360 Kilogramm Drogen in Leipzig enteckt

360 Kilogramm Drogen in Leipzig enteckt : Drogenshop im Kinderzimmer

Leipzig - Hunderte Kilogramm Drogen, gestapelt im Kinderzimmer der elterlichen Wohnung: In Leipzig hat die Polizei einen der deutschlandweit größten Drogenfunde gemacht. Bei einem 20-jährigen Verdächtigen seien insgesamt 320 Kilogramm verschiedener Drogen sichergestellt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft gestern mit. Zudem seien 40 Kilogramm in Paketen gefunden worden, die er verschickt habe. Insgesamt hatten die Drogen nach Ermittlerangaben einen Marktwert von mehr als vier Millionen ...

Von Katrin Löwe 12.03.2015, 10:38

Hunderte Kilogramm Drogen, gestapelt im Kinderzimmer der elterlichen Wohnung: In Leipzig hat die Polizei einen der deutschlandweit größten Drogenfunde gemacht. Bei einem 20-jährigen Verdächtigen seien insgesamt 320 Kilogramm verschiedener Drogen sichergestellt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft gestern mit. Zudem seien 40 Kilogramm in Paketen gefunden worden, die er verschickt habe. Insgesamt hatten die Drogen nach Ermittlerangaben einen Marktwert von mehr als vier Millionen Euro.

Der 20-Jährige soll mit den Betäubungsmitteln seit 2013 einen weltweiten Online-Handel betrieben haben. Er sitzt bereits seit Februar in Untersuchungshaft. Bei 38 weiteren Durchsuchungen, die in dem Zusammenhang am Mittwoch bundesweit stattfanden, wurden ebenfalls Drogen gefunden und fünf Verdächtige verhaftet. Eine Durchsuchung fand laut Staatsanwaltschaft auch in Sachsen-Anhalt statt. Nähere Angaben zum Ort machte Sprecher Ricardo Schulz jedoch nicht. Die dort gefundene Drogenmenge habe nicht für einen Haftbefehl ausgereicht.

Schulz sprach gestern von einer neuen Form der Kriminalität. „Ein Online-Handel in dieser Größenordnung ist für uns neu“, sagte er. Üblicherweise finde die Verteilung von Drogen auch eher auf einem regionalen Markt statt - in diesem Fall geht die Polizei aber von mehreren tausend Kunden weltweit aus.

Anfang 2014 soll der Verdächtige, der ein Gewerbe für Webdesign angemeldet hatte, vom eingeschränkt zugänglichen sogenannten „Darknet“ ins offene Internet gewechselt sein - seine Webseite „Shiny Flakes“ („Glitzernde Flocken“) war von da an für jedermann zugänglich. Zur Verschleierung von Daten wurden Anonymisierungsdienste genutzt, bezahlt wurde in der Internet-Währung Bitcoin. Die Waren wurden per Post versandt, als Einschreiben oder als Pakete über Packstationen.

Wie 2014 eine Drogenlieferung aufflog, weil das Paket nicht ausreichend frankiert war und die Polizei wegen der Absender-Adresse rätselte, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Der bislang nicht polizeibekannte 20-Jährige sei sehr konspirativ vorgegangen, heißt es. Unter anderem habe er mit falschen Absenderadressen gearbeitet - eine Tatsache, die der Polizei im März 2014 erste Hinweise lieferte. Damals sollte ein nicht ausreichend frankiertes Paket zurück an den Absender gehen. Weil die Adresse nicht existierte, flog die Drogenlieferung auf. Ähnliches passierte mit weiteren Sendungen - alle abgeschickt im Raum Leipzig. Durch Observierung verschiedener Paketstationen ist die Polizei dem 20-Jährigen offenbar auf die Spur gekommen.

Allein innerhalb eines halben Jahres soll der Mann eine Million Euro Umsatz gemacht haben. Nach bisherigen Erkenntnissen hat er allein gehandelt - mit Crystal, Kokain, Amphetamin, Ecstasy, LSD, Haschisch und Marihuana. Ob und was Familienmitglieder mitbekommen haben müssten von dem, was der Verdächtige in seinem Zimmer trieb, werde geprüft, so Schulz.

Bei der Festnahme des 20-Jährigen im Februar wurde auch ein 51 Jahre alter Kurier aus Bulgarien verhaftet, der mutmaßlich Drogen aus den Niederlanden angeliefert hatte. „Auch er war uns bis dahin nicht bekannt“, so Schulz. Bei den 38 Durchsuchungen am Mittwoch ging es unterdessen um Kunden des Online-Handels. „Die Mengen deuten darauf hin, dass nicht wenige bestellt haben, um selbst weiterzuverkaufen“, so Schulz. Es werde wohl noch etliche weitere Verfahren gegen Kunden geben, sagte er. „Ob sie die Drogen ins Klo spülen oder den Computer aus dem Fenster werfen: Es nutzt ihnen nichts, wenn wir nachweisen können, dass sie bestellt haben.“

Die Internetseite von „Shiny Flakes“ ist inzwischen aus dem Netz genommen, unter der Adresse wirbt die Polizei nun für sich unter dem Titel „Verdächtig gute Jobs“. (mz)