Capio Elbe-Jeetzel-Klinik

Abtreibungen an Capio Elbe-Jeetzel-Klinik doch nicht verboten

Dannenberg - Erst wurde in der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg ein Abtreibungsverbot verhängt, nun rudert die Klinikleitung zurück.

08.02.2017, 13:00
Das undatierte Foto zeigt einen sieben Wochen alten Fötus in einer Fruchtblase.
Das undatierte Foto zeigt einen sieben Wochen alten Fötus in einer Fruchtblase. dpa-Zentralbild

Erst wurde in der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg ein Abtreibungsverbot verhängt, nun rudert die Klinikleitung zurück. Man sei ein weltanschaulich neutraler Konzern, heißt es in einer Pressemitteilung von Capio. Zum Unternehmensverständnis passe es nicht, dass ein Chefarzt aus religiösen Motiven ein Abbruchs-Verbot für die gesamte Klinik verhänge. „Die Organisation einer gesamten Abteilung kann nicht vom einzelnen Arzt entschieden werden“, betont Martin Reiz, Geschäftsführer von Capio Deutschland. „Dazu braucht man einen Gesamtkonsens, den es an dieser Stelle mit Capio nicht geben kann.“

Der neue Chefarzt der Gynäkologie, Thomas Börner, hatte im Dezember 2016 bei seinem Amtsantritt in Dannenberg verkündet, dass keine Abtreibungen mehr an seiner Klinik vorgenommen werden. „Ich habe nach der Maxime des Nicht-Tötungsgebotes auch schon nach meinem Abitur Zivildienst gemacht, statt zur Bundeswehr zu gehen. In meinem 26-jährigen gynäkologischen Dasein habe ich immer nach dieser Maxime behandelt“, sagte er in einem Interview mit dem NDR.

Die Klinikleitung stand zu diesem Zeitpunkt hinter ihrem Chefarzt. „Ich trage die Entscheidung mit“, sagte Klinikchef Markus Fröhling gegenüber dem Sender.

Nach einem Bericht der Elbe-Jeetzel-Zeitung wurden in der Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik 31 Schwangerschaftsabbrüche im vergangenen Jahr durchgeführt. Chefarzt Börner, der seit 2010 in der Klinik arbeitet, sei an keiner davon beteiligt gewesen.

Die Entscheidung, keine Abtreibungen mehr durchzuführen, hatte in der Politik für Kritik gesorgt. Der Landrat des Kreises Lüchow-Dannenberg zeigte sich laut NDR-Bericht irritiert darüber, dass die persönliche Gewissensentscheidung des Chefarztes nun als Verhaltensvorschrift für das gesamte Klinikum gelten soll.

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Rundt betonte gegenüber dem Sender, es sei ihr wichtig, dass Frauen den belastenden Eingriff in angemessener Entfernung zu ihrem Wohnort durchführen lassen könnten. Rundt drohte auch mit Geldentzug.

Betroffene Frauen hätten nun auf andere Landkreise ausweichen und beispielsweise in eine Klinik in Uelzen, Lüneburg, Salzwedel in Sachsen-Anhalt oder Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern gehen müssen. (mz/dpa)