Aktualisiert: 17.06.2022, 09:18

es gibt Momente, in denen die Zeit stehen bleibt. Die zunächst kaum fassbar sind und mit denen wir dann doch umgehen müssen. So wie Ende voriger Woche, als eine 85-Jährige in der Herrenstraße in Hohenmölsen offenbar das Brems- mit dem Gaspedal verwechselt und zwei Senioren überfährt - ein 92-Jähriger stirbt noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Unter der Überschrift "Eine Straße unter Schock" haben meine Kollegen Andrea Hamman-Richter und Alexander Kempf einen Tag später mit Anwohnern und den Einsatzkräften gesprochen. Mehrere Augenzeugen hatten übrigens den Notruf gewählt und Erste Hilfe geleistet.

Jede Hilfe zu spät kam für die drei Insassen eines Pkw bei dem schweren Unfall in der vorigen Woche auf der A14. Die Jugendlichen der Magdeburger Fortunen hatten Glück im Unglück. Sie erlitten keine lebensgefährlichen Verletzungen, wie meine Kollegen Dirk Skrzypczak, Matthias Fricke und Michael Bock recherchierten. Da kann man nur die Worte des ehemaligen Magdeburger Fifa-Schiedsrichters Bernd Heynemann unterstreichen: "Das ist ein Schock. Ich hoffe, dass die Spieler schnell wieder gesund werden und ihren Sport ausüben können."

Tschüss, „Langer“ – wieder geht ein Fußball-Idol

Bei Fußball denkt so mancher an den 22. Juni 1974 zurück. An jenen denkwürdigen Abend, an dem die DDR-Auswahl die BRD-Elf im einzigen Länderspiel der beiden deutschen Staaten durch das Tor von Jürgen Sparwasser mit 1:0 bezwang. Das historische WM-Ereignis jährt sich in der nächsten Woche zum 49. Mal. Das erste Mal ohne Bernd Bransch. Der Hallenser, der damals das Team als Kapitän im Volkspark-Stadion anführte, starb am vorigen Wochenende nach langer Krankheit. MZ-Sportchef Christoph Karpe erinnert in "Tschüss, ,Langer'" nicht nur an ein sportliches Vorbild, sondern auch an ein besonderes Kapitel deutscher Fußball-Geschichte, so dass ich den Artikel nicht nur Sportfans ans Herz legen möchte.

Vor dem deutschen WM-Duell 1974 in Hamburg  gaben sich die Kapitäne Bernd Bransch (r.) und Franz Beckenbauer geschichtsträchtig die Hand.
Vor dem deutschen WM-Duell 1974 in Hamburg gaben sich die Kapitäne Bernd Bransch (r.) und Franz Beckenbauer geschichtsträchtig die Hand.
Foto: Imago/Werek

Warum Traditionsbetriebe in dieser Zeit schließen

"Schon wieder einer weniger" - dieser Satz trifft nicht nur auf Idole zu, die in diesen Tagen manches Mal viel zu früh sterben. Auch in unseren Städten und Dörfern schließen Geschäfte und Gewerke, die zu unserem Alltag gehören. In diesen Tagen ist für das älteste Taxi-Unternehmen in Dessau nach 60 Jahren Schluss. Es ist ein Rückblick mit viel Wehmut, den Heidi Thiemann nach dem Gespräch mit den Jankes aufgeschrieben hat. "Ein wirtschaftliches Arbeiten ist nicht mehr möglich", lautet das bittere Fazit nach intensiven Jahren. Von denen berichtet auch Bäckermeister Jens Schneider meiner Kollegin Antonie Städter. Stark gestiegene Kosten für Zutaten und Energie, Niedrigpreise in den Discountern und ein großer Nachwuchsmangel - Schneider schließt zum Monatsende die traditionsreiche Backstube des Köthener Familienunternehmens nach 70 Jahren schweren Herzens ab  - und wird Angestellter bei einer Großbäckerei in Halle.

