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Auslieferung erst im Herbst Bahnreisende müssen länger auf neue Regionalzüge warten

Im Nordwesten Niedersachsens und in Bremen sollten längst moderne Regionalbahnen fahren. Doch die Auslieferung der neuen Doppelstockzüge wird erneut verschoben – inzwischen zum fünften Mal.

Von dpa 21.01.2026, 15:48
Eigentlich sollten diese gelb-blauen Züge längst in Niedersachsen unterwegs sein - nun verzögert sich die Auslieferung erneut. (Archivbild)
Eigentlich sollten diese gelb-blauen Züge längst in Niedersachsen unterwegs sein - nun verzögert sich die Auslieferung erneut. (Archivbild) Julian Stratenschulte/dpa

Hannover/Bremen - Eigentlich sollen im Nordwesten Niedersachsens und um Bremen längst neue Regionalzüge rollen: Doch die Lieferung der neuen blau-gelben Züge des Herstellers Alstom für die Linien des sogenannten Expresskreuzes Bremen-Niedersachsen verzögert sich ein weiteres Mal. Bislang war geplant, dass die Auslieferung der ersten der insgesamt 34 Doppelstockzüge im ersten Quartal dieses Jahres beginnen sollte. 

„Eine Auslieferung der ersten Züge ab März halten wir nach aktuellem Stand nicht mehr für realistisch“, teilte eine Sprecherin der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) auf Anfrage mit. Es gebe keine weitere Verzögerung beim Bau der Züge. Aber: „Es geht jetzt um die behördliche Zulassung der Züge, damit Fahrgäste mitfahren dürfen“, sagte die Sprecherin weiter. Die LNVG gehe aber weiterhin davon aus, dass Alstom wie zugesagt sämtliche Fahrzeuge im Laufe dieses Jahres liefern werde, hieß es. Zuvor hatte der „Weser-Kurier“ über die weitere Verzögerung berichtet.

Wann die neuen Züge nun kommen sollen 

Ein Alstom-Sprecher teilte auf dpa-Anfrage mit, die Auslieferung der neuen Doppelstockzüge solle nun im Herbst dieses Jahres beginnen. „Der aktualisierte Lieferplan ist eng mit der LNVG abgestimmt. Alstom bedauert die erneute Verschiebung der Auslieferung“, teilte der Sprecher mit.

Der Hauptgrund für die verspätete Auslieferung der Züge seien zurückliegende Materialengpässe beim Bau der Fahrzeuge. „Hinzu kommt, dass die Coradia Max-Doppelstockzüge neu in den deutschen Markt eingeführt werden. Dies bringt besondere Anforderungen und Herausforderungen bei der Zulassung mit sich“, teilte der Alstom-Sprecher weiter mit. 

Die fünfte Verzögerung

Alstom hatte zuletzt im November 2024 eine Verzögerung mitgeteilt und damals auf Materialengpässe verwiesen. Danach hieß es von dem Hersteller, im März 2026 sollten 20 der insgesamt 34 Züge zur Verfügung stehen. Die übrigen Züge sollten bis Ende 2026 geliefert werden. Bestellt waren die Fahrzeuge nach LNVG-Angaben für den Einsatz ab Dezember 2024. Die neue Verzögerung jetzt ist laut LNVG inzwischen der fünfte Aufschub. 

Zum Expresskreuz zählen die Linien RE1 (Hannover – Bremen – Oldenburg – Norddeich Mole), RE8 (Hannover – Bremen – Bremerhaven-Lehe) und RE9 (Osnabrück – Bremen – Bremerhaven-Lehe). Täglich sind auf diesen Strecken laut Bahn knapp 40.000 Reisende unterwegs. 

Was der Aufschub für Bahnreisende bedeutet

Für Pendler und andere Bahnreisende bedeutet die erneute Verzögerung, dass sie vorerst weiterhin in älteren Zugmodellen unterwegs sein müssen. Denn seit dem Fahrplanwechsel vor wenigen Wochen im Dezember gilt auf den Expresskreuz-Linien RE1, RE8 und RE9 ein Ersatzfahrplan.

Der Grund: Wegen der bereits zuvor von Alstom angekündigten Verzögerungen stand das Expresskreuz zunächst ohne ausreichend Züge dar. Die bis dahin eingesetzten Züge der Deutschen Bahn waren anderweitig verplant worden. Die Deutsche Bahn und die Landesnahverkehrsgesellschaft setzen daher einen Ersatzfahrplan ein, der seit dem Fahrplanwechsel gilt. Nach dem neuen Plan sind nun einige alte DB-Züge, teils aus anderen Regionen, doch noch länger unterwegs. Zudem kommen Züge eines privaten Anbieters zum Einsatz.

Fahrgäste müssen sich seitdem mit Einschränkungen abfinden. Denn die Zahl der Sitzplätze verringerte sich durch den Ersatzfahrplan auf einigen Strecken, wie die Bahn mitteilte. Außerdem fehlen in den Zügen teils WLAN und Klimaanlagen. „Die erneute Verzögerung ist für uns sehr enttäuschend“, teilte die LNVG-Sprecherin weiter mit. „Vor allem im Interesse der Fahrgäste auf der RE8 und RE9, die weiterhin auf Ersatzfahrzeuge angewiesen sind.“

Bislang planten Bahn und LNVG, dass auf den Linien RE8 und RE9 die älteren Züge durch die neuen Alstom-Züge ab Sommer abgelöst werden sollten. Wann das nun passiere, hänge von den genauen Lieferterminen von Alstom ab, teilte die LNVG-Sprecherin mit. Konkrete Angaben ließen sich aktuell nicht machen.

Was die Landesregierungen sagen

Die Landesnahverkehrsgesellschaft kündigte an, alle rechtlichen Schritte zu prüfen und gegebenenfalls durchzusetzen, um Schäden der Lieferverzögerung zu kompensieren. „Ein Rechtsstreit ist nicht auszuschließen“, teilte die LNVG mit. 

Bei den Landesregierungen von Bremen und Niedersachsen trifft die erneute Lieferverspätung auf Unverständnis. „Das ist natürlich absolut nicht zufriedenstellend“, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD). „Wir prüfen natürlich entsprechend Regress, weil ein ständiges Reißen der Zusagen nicht akzeptabel ist.“ 

Bremens Verkehrssenatorin Özlem Ünsal (SPD) sagte dem „Weser-Kurier“: „Die erneute Verzögerung bei der Fahrzeuglieferung ist für niemanden mehr akzeptabel.“ Für Pendler sei die Situation extrem belastend. „Unsere Erwartung ist klar: Alstom muss jetzt endlich liefern“, sagte die Senatorin weiter.