Früher größte Fleischfabrik Europas Streit um Marke "Eberswalder" droht! Ex-DDR-Wurstwerk macht dicht
Die Eberswalder Wurstwerke, zu DDR-Zeiten die größte Fleischfabrik Europas, stehen vor der Schließung. Die Produktion am Standort Britz soll eingestellt werden. Nun droht ein Streit um die Nutzung der Markenrechte.

Britz. – Zu DDR-Zeiten war es mit 3.000 Beschäftigten das größte Fleischwerk Europas. Nun stehen die Eberswalder Fleischwerke am Standort Britz (Gemeinde Barnim in Brandenburg) vor dem Aus.
Wie ein Sprecher der EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG gegenüber dem rbb bestätigte, soll die Produktion am 28. Februar 2026 eingestellt werden. "Leider mussten wir feststellen, dass es unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine realistische Perspektive gibt", so der Sprecher.
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Zahlreiche Gründe für Schließung von Eberswalder Wurstwerke
Die Gründe für die Schließung seien sinkende Verkaufszahlen, hoher Preisdruck, mehr ausländische Konkurrenz und steigende Kosten für Löhne, Energie, Transport und Materialien. So habe sich die wirtschaftliche Lage in den vergangenen Jahren stark verschlechtert.

Gleichzeitig wären am Standort in Britz weitere Investitionen in Kälteanlagen und andere Modernisierungen notwendig gewesen. Diese hätte das Unternehmen langfristig nicht refinanzieren können.
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"Eberswalder" vor allem in ostdeutschen Supermärkten vertreten
Wie der rbb berichtet, hätten Unternehmensführung und Betriebsrat sich nach intensiven Verhandlung auf einen Interessensausgleich und einen Sozialplan für alle Beschäftigen verständigt. Am Standort arbeiten rund 500 Menschen.
Die in den 1970ern gegründete Marke "Eberswalder" gehört heute zur Tönnies-Gruppe und ist vor allem in vielen ostdeutschen Supermärkten vertreten. Die Produktion soll künftig an anderen Standorten fortgeführt werden.
Streit um Marken-Nutzung für Eberswalder Würstchen droht
Ganz zum Ärger der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK). Diese teilte zuletzt mit, dass sie die Besitzerin der Kollektivmarke "Eberswalder Würstchen" sei. Zudem pocht die IHK auf Regionalität und stellt sich gegen das Vorhaben des Fleischriesen Tönnies.
Das Unternehmen EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG, das die traditionsreiche Wurstfabrik in Britz Ende Februar schließen will, verkauft seine Produkte unter der Marke "Eberswalder". Diese kann nach Ansicht der IHK Ostbrandenburg aber nicht losgelöst von der Kollektivmarke "Eberswalder Würstchen" an anderen Produktionsorten verwendet werden.
"Nach aktueller Planung sollen die Produkte der Marke an anderen ostdeutschen Standorten mit vornehmlich ostdeutschen Rohstoffen produziert werden", teilte EWN mit. "Die Wort-Bildmarke 'Eberswalder' befindet sich in unserem Besitz." Das Unternehmen wolle in den kommenden Tagen aber in Ruhe direkt mit den Verantwortlichen der IHK sprechen, kündigte es an.
Laut der IHK Ostbrandenburg wird man "alle Bestrebungen unterstützen, die dazu beitragen, dass weiterhin 'Eberswalder Würstchen' original in der Region um Eberswalde hergestellt werden können." Auch andere Fleischverarbeiter dürften den Namen verwenden, "solange sie im Raum Eberswalde produzieren und dabei bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllen".
Die Marke "Eberswalder Würstchen" besteht laut IHK seit 1987 und soll die regionale Produktion und Tradition schützen. Die Kammer sei seit 1995 Eigentümerin. Sie habe die damals drohende Abwanderung der Produktion verhindern wollen.