Wie in ein verlassenes Dorf neues Leben einziehen soll

Wie nach einem Aus etwas Neues entstehen kann, zeigen zwei andere Beispiele, über die in dieser Woche in einigen Lokalausgaben der MZ zu lesen war. 2015 gingen im Porzellanwerk in Annaburg buchstäblich die Lichter aus. Seitdem bemüht sich ein rühriger Förderverein darum, die Erinnerung an das traditionsreiche Handwerk aufrecht zu erhalten. Jetzt konnte ein wichtiges Kapital abgeschlossen werden - der erste Bauabschnitt der Schaumanufaktur ist fertig. Ich war bereits vor ein paar Wochen dort zu Gast und kann Ihnen einen Ausflug nur empfehlen. Ganz neue Perspektiven gibt es auch für Pödelwitz. Das Dorf an der Kante des Mibrag-Tagebaus Schleehain im Burgenlandkreis sollte eigentlich verschwinden. Im vorigen Jahr wurde jedoch die Rettung vor den Baggern verkündet. Doch die meisten Einwohner sind bereits weggezogen. Jetzt wachsen Pläne, hier ein Öko- oder Klimadorf zu entwickeln. Yvette Meinhardt hat die Menschen getroffen, die das Leben in das Dorf zurückbringen wollen.

Von Wolfen nach Paris und Mailand

Dieser Newsletter hatte ein traurigen Einstieg und einen pessimistischen Übergang. Doch er soll mitnichten so enden. Dafür sorgt zum Beispiel Bastian Thomas Kohl. Vielleicht erinnern Sie sich an den Tag der Deutschen Einheit im vorigen Jahr. Beim Festakt in der Burg Giebichenstein sang er mit tiefem Bass die Nationalhymmne. Der Auftritt des 35-Jährigen, den Millionen am TV erlebten, hat einiges bewirkt, schildert der Sänger meinem Kollegen Frank Czerwonn. Der Opernsänger aus Wolfen hat inzwischen Engagements in der Pariser Opéra Bastille und der Mailänder Scala. Hoch hinaus ging es auch für Rolf Brumm  - und das im hohen Alter von 100 Jahren. Zum runden Geburtstag überraschten die Neffen ihren flugbegeisterten Onkel mit einem Flug über seine anhaltische Heimat. Oliver Müller-Lorey war dabei.

Exotischer Nachwuchs – und das gleich im Dutzend

Das Statistische Landesamt hat in dieser Woche verkündet, dass es erneut mehr Zuzüge als Wegzüge in Sachsen-Anhalt gibt - Tendenz steigend. Dabei werden gar nicht alle erfasst. Etwa die putzige WG gebürtiger Chinesen, die meine Kollegin Regine Lotzmann in dieser Woche in Aschersleben besucht hat. Die drei Baumstreifenhörchnchen leben seit März im dortigen Zoo und haben sich dort mit den Zwergwachteln zusammengeschlossen. Es sterben allerdings immer noch mehr Sachsen-Anhalter als neue geboren werden. Manchmal gibt es aber auch hier Überraschungen. Wie in Weißenfels – dort hat ein Paar zwölf Babys auf einmal zur Welt gebracht. Das ist in den Breitengraden unseres Landes in der Tat ungewöhnlich. Die süße Überraschung hat schwarze Knopfaugen und dickes, kuscheliges Fell – es sind Polarfuchsbabys, die jetzt die neue Attraktion im Heimatnaturgarten der Stadt sein dürften, zumindest diesen Sommer lang, bevor sie an fachkundige Einrichtungen abgegeben werden. Lesen Sie gerne mehr über diese tierischen Geschichten oder schauen Sie es sich vor Ort an.

Sabine Gebhardt (links) und Ute Radestock freuen sich über den tierischen Nachwuchs.
Sabine Gebhardt (links) und Ute Radestock freuen sich über den tierischen Nachwuchs.
Foto: Andrea Hamann-Richter

Gewinnen Sie Picknickkörbe mit der MZ

Vielleicht verbunden mit einem Picknick? Was gibt es in diesen Tagen Schöneres, als bei einem Ausflug in der Natur eine Decke aufzuschlagen und Leckereien auszubreiten. Das MZ-Ratgeber-Team hat Angebote getestet, wo man sich an Saale und Unstrut sowie in Dessau Wein, Brot, Käse und mehr zusammenstellen lassen und auf zwei Rädern durch die Region touren kann. Übrigens: Drei Picknickpakete für zwei verlosen wir. Alles Weitere erfahren Sie, wenn Sie den Text anklicken.

Ich wünsche Ihnen natürlich viel Glück, packe ebenfalls meine Decke und verabschiede mich an die Ostsee. Den nächsten Newsletter gibt es dann wieder in zwei Wochen zum Start in den Juli.

Genießen Sie die längsten Tage des Jahres!

Ihr

Marc Rath
Chefredakteur

Was hat Ihnen dieser Woche an Ihrer MZ gefallen, was hat Sie geärgert oder fehlte Ihnen? Schreiben Sie mir, ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!