Niedersachsen Diagnose krankhaftes Übergewicht: 900.000 Menschen betroffen
Viele Menschen kämpfen darum, abzunehmen – und wissen, wie schwer das ist. Oft ist das Übergewicht sogar krankhaft: Frauen sind öfter betroffen als Männer.

Hannover - In Niedersachsen haben etwa 900.000 Menschen laut ärztlicher Diagnose mit krankhaftem Übergewicht zu kämpfen. Landesweit habe nach dem Gesundheitsatlas Deutschland des Wissenschaftlichen Instituts der AOK 2023 bei elf Prozent der Menschen im Land eine sogenannte Adipositas vorgelegen, teilte die Krankenversicherung mit. Frauen seien stärker betroffen als Männer – ihr Anteil an der weiblichen Bevölkerung liege bei 12,5 Prozent. Männer mit Adipositas hatten demnach einen Anteil von 9,5 Prozent an der männlichen Bevölkerung.
Als Adipositas-Erkrankung gilt laut Kasse, wenn die Krankheit im zurückliegenden Jahr dokumentiert wurde. Es sei aber davon auszugehen, dass Adipositas nicht immer mit einer ärztlichen Behandlung oder Dokumentation einhergehe. Nach Einschätzung der AOK dürfte die Krankheitshäufigkeit in der Bevölkerung daher unterschätzt werden. Die AOK ist nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von 39,8 Prozent die größte Krankenversicherung in Niedersachsen.
Adipositas ist Risikofaktor für viele Krankheiten
Im Vergleich der 45 Landkreise und kreisfreien Städte liegt der Anteil der Menschen mit starkem Übergewicht und einem sogenannten Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 in Helmstedt (16,8 Prozent) und Uelzen (14,6 Prozent) am höchsten. Am niedrigsten ist ihr Anteil den Angaben zufolge in Celle (8,6 Prozent) und Lüneburg (9,2 Prozent). Adipositas gilt etwa als Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, Krebserkrankungen, Schlafapnoe und Gelenkverschleiß.
Ein neuer Online-Coach der AOK soll mit Übungen und Lerninhalten etwa zu Ernährung, Bewegung und Motivation helfen. Vermittelt werden sollen Strategien, wie Betroffene ihren Lebensstil ändern und ihr Körpergewicht langfristig senken können. „Adipositas betrifft Millionen Menschen in Deutschland und ist längst ein gesamtgesellschaftliches Problem“, betonte der niedersächsische AOK-Vorstandschef Jürgen Peter. Er mahnte politische Weichenstellungen an, die „gesunde Lebensbedingungen zur Norm machen“.