Winterwetter in Berlin Eisglätte in Berlin - jetzt droht auch noch ein Warnstreik
Eisige Temperaturen, spiegelglatte Gehwege und ein drohender Warnstreik bei Bussen und U-Bahnen: In Berlin wird der Weg zur Arbeit bald noch schwieriger. Und ein Ende der Kälte ist nicht in Sicht.

Berlin - In Berlin sorgt das Winterwetter weiter für erhebliche Probleme. Noch immer fahren nach dem Eisregen vom Wochenanfang nicht alle Straßenbahnen wieder. Weil Bürgersteige spiegelglatt sind, kommt es zu vielen Stürzen. Und ab Montag droht ein Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), der das Vorwärtskommen noch deutlich erschweren dürfte.
Schwierig genug ist die Situation schon dadurch, dass viele Bürgersteige vereist sind. In Berlin ist die Stadtreinigung BSR für das Räumen von Straßen und Radwegen zuständig. Auf den Gehwegen vor den Häusern fällt das in die Verantwortung der Eigentümer, die sich aber oft nicht oder nicht ausreichend um den Winterdienst kümmern.
Tausalz aus Umweltschutzgründen weitgehend verboten
Hinzu kommt: In Berlin ist der Einsatz von Tausalz aus Umweltschutzgründen weitgehend verboten. Gestreut werden muss bei Glätte mit Splitt oder Sand. Nur die Stadtreinigungsbetriebe dürfen Auftaumittel einsetzen, wie das landeseigene Unternehmen auf seiner Webseite ausführt - und auch nur auf bestimmten verkehrswichtigen Straßen oder in Ausnahmesituationen.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) forderte auf der Plattform X vom Landesparlament eine schnelle Gesetzesänderung, um den Einsatz von Streusalz auf Gehwegen möglich zu machen.
„Wir erleben in Berlin extreme Wetterbedingungen – mit Eisregen und anhaltendem Frost“ schrieb Wegner. „Wir müssen die gefährliche Lage auf Gehwegen, Treppen und Straßen entschärfen. Es ist unsere Pflicht, dass die Menschen auch im Winter gut und sicher durch die Stadt kommen.“
„Man nennt es Winter“
Der Post wurde bis Freitagmittag gut 1,1 Millionen Mal gesehen. In vielen Reaktionen zeigte sich Unverständnis darüber. „Ein Regierungschef, der über X um Mehrheiten für Selbstverständlichkeiten bettelt, ist politisch am Ende“, schrieb der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Kubicki auf X.
Wegners Parteikollege, der ehemalige CDU-Vorsitzender Armin Laschet, amüsierte sich auf X darüber, dass sich selbst Grünen-Politiker aus Baden-Württemberg über Berlin lustig machten. „Und nein, es ist keine überraschende Wetterkrise: Man nennt es Winter“, postete er.
Umwelt- und Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) forderte das Parlament in der Plenarsitzung am Donnerstag ebenfalls auf, das Straßenreinigungsgesetz zu verändern - so wie Hamburg das getan habe. Bei „Gefahr für Leib und Leben“ müssten Ausnahmen vom aktuellen Verbot möglich sein. Es gehe um den Schutz der Bürger und Bürgerinnen, aber auch um Entlastung für die Krankenhäuser. Ob und wann eine Ausnahmeregelung tatsächlich kommt, ist offen.
Es wird noch kälter
Auch die Lage für Fahrgäste im Berliner Nahverkehr bleibt schwierig und könnte sich noch zuspitzen. Am Montag hatten die Verkehrsbetriebe den Tramverkehr wegen vereister Oberleitungen vollständig eingestellt. Ein Großteil der Straßenbahnen fährt inzwischen wieder. Allerdings bleibt der Winter in Berlin, die Temperaturen könnten am Wochenende sogar noch sinken.
Und zusätzlich hat die Gewerkschaft Verdi hat für Montag einen ganztägigen Warnstreik im Berliner Nahverkehr (ÖPNV) angekündigt. U-Bahnen und Trams sollen dann bestreikt werden. Wer zuletzt wegen der Eisglätte auf Bus und Bahn umgestiegen ist, statt das Auto zu nehmen oder zu laufen, dürfte es am Montag schwer haben.
Die BVG kritisierte, die angekündigte stundenlange Arbeitsniederlegung gefährde den Tramverkehr angesichts der aktuellen Extremwetterlage erneut. S-Bahnen und Regionalverkehrszüge sollen dagegen fahren, wie die Deutsche Bahn als Betreiberin mitteilte - sie ist vom Warnstreik nicht betroffen.
Ein Ende des Winterwetters ist nicht in Sicht: Der Deutsche Wetterdienst warnt für Berlin weiter vor Glättegefahr. In der Nacht zum Samstag sinken die Temperaturen auf Tiefstwerte bis minus fünf Grad. In der Nacht zum Sonntag könnte es der Prognose zufolge dann sogar bis minus zehn Grad kalt werden. Immerhin bleibt es danach tagsüber überwiegend trocken - bei anhaltendem Frost.