Pionier des Automobilbaus

Pionier des Automobilbaus: Ein Denkmal für Lutzmann

Nienburg - ichael Bunge will Erinnerung an einen Pionier des Automobilbaus wachhalten. Nienburger Konstrukteur legte Grundstein für Opel-Fahrzeuge.

Von Andreas Braun 14.02.2017, 09:55

„Ich bin fasziniert. Das ist ein Mann, der so viel für die Automobilindustrie in Deutschland gemacht hat, und er ist in Nienburg geboren.“

Michael Bunge kommt ins Schwärmen, wenn er über  Friedrich Lutzmann  redet. Der Pionier des Automobilbaus in Deutschland wird aber nach Bunges Meinung in seiner Geburtsstadt nicht ausreichend gewürdigt.

„Es gibt eine Friedrch-Lutzmann-Straße. Doch über den Mann an sich ist sonst nichts weiter in Nienburg zu sehen“, sagt der Vorsitzende des Vereins zur Förderung kultureller Projekte in Nienburg, kurz Projektverein genannt. „Es wird Zeit, dass dem Mann ein Denkmal gesetzt wird“, schlussfolgert Bunge.

Jede Menge Erfahrungen im Gepäck

Erfahrung damit, wie man auch größere Projekte anstößt und finanziert hat der Verein, denn er setzte sich auch maßgeblich mit dafür ein, dass das Nienburger Glockenspiel rekonstruiert wurde. Nun soll es ein Lutzmanndenkmal werden.

Dafür wird aber Geld benötigt, sagt Bunge. Einen Künstler mit einer Idee habe man schon gefunden. Es ist der in Quedlinburg lebende Bildhauer Wolfgang Dreysse. Dreysse hat auch in Bernburg seine Spuren hinterlassen. Er gestaltete den am 31. März 2000 eingeweihten Eulenspiegelbrunnen auf der kleinen Wilhelmstraße.Es ist ein Trinkbrunnen mit der Inschrift „Man wird nicht als Eulenspiegel geboren ...“.

Für 100 Euro wird der Spender verewigt

„Wir hoffen, dass sich viele Nienburger für das Denkmal begeistern können und spenden.  Wenn jemand mindestens 100 Euro spendet, dann soll sein Name mit auf das Denkmal kommen“, so Bunge.

Lutzmann stieg 1893 in die Autokonstruktion ein. Mit seinem Freund Fritz Koch eröffnet Lutzmann in Dessau den „Motorwagen-Fahrverkehr“ und bot Fahrten auf der Strecke von Dessau nach Wörlitz und Aken an.

Teilweise wird der Betrieb von Lutzmann und Koch als erstes Taxiunternehmen in Deutschland bezeichnet, was allerdings nicht eindeutig belegt werden kann. Mit der Gründung der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn ging die Nachfrage nach Fahrten in das benachbarte Wörlitz und Aken zurück, und der „Taxibetrieb“ wurde eingestellt.

Zur gleichen Zeit baute Lutzmann auch an eigenen Automobilen. Am 15. Mai 1894 verließ der erste Motorwagen des Konstrukteurs die „Anhaltische Motorenfabrik“, der Patentmotorwagen „Pfeil 1“ mit drei PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. In den folgenden Jahren produzierte das Werk etwa 100 Motorenwagen, teilweise mit technischen Neuerungen, zum Beispiel die elektrische Zündung. Lutzmann, so Bunge, stehe mit Carl Benz in einer Reihe.

Spenden für das Denkmal können auf das Konto der Sparkasse mit Adresse und dem Verwendungszweck „Projektverein“ eingezahlt werden: DE37 8005 5500 0340 0870 05

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Der Konstrukteur  Friedrich Lutzmann wurde am 5. April 1859 in Nienburg geboren und reiste nach seiner Ausbildung als Bauschlosser, Spengler und Werkzeugschmied unter anderem nach Dresden, Venedig, Mailand und Luzern, um dort etwas Neues zu erlernen.

Nach seiner Rückkehr eröffnete Lutzmann in Dessau eine eigene Bau- und Kunstschlosserei, in der er für den Erbprinzen von Anhalt Ziergitter für das Eingangstor am Palais anfertigte. Zum Dank erhielt er den Titel „Hofschlossermeister“ und war nebenbei Betreuer der herzoglichen Kutschen.  1893   sattelte er auf Automobile um.

Der Nähmaschinen- und Fahrradhersteller Opel aus Rüsselsheim interessierte sich für Lutzmanns Fahrzeuge und kaufte 1899 die „Anhaltische Motorwagenfabrik“ inklusive aller Patente. Die  Produktion zog nun von Dessau nach Rüsselsheim, wo Lutzmann Direktor wurde und für Opel den Opel-Patent-Motorwagen, System Lutzmann, konstruierte. 1901 gewann der gebürtige Nienburger mit seinem Wagen das Bergrennen auf den Königsstuhl bei Heidelberg. Seine Karriere bei Opel endete jedoch schon nach zwei Jahren. Lutzmann starb am 23. April 1930 in Dessau.