Kommentar

Öffnungen auf Messers Schneide

Die dritte Welle rollt, gleichzeitig wird geöffnet. Das muss kein Widerspruch sein, meint MZ-Redakteur Max Hunger.

Halle (Saale).  Auf oder zu - na was denn nun? Während sich die Intensivstationen in Sachsen-Anhalt immer weiter füllen, sollen im Harz zum Wochenende wieder Biergärten öffnen. Was zunächst absurd klingt, kann allerdings durchaus vertretbar sein.

Denn die Grundlage für die sogenannten Modellprojekte in der Gastronomie ist ein striktes Testregime. Jeder, der einen Kaffee in der Sonne genießen will, muss sich zuvor einem Schnelltest unterziehen. Das sorgt nicht nur für Sicherheit in den Gaststätten, es verringert auch die Dunkelziffer der symptomlosen Corona-Überträger im Land. Zudem geben die Öffnungen den gebeutelten Gastronomen Hoffnung, ihre Gäste können wieder etwas Normalität schnuppern. Solche Silberstreifen sind zuletzt rar geworden.

Corona-Modellprojekte tragen Risiken mit sich

Allerdings: Die geplanten Öffnungen bleiben nicht ohne Risiko. Das zeigt ein Blick nach Baden-Württemberg. Die Stadt Tübingen experimentiert seit Wochen mit Tests und geöffneten Geschäften. Die Behörden berichten dabei auch von Menschenansammlungen, zum Teil war Alkohol im Spiel. Zuletzt stieg die Inzidenz wieder auf über 100.

Damit liegt die Stadt immer noch deutlich unter dem Wert im Harz. Ein laxer Umgang mit Hygieneregeln, fröhlich feiernde Gruppen - solche Szenen müssen hier unbedingt verhindert werden. Denn schleicht sich dabei unter den Besuchern ein falsches Testergebnis ein, könnte ein folgender Infektionsschub das Gesundheitssystem an die Belastungsgrenze bringen - erneut.

Es liegt also in der Hand der Gastronomen, Gäste und Behörden, verantwortungsvoll mit der Freiheit auf Probe umzugehen. Im schlechtesten Fall erweist sich das Projekt als gefährlicher Fehlschlag. Im besten Fall zeigt es jedoch einen Weg aus dem Dauerlockdown. Es ist ein Ritt auf Messers Schneide. (mz/Max Hunger)

Den Autor erreichen Sie unter: max.hunger@mz.de