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Antisemitismus Perfider und widerwärtiger Judenhass (Kommentar)

Seit dem Überfall der Hamas auf Israel wächst der Judenhass – nach einem allzu bekannten Muster.

Von Alexander Schierholz 27.01.2026, 06:00
Unser Kommentator befasst sich mit dem wachsenden Antisemitismus.
Unser Kommentator befasst sich mit dem wachsenden Antisemitismus. (Foto: MZ / Stedtler)

Halle/MZ - Im wachsenden Hass gegen Juden nach dem 7. Oktober 2023 zeigt sich ein leider nur allzu bekanntes antisemitisches Muster. Es lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Juden sind an allem schuld. Nun sollen sie also auch verantwortlich sein für die Gewalt Israels im Gaza-Streifen als Antwort auf den terroristischen Hamas-Überfall. Diese Art der Kollektivhaftung ist so perfide wie unsinnig. Hier lebenden Juden kann das Agieren der israelischen Armee nicht zugerechnet werden, bloß weil sie Juden sind und Israel ein jüdischer Staat ist.

Es macht die Lage nicht besser, dass Antisemitismus mit Bezug zum Holocaust in Sachsen-Anhalt offenbar auf dem Rückzug ist, zumindest nach den vorläufigen Daten der „Rias“-Meldestelle: Diese registrierte 47 derartige Delikte von Januar bis Juli 2025, neun weniger als im Vorjahreszeitraum. Oft handelt es sich um Schmierereien oder Zerstörungen. Doch Judenhass ist nicht weniger widerwärtig, bloß weil er sich nicht gegen hier und heute lebende Juden richtet: Wer jüdische Gräber schändet oder Stolpersteine herausreißt, trampelt mutwillig auf dem Leid von Millionen Toten und dem Gedenken an sie herum.

Antisemitismus: Ist Sachsen-Anhalt besonders sensibel nach dem Anschlag von Halle?

Man sollte meinen, dass gerade Sachsen-Anhalt nach dem Attentat auf die Synagoge in Halle vor mehr als sechs Jahren besonders sensibel ist, was Antisemitismus und die Bedrohung von Juden angeht. Tatsächlich schlägt sich das nieder in der Rund-um-die-Uhr-Bewachung der jüdischen Gotteshäuser in Halle, Magdeburg und Dessau durch die Polizei. In diesem Schutz zeigt sich die besondere Verantwortung Deutschlands nach der Shoah ganz konkret.

Doch Antisemitismus zu bekämpfen, ist nicht nur eine Aufgabe des Staates, es ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Was ist mit Pöbeleien in der Straßenbahn, Beleidigungen auf dem Schulhof? Hier tut mehr Zivilcourage not, mehr Mut, Solidarität mit Bedrängten zu zeigen. Dabei sind wir alle gefragt.