Obdachlosigkeit

Obdachlosigkeit: Sachsen-Anhalts Unterkünfte sind bereit für den Winter

Magdeburg - Die offiziellen Zahlen zu den Obdachlosen in Sachsen-Anhalt sind überschaubar - oder werden gar nicht erhoben. Hilfsangebote gibt es in vielen Städten und sie werden auch angenommen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. In Magdeburg gibt es für Obdachlose 88 Plätze in Unterkünften. Derzeit leben hier laut Stadtverwaltung 50 Menschen im Alter zwischen 19 und 70 Jahren.

10.11.2018, 09:15

Die offiziellen Zahlen zu den Obdachlosen in Sachsen-Anhalt sind überschaubar - oder werden gar nicht erhoben. Hilfsangebote gibt es in vielen Städten und sie werden auch angenommen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. In Magdeburg gibt es für Obdachlose 88 Plätze in Unterkünften. Derzeit leben hier laut Stadtverwaltung 50 Menschen im Alter zwischen 19 und 70 Jahren.

Sachsen Anhalts Notunterkünfte sind gefragt

In der Stadt Halle heißt es, im „Haus der Wohnhilfe“ stünden 150 Plätze zur Verfügung, zusätzlich 28 Plätze im Notquartier. Die Auslastung liege im Jahresdurchschnitt bei 75 Prozent. Die Menschen bleiben den Angaben zufolge im Durchschnitt neun Monate in der Unterkunft.

Die Obdachlosenunterkunft in Stendal hat Platz für 42 Menschen. Nach Angaben der Stadt bot die Einrichtung in den letzten drei Jahren über 60 Menschen ein Obdach. Durchschnittlich leben täglich etwa drei Menschen hier. Darüber hinaus gibt es noch eine unbekannte Zahl von Bedürftigen, die in Gartenlauben oder bei Bekannten wohnen.

Obdachlos: Hauptsächlich Männer über 50 Jahre

„Obdachlose haben in der Gesellschaft keine Lobby“, sagte der Abteilungsleiