz andere Sachen gesagt.“ Er wolle mit Leuten wie Seppelt nur noch den Gerichtssaal teilen, sagte der 58-Jährige. Sie würden Unwahrheiten verbreiten.
Große weist Anschuldigungen zurück
In dem ARD-Bericht ging es unter anderem um verspätete Prämienauszahlungen. Die Anschuldigungen, Sportler hätten „jahrelang“ auf ihr Geld warten müssen, wies er zurück. Der Begriff „jahrelang“ impliziere schließlich einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren – also rund 730 Tage. Eine derart lange Wartezeit habe es jedoch in keinem Fall gegeben. Zur Untermauerung seiner Darstellung verwies Große auf eine Präsentation, in der unter anderem die erfolgten Prämienauszahlungen aufgeführt waren.
Auch den Vorwurf einer erhobenen Teilnahmegebühr für Weltcups bestritt Große. „Kein Sportler muss in diesem Verband einen Euro bezahlen, wenn er nicht will. Und wir werden hingestellt, als plündern wir unsere Athleten aus. Was für ein Schmutz.“ Demnach müssen Sportlerinnen und Sportler nur mehr zahlen, wenn sie auf eigenen Wunsch früher zu einem Weltcup anreisen wollen. Doch die Rechtfertigungen gerieten angesichts des Ausschlusses in den Hintergrund.
Kritik von DOSB und Journalisten-Verbänden
Der Deutsche Olympische Sportbund als Dachorganisation kritisierte das Hausverbot durch die DESG. „Wir erwarten von unseren rechtlich eigenständig und autonom handelnden Mitgliedsorganisationen, dass sie die Pressefreiheit in gleicher Weise respektieren, wie wir das tun“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Pressefreiheit sei ein „essenzielles Gut unserer Demokratie, das der DOSB selbstverständlich respektiert und wertschätzt“.
Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) protestierte scharf gegen die Ausladung und wertete sie als klaren Eingriff in die Pressefreiheit. Zudem erinnerte er daran, dass die DESG öffentliche Gelder erhalte und daher eine besondere Verantwortung trage. Dem Versuch, kritischen Sportjournalismus zu reglementieren, trete man „vehement entgegen“, schrieb der VDS. Aus Sicht des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) war der Ausschluss ein „unglaublicher Vorgang“.
Eisschnellläufer Petzold drohen nach Kritik Konsequenzen
Mit Konsequenzen muss Eisschnellläufer und Olympia-Teilnehmer Fridtjof Petzold rechnen, der bei den Winterspielen die seiner Meinung nach schlechte Betreuung und strukturelle Probleme angeprangert hatte. Es gebe DESG-Verantwortliche, die „sehr nah“ beim Große angesiedelt seien, hatte Petzold gesagt. „Jeder hat da natürlich auch Angst, irgendwie was zu sagen, weil er um seinen Job besorgt ist, dass er ihn dann verliert.“
Die Kritik konterte Große: „Der Athlet hat sich immer normal zu benehmen. Verbandsschädigende Aussagen kann er treffen, aber intern und nicht öffentlich“, sagte er.