TReibt Praxen «in den Kollaps»

Obergrenzen für Biontech-Impfstoff: Hausärzte kritisieren Gesundheitsministerium

Die Debatte über Obergrenzen für Biontech-Impfstoff gewinnt an Schärfe: Die Begrenzung der Biontech-Lieferungen führe das Ziel des Impffortschritts «ad absurdum».

22.11.2021, 14:04
Ein Mitarbeiter bereitet Spritzen mit dem Impfstoff von Moderna gegen das Coronavirus vor.
Ein Mitarbeiter bereitet Spritzen mit dem Impfstoff von Moderna gegen das Coronavirus vor. (Foto: dpa)

Magdeburg/dpa - Der Hausärzteverband Sachsen-Anhalt hat das Bundesgesundheitsministerium in der Debatte über Obergrenzen für Biontech-Impfstoff kritisiert. «Die Verabreichung genau dieses Impfstoffes hat das Vertrauen bei den Bürgern und Ärzten in die Wirksamkeit und Sicherheit der Corona-Impfungen begründet», teilte der Verband am Montag mit. Die Begrenzung der Biontech-Lieferungen führe das Ziel des Impffortschritts «ad absurdum». Mit seinem Agieren treibe das Bundesgesundheitsministerium Hausarztpraxen «in den Kollaps», kritisierten die Hausärzte.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Biontech-Impfstoff angekündigt. Dafür soll das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz kommen. Zur Begründung wurde auch darauf verwiesen, dass andernfalls ab Mitte des 1. Quartals 2022 eingelagerte Moderna-Dosen zu verfallen drohten.

Patienten sollten Ruhe bewahren, teilte der Hausärzteverband mit und richtete einen Appell an die Politik. «Sorgen Sie für ausreichend Dosen aller benötigten Impfstoffe und die dazugehörige Logistik für die Verteilung! Politische oder ökonomische Streitigkeiten haben keinen Platz in dieser Situation», hieß es.

Für die Praxen in Sachsen-Anhalt sei der Impfstoff von Moderna überhaupt erst seit dem 4. Oktober 2021 verfügbar, so der Verband. Die bei den Hausärzten mit einem mRNA-Impfstoff geimpften Menschen hätten «nahezu ausnahmslos» das Vakzin von Biontech erhalten. Die Auslastung der Hausarztpraxen sei aktuell enorm, viele Praxisteams erreichten ihre Belastungsgrenze.

In einer Pressekonferenz bemühte sich der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag, Vorbehalte gegen das Vakzin von Moderna zu zerstreuen. «Moderna ist ein guter, sicherer und sehr wirksamer Impfstoff», sagte der CDU-Politiker in Berlin. Zugleich wies er darauf hin, dass viele Auffrischungsimpfungen auch künftig mit dem bei vielen Bürgern bevorzugten Impfstoff von Biontech vorgenommen werden.