Schnösel-Schule?!

Schnösel-Schule?!: Problem der Privatschulen ist der Begriff Privatschule

Das große Problem der Privatschulen in Sachsen-Anhalt ist der Begriff Privatschule. Aus ihm resultieren alle weiteren Probleme.

Das große Problem der Privatschulen in Sachsen-Anhalt ist der Begriff Privatschule. Aus ihm resultieren alle weiteren Probleme.

Wer nicht durch eigene Kinder oder Enkel einen persönlichen Einblick hat, hat oft die Vorstellung, dass da hinter Schlossmauern Kinder Cricket spielen und in Schuluniform auf das Leben als Führungskraft vorbereitet werden. Wenn die Privatschulen dann beklagen, dass das Land sie nicht ausreichend unterstützt, führt das bei vielen Menschen bestenfalls zu Schulterzucken: Sollen die Schnösel ihre Elite-Einrichtungen doch selbst bezahlen, so der Tenor.

Doch das ist falsch. Die allgemeinbildenden Schulen in privater Trägerschaft werden von Elternvereinen oder Kirchen betrieben - und richten sich an alle Kinder. Einige müssen für die soziale Mischung mehr tun, das stimmt. Das Land ist für diese Schüler aber genauso verantwortlich wie für die anderen.

Die Ignoranz der Politik zeigte sich besonders deutlich in der hartnäckigen Weigerung, die Finanzierung der privaten Schulen unabhängig zu untersuchen. Die Kenia-Koalition hat diese Blockade aufgegeben und im Koalitionsvertrag ein Gutachten versprochen. Dieses soll nüchtern auflisten, wie viel das Land im Schnitt für einen Schüler im öffentlichen Bereich aufwendet und wie viel für einen Privatschüler. Doch das Ergebnis soll erst Anfang Januar 2019 vorliegen - fast drei Jahre nach Antritt der Regierung.

Diese Trödelei ist eine Ohrfeige für Schulen, in denen teilweise der kalte Wind durch Dächer und Fenster pfeift. Sie ist auch eine Zumutung für die Landtagsfraktionen, die nun unter dem Druck stehen, zumindest die größte Not zu lindern. Wenn eine solide Zahlenbasis fehlt: Woran, bitteschön, soll sich der Landtag eigentlich orientieren?

Den Autor erreichen Sie unter hagen.eichler@mz-web.de