Polizisten in Gatersleben klären auf

Polizisten in Gatersleben klären auf: Wie sich Kinder vor Fremden schützen

Seeland - „Mama, das hier ist kein Fremder. Das ist die Polizei“, erklärte ein kleines Mädchen mitten im Baumarkt, wo Heiko Teschke in seiner Freizeit gerade mit seiner Frau in einem Regal nach Bauutensilien suchte. „In Räuberzivil“, betonte der fürs Seeland zuständige Regionalbereichsbeamte lachend und war völlig beeindruckt, dass die Kleine ihn auch ohne Uniform erkannte. „Nur am ...

Von Regine Lotzmann

„Mama, das hier ist kein Fremder. Das ist die Polizei“, erklärte ein kleines Mädchen mitten im Baumarkt, wo Heiko Teschke in seiner Freizeit gerade mit seiner Frau in einem Regal nach Bauutensilien suchte. „In Räuberzivil“, betonte der fürs Seeland zuständige Regionalbereichsbeamte lachend und war völlig beeindruckt, dass die Kleine ihn auch ohne Uniform erkannte. „Nur am Gesicht.“

Aufklärung in der Kita

Denn genau dieses Hinschauen war das, was er in den vergangenen Wochen den Knirpsen der Seeland-Kindergärten gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus-Ulrich Schnita beibringen wollte. Damit die Kleinen wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn ein Fremder sie anspricht - und vielleicht sogar ins Auto locken will. „Nina und der Fremde“ heißt dann auch das Projekt, mit dem die beiden Beamten in den letzten Tagen durch die Kindergärten reisten. Und auf das der Polizist eigentlich durch Zufall gestoßen war. Durch einen Flyer.

Denn die Geschichte mit der Policat von Steffen Gründel - einem ehemaligen Polizisten, der weiter ehrenamtlich in der Prävention tätig ist - laufe in Thüringen schon seit Jahren sehr erfolgreich. Und Gründel hatte nichts dagegen, dass die beiden Seeland-Regionalbereichsbeamten die kindgerechten Unterlagen auch in Sachsen-Anhalt nutzen.

Wie sollen sich die Knirpse denn nun aber im Falle eines Falles richtig verhalten? „Die Mädchen und Jungen sollen auf Detailfragen achten. Welche Farbe hat das Auto? Wie sah der Fremde aus? Auch kleine Sachen sind da wichtig“, findet Heiko Teschke und macht den Kindern klar, es unbedingt zu Hause zu erzählen, wenn sie angesprochen wurden. „Denn nur, wenn die Polizei Kenntnis davon hat, können wir auch etwas machen.“

Noch viel wichtiger an diesen Übungsstunden war jedoch, den Kindern zu zeigen, wie sie sich in Sicherheit bringen können. „Nichts annehmen. Abstand halten. Auf keinen Fall ins Auto steigen. Richtig laut rufen: Hilfe! Fassen Sie mich nicht an! Und weglaufen“, zählen die Regionalbereichsbeamten auf.

„Was ist überhaupt ein Kennzeichen?“

Die haben es übrigens nicht nur bei Theorie und Prüfung mit richtigem Zertifikat belassen, sondern gleich noch einen praktischen Teil mit eingefügt. „Eins der Hoymer Kinder fragte nämlich: Was ist überhaupt ein Kennzeichen?“, begründet Heiko Teschke das und dachte: Ja, woher sollen die Kleinen das auch wissen? Und so machten sich die Polizisten mit den Kindern auf den Weg zum Parkplatz, schauten sich die Autos an, die Farben und übten, richtig laut um Hilfe zu schreien. „In Gatersleben haben wir das vor dem Einkaufsmarkt gemacht - die Leute sind stehen geblieben und haben geschaut. Ziel erreicht“, nickt Teschke.

Die Polizisten machten mit den Kindern dann richtige Touren durch den Ort, zeigten ihnen öffentliche Gebäude, wie Sparkasse, Post oder Einkaufsladen, wo sie im Notfall hineinlaufen könnten und sicher sind. Sie schauten nach, wo es Verstecke für die Kleinen gibt. „Kinder haben da Ideen, da kommt man als Erwachsener gar nicht drauf“, weiß Klaus-Ulrich Schnita und ist mit der Aktion sehr zufrieden.

Erfolgreiche Feuerprobe

Auch Heiko Teschke sieht die Feuerprobe als Erfolg - und möchte in den nächsten Jahren gern mit dem Projekt weitermachen. „Vielleicht auch in den Schulen“, überlegt er laut. Denn auch für Erstklässler sei diese Aktion durchaus sinnvoll.

„Das hat richtig Spaß gemacht“, gesteht der Polizist, der selbst viel dabei gelernt hat. Und erzählt von einer Episode, die ihm wohl immer in Erinnerung bleiben wird. Denn als sie den Kindern erzählten, womit Fremde sie locken könnten, ließen sie sich als Beispiel Süßigkeiten nennen. „Die Kinder zählten Schokolade und Gummibären auf, Bonbons und Pralinen. Und ein kleiner Junge rief hingerissen: Würstchen“, sagt Teschke und lacht, weil er das total niedlich fand. Sicher, jeder habe so seine Leidenschaft. Wichtig sei, dass die Jungen und Mädchen nur erkennen, dass auch ihr Lieblingsessen nicht zum Lockmittel werden darf. (mz)