Tradition an der Martin-Luther-Universität Halle

Tradition an der Martin-Luther-Universität Halle: Talare als Zeichen der Freiheit

Halle (Saale) - Sie werden nur zu besonderen Anlässen getragen und verleihen ihren Trägern große Würde: Die Talare des Senates der halleschen Universität. Sie sind aus Samt oder Tuch, teilweise aufwendig mit Brokat bestickt und mit Hermelin besetzt und je nach Amt und Fakultät des Trägers unterscheidet sich die Farbe. Dazu gehört jeweils noch ein ...

Von Cornelia Fuhrmann 02.11.2014, 15:23

Sie werden nur zu besonderen Anlässen getragen und verleihen ihren Trägern große Würde: Die Talare des Senates der halleschen Universität. Sie sind aus Samt oder Tuch, teilweise aufwendig mit Brokat bestickt und mit Hermelin besetzt und je nach Amt und Fakultät des Trägers unterscheidet sich die Farbe. Dazu gehört jeweils noch ein Hut.

Die klassischen Farben sind schwarz für die Theologen, scharlachrot für die Juristen, colombinfarben (fleischrot) für die Mediziner, violett für die Philosophen. Mit neuen Fakultäten kamen auch neue Farben hinzu. Die Naturwissenschaftlichen Fakultäten eins und zwei tragen basierend auf der Fakultätsgründung von 1922 blau, die dritte grün - weil darin die vormals eigenständige landwirtschaftliche Fakultät eingegliedert wurde, deren Talare grün waren.

Dass die richtige Ordnung, sowohl in der Reihenfolge, in der die Gruppe läuft, als auch bei den Farben, eingehalten wird, dafür ist der Zeremonienmeister - der Pedell - zuständig. Im Fall der Universität Halle ist das Ralf-Torsten Speler, dessen Augen leuchten, wenn er über die Talare spricht. Die haben einerseits eine lange Tradition, aber sie haben auch eine wichtige Bedeutung: „Sie stehen für die Sichtbarmachung der freiheitlichen Lehre und Forschung unabhängig von der Politik“, sagt er.

Verbot in der DDR

Vermutlich war das auch der Grund, dass sie ab 1968 nicht mehr getragen werden durften. Mit der dritten Hochschulreform der DDR waren Talare verboten worden, wurden aus Instituten Sektionen und aus den Leitern Direktoren, die zudem einen Parteisekretär zur Seite bekamen. Der „Genosse Rektor“ trug nur noch seine Kette bei offiziellen Anlässen. „Das letzte Mal wurden die Talare anlässlich des Reformationstages am 29. Oktober 1967 getragen“, erzählt Speler.

Lediglich bei offiziellen Anlässen im Ausland seien sie manchmal getragen worden, erinnert er sich. Als die Mauer fiel, wurde er sofort aktiv. „Am 11. Mai 1990, noch vor der Wiedervereinigung und der Währungsreform, habe ich die Talare wieder eingeführt“, sagt Speler. Seitdem gibt es jährlich zum Reformationstag wieder den Zug vom Alten Rathaus in Wittenberg zur Leucorea. „Es gab schon immer eine Kleiderordnung, das gehört zur Würde einer 500-jährigen Einrichtung und sind Traditionen, die man achten muss“, begründet er.

Spezielle Pflege notwendig

Natürlich werden heute nicht mehr die ursprünglichen Talare aus dem Jahr 1694 getragen, die der damalige Kurfürst der Universität schenkte. Dennoch sind die heutigen Talare recht alt und wurde die Farbordnung von jeher beibehalten. „Die Talare der Dekane sind die ältesten und stammen aus dem Jahr 1854, der des Rektors ist 1903 geschneidert worden“, sagt Speler. Mit Einführung der Prorektoren als Stellvertreter des Rektors nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen auch diese die Roben. Da die Träger mit den Jahren wechseln und diese sich in ihrer Statur unterscheiden können, wurde das bei der Stoffmenge berücksichtigt. „Sie sind immer passend und würdevoll“, sagt Speler und lacht.

Auch in Leipzig tut sich Historisches: Der Altar aus der 1968 gesprengten Paulinerkirche am Augustusplatz kehrt zurück. Das sei ein Ereignis von höchster stadt- und universitätsgeschichtlicher Bedeutung, sagt Rudolf Hiller von Gaertringen, Kustos der Kunstsammlung der Universität Leipzig.

Der Altar war 1993 als Leihgabe in der Thomaskirche aufgestellt worden. Nach seinem Umzug an den ursprünglichen Ort steht nun das erste Holzobjekt im Andachtsraum des Paulinums. Die Universitätsgemeinde wird den Paulineraltar künftig im Rahmen ihrer Gottesdienste wieder liturgisch nutzen. Am neuen Standort tritt der über 500 Jahre alte Altar in Dialog mit der zwar gotisch inspirierten, aber modernen Architektur des neuen Gebäudes. Der Paulineraltar, geschaffen um 1490 für das Leipziger Dominikanerkloster und 1543 in den Besitz der Universität gelangt, sei das bedeutendste mittelalterliche Altarwerk der Stadt, das noch heute in einen liturgischen Zusammenhang eingebunden sei, so Hiller von Gaertringen.

Das Alter der Talare erfordert zudem eine besondere Behandlung. Der Rektorentalar wird von einer Textilrestauratorin gepflegt und nur gebürstet, die Talare der Senatoren werden speziell gereinigt. „Und aufbewahrt werden sie in Talarschränken aus dem 19. Jahrhundert“, sagt Speler. Schließlich müssen sie ja noch ein paar Jahrhunderte durchhalten. (mz)