Show-Express Könnern

Kann Pittiplatsch auf Geburtstagstour gehen?

Künstleragentur leidet, weil die Auftritte fehlen. Und mit ihr die Künstler wie Ronny Weiland und Bärbel Möllendorf.

Pitti lebt derzeit im Puppenkoffer. Wann er wieder nach Aschersleben kommt, das ist noch offen. Foto: Schumann

Könnern - „Früher war man mit 60 alt, aber heute...“, sagt Mario Behnke und hat ein schelmisches Lächeln im Gesicht. Zumal der freche, neugierige, aufgeweckte Pittiplatsch, der im kommenden Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, eh das Geheimnis der ewigen Jugend kennt. Allerdings soll es ein besonderes Programm werden, das dem kleinen Fernseh-Kobold gewidmet wird.

„Wir arbeiten gerade daran - und das Gerüst steht“, freut sich Behnke, der Geschäftsführer des Show-Express Könnern ist. Mit dem reist Pitti, nachdem seine Fernsehkarriere beim DDR-Sandmännchen beendet war, nun schon seit fast 30 Jahren durchs Land. Gemeinsam mit den anderen Figuren aus dem Märchenwald. Moppi etwa, der erst vor wenigen Tagen 45 Jahre alt geworden ist.

„Deshalb hoffen wir, dass wir im Herbst weitermachen können“, gesteht Behnke, der wie alle Künstler und Künstleragenturen unter der Corona-Pandemie leidet. „Unsere letzte Veranstaltung hatten wir am 31. Oktober“, bedauert der Geschäftsführer und verrät, wie Pitti und seine Freunde diese Zeit der Beschränkungen, der Vorsicht und der abgesagten Kulturveranstaltungen verbringen:

„In der Puppenkiste. Ab und an werden sie zur Kontrolle rausgeholt. Und Bärbel Möllendorf, eine unserer Puppenspielerinnen, die auf der Live-Tournee das Schnattchen spricht, guckt, wo was repariert werden muss - und tut es dann auch selbst.“

„Unsere letzte Veranstaltung hatten wir am 31. Oktober 2020.“

Mario Behnke, Geschäftsführer vom Show-Express in Könnern

Das Schnatterinchen - Pittis vernünftige und besserwisserische Freundin - wird übrigens gerade neu gebaut. „Von einer hervorragenden Puppenbauerin aus Österreich, die als Vorlage nur Bilder hat“, verrät Behnke und sagt: „Das Wichtigste sind die Augen!“ Die würden aus Knöpfen bestehen und die Puppenbauerin habe eine Menge davon - um die richtigen zu finden.

Auch Buddelflink habe Doris Gschwandter für die letzte Show nachgebaut und so aus der Fernseh-Rente zurückgeholt. Denn originale Puppen gehen nur noch wenige auf Tour: von Mischka etwa oder Mauz und Hoppel. Pitti und Herr Fuchs gehörten eh Originalpuppenspieler Heinz Schröder, der 2009 knapp vor seinem 81. Geburtstag gestorben ist.

Doch nicht nur den liebenswerten Puppen wurde durch Corona eine Zwangspause verordnet. Auch den anderen Künstlern, die der Show-Express unter Vertrag hat, fehlen die Bretter, die die Welt bedeuten. Fernseh-Urgestein Herbert Köfer zum Beispiel. Und das, obwohl er in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden ist. „Die Feier ist leider ins Wasser gefallen“, sagt der Chef der Künstleragentur.

Ronny Weiland ist das Zugpferd.
Foto: Frank Grommisch

„Aber er hatte so eine Vorahnung und den 99. Geburtstag so gefeiert als ob es der 100. wäre.“ Der Schauspieler, der aus zahlreichen Filmen und Theaterstücken bekannt ist, stand für den Show-Express unter anderem mit den Stücken „Rentner haben niemals Zeit“ und „Das gesegnete Alter“ auf der Bühne. Denn der rüstige Senior sieht das Alter nur als Zahl. „Aufhören will er da selbst mit 100 noch nicht.“ So waren für dieses Jahr wieder einige Auftritte geplant. „Die haben wir jetzt erst einmal auf den Herbst verlegt.“

Ein anderes Zugpferd der Agentur ist Ronny Weiland, dessen Markenzeichen vor allem russische Folklore wie die Lieder vom Wolgastrand ist. Behnke hatte früh entdeckt, was in ihm steckt, damals als er noch auf Geburtstagen gesungen hatte. Heute füllt er die Konzerthallen.

Wie es nun weitergeht mit dem Show-Express und seinen Tourneen, das hängt von der Entwicklung ab, von der Zahl der Infizierten, den Bestimmungen, sagt Behnke. „Eigentlich ist es eine Zeit, wo wir gar nichts mehr wissen“, gesteht der Showmensch und sagt, dass verschiedene Volksfeste und Theaterauftritte bereits abgesagt wurden. Weniger Besucher. Abstand. Der Personalaufwand ist sicher größer und die Abgaben bleiben gleich. „Meist können wir uns das nicht leisten, dann lassen wir es eben ganz“, erklärt Mario Behnke.

Und auch, wenn es wieder besser wird, was die Ansteckung mit dem Coronavirus angeht, „von heute auf morgen wieder einzusteigen, das ist undenkbar“, weiß der Experte. „Wir brauchen mindestens ein halbes Jahr Vorlauf für unsere Programme.“

Zumal sich auch in der Agentur selbst einiges geändert hat. Langjährige Mitarbeiter sind aus Altersgründen nicht mehr dabei. Neue anzulernen, das brauche seine Zeit. „Wir hatten ja einen Rhythmus drin“, meint Behnke. „Aber es wird weitergehen“, ist er sich sicher und hofft auf neue Mitstreiter, die mit der gleichen Begeisterung dabei sein werden.

Vielleicht so wie Pitti, der sich in der Corona-Pause in Sachen Gesundheit mit einbringt. Nicht nur, dass sein Motiv Mund-Nasen-Masken bedeckt, nein, in Brandenburg mahnt er auch mit frechen Sprüchen, die Masken auch ja zu tragen.