Anmeldungen in Sachsen-Anhalt verdoppelt

Urlaub mit Boot in Zeiten der Pandemie immer beliebter

Wegen Corona haben sich bei vielen Sachsen-Anhaltern die Freizeitaktivitäten verändert. Urlaub mit dem Boot ist eine Möglichkeit, Abstand zu halten.

Von Thomas Schöne
Ein Mann und eine Frau fahren mit einem Motorboot auf der Elbe bei Magdeburg. Wegen Corona haben auch viele Sachsen-Anhalter Urlaub mit dem Boot für sich entdeckt.
Ein Mann und eine Frau fahren mit einem Motorboot auf der Elbe bei Magdeburg. Wegen Corona haben auch viele Sachsen-Anhalter Urlaub mit dem Boot für sich entdeckt. (Foto: dpa)

Halle (Saale)/dpa - Es ist warm, die Sonne scheint, und etliche Freizeitkapitäne passieren die Saale-Schleuse in Halle-Trotha. Wer jetzt ein Boot hat, macht bei dem wegen Corona gebotenen Abstand nichts falsch. „Aber der Markt an Neubooten ist leergefegt“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (Köln), Karsten Stahlschuh.

Dementsprechend gibt es auch einen Run auf Bootsregistrierungen. „Es gibt kein Zentralregister, über 100 Stellen, wie Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter, Landratsämter und Verbände sind berechtigt, einen Internationalen Bootsschein (IBS) auszustellen“, sagt die Sprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt (Laatzen), Alexandra Kruse. „In 2020 hat alleine der ADAC als größter Aussteller des IBS in Deutschland mehr als 10 000 Neuregistrierungen ausgestellt. Wir rechnen in diesem Jahr mit einem weiteren Wachstum.“

Das bedeutet auch, dass die Liegeplätze knapp werden. Die 60 Plätze im Yachthafen Magdeburg sind nach Angaben des Betreibers alle belegt. Auch woanders in Sachsen-Anhalt ist nach dem langen Stillstand emsiges Treiben zurückgekehrt. „Wir haben 40 Plätze“, sagt die Hafenmeisterin Uta Lippmann vom Sportboothafen Haldensleben (Landkreis Börde). „Der Hafen liegt am Mittellandkanal, und es gibt zurzeit noch freie Plätze.“ Die Bootsleute, die hier festmachen, wollen sich ausruhen und dann weiterfahren. „Im vorigen Sommer gab es hier für mich sehr viel zu tun, mehr als mir vielleicht guttat, dann, im Lockdown, ging wieder alles runter, jetzt ist alles wieder im Kommen. Hoffentlich bleibt es so.“

„Alle 250 Plätze in der Marina Mücheln sind belegt“, sagt Hafenmeister Andreas Schmidt von der Marina Mücheln GmbH (Saalekreis). „Auch im Vorjahr war alles voll. Die Liegeplätze werden jährlich vergeben. Die Bootseigentümer kommen aus Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.“ Nach Angaben des Hafenmeisters wurde die Marina schon um 50 Plätze erweitert und soll jetzt noch einmal um 30 bis 50 Plätze aufgestockt werden.

Auch die Erlaubnis zum Führen eines Bootes ist begehrt. Bis 15 PS können Wasserfahrzeuge ohne Schein gefahren werden. Darüber hinaus wird ein Bootsführerschein benötigt. In Deutschland nehmen der Deutsche Seglerverband (Hamburg) und der Deutscher Motoryachtverband (Duisburg) die Prüfungen für die Bootsführerscheine ab.

„Bei den Bootsführerscheinen waren es im Vorjahr 90 und jetzt 180 Anmeldungen. Man kann davon ausgehen, dass sich die Anmeldungen auch in den anderen Bootsschulen im Land in etwa verdoppelt haben“, sagt Bootslehrerin Ellen Herrmann aus Halle. „Als die Pandemie begann haben sich die Leute erst einmal auf die ganzen Wohnmobile gestürzt - dann auf die Boote, die man ohne Führerschein fahren kann, und dann war alles weg, und nun braucht man den Führerschein, und so kam das eben zu der starken Nachfrage.“

Nach Angaben des Deutschen Motoryachtverbandes wurde in den vergangenen vier Jahren ein deutlich gesteigertes Interesse am Sportbootführerschein registriert. Seit 2017 stieg die Nachfrage nach Bootsführerscheinen im Durchschnitt jährlich um 17 Prozent. Im Jahr 2020 gab es einen kleinen Knick in der Tendenz, da es wegen des Corona-Lockdowns zu einem großen Rückstau an Führerscheinprüfungen kam. Den Angaben zufolge zeichnete sich jedoch bereits im ersten Quartal 2021 ab, dass der positive Trend ungebrochen weitergeht.

Aber auch Wasserfahrzeuge ohne Motor sind heiß begehrt. „Wer im Frühjahr sein Faltboot bestellte, kann im Oktober mit der Auslieferung rechnen“, sagt der Geschäftsführer der PFB Faltboot GmbH (Bitterfeld), Helmar Becker. „Wir sind bis Januar 2022 komplett ausgelastet.“ Probleme seien derzeit die Materialknappheit und die steigenden Preise. „Es fehlt an allen möglichen Dingen, beispielsweise an Edelstahlscharnieren in bestimmten Größen.“ Derzeit kostet ein Faltboot zwischen 2700 bis 3700 Euro. Becker rechnet aber mit einem Preisanstieg von fünf bis zehn Prozent.