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Mutmaßlicher Femizid Ehefrau getötet: 45-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt

Die vier gemeinsamen Kinder schliefen noch, als es zum Streit kam. Der Mann griff ein Küchenmesser, stach zu. Nun urteilte das Gericht.

Von dpa 05.01.2026, 15:58
Wegen Mordes an seiner Ehefrau ist ein 45-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Mit einem Messer hatte er auf die vierfache Mutter eingestochen. (Foto Illustration)
Wegen Mordes an seiner Ehefrau ist ein 45-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Mit einem Messer hatte er auf die vierfache Mutter eingestochen. (Foto Illustration) Monika Skolimowska/dpa

Berlin - Nach einem tödlichen Messerangriff auf eine vierfache Mutter ist ihr Ehemann zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sprach den 45-Jährigen des Mordes schuldig. Er habe die 37-Jährige aus Wut bestrafen wollen, weil sie sich nicht nach seinen Vorstellungen verhalten habe, sagte der Vorsitzende Richter Mark Sautter. Der Angeklagte habe aus der Überzeugung heraus gehandelt, „dass es ihm als Mann zustehe, seine Frau dafür bestrafen zu dürfen und er sogar berechtigt sei, ihr das Leben zu nehmen“. 

Die vier gemeinsamen Kinder des aus Afghanistan stammenden Paares schliefen noch, als es am Morgen des 17. April 2025 in der Wohnung der Frau in Berlin-Britz zu einem Streit kam. Wieder einmal habe der Angeklagte die 37-Jährige beschimpft und ihr grundlos vorgeworfen, sie würde sich einem anderen Mann zuwenden. Er habe zu einem Küchenmesser gegriffen und ihr „in Tötungsabsicht in rascher Folge fünf Stiche versetzt“, hieß es weiter im Urteil.

„Ich werde dir eine neue Mutter kaufen“

Die Frau verblutete im Hausflur. Verzweifelte Rettungsversuche durch seine älteren Kinder habe der Angeklagte teilnahmslos verfolgt. Zu einem damals achtjährigen Sohn habe er gesagt, er werde ihm „eine neue Mutter kaufen“. Der 45-Jährige, der getrennt von der Frau lebte, habe mit dem Motiv der Bestrafung und damit aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Doch die Frau habe nichts falsch gemacht. Der Angeklagte dagegen sei „eifersüchtig, kontrollierend, einengend und gewalttätig“ gewesen.

Der älteste Sohn hatte in dem rund dreimonatigen Prozess als erster Zeuge ausgesagt. Er sei durch Geschrei aufgewacht. „Ich habe den letzten Stich gesehen“, sagte der 22-Jährige unter Tränen. Sein Vater sei sehr eifersüchtig gewesen. Immer wieder sei es zu Gewalt gegen die Mutter gekommen. Eine Arbeit habe der Vater der Mutter verboten, er habe sie kontrolliert.

Verteidiger plädierte auf Totschlag

Der Angeklagte, der 2015 mit seiner Familie nach Deutschland kam, hatte sich einige Monate vor der Tat wegen einer anderen Frau getrennt, berichtete der Sohn. Nach dem Ende der neuen Beziehung sei er wieder aufgetaucht, habe von Liebe gesprochen. Er habe die Mutter auch überredet, eine Strafanzeige zurückzunehmen. „Danach war sein Verhalten noch schlechter“, so der Sohn. 

Der 45-jährige Angeklagte hatte zur Tat geschwiegen. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts. Der Verteidiger hatte auf einen Schuldspruch wegen Totschlags plädiert, allerdings keinen konkreten Antrag gestellt. Die Nebenklage-Anwälte sprachen von einem Femizid. Das bedeutet, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden – also weil sie Frauen sind. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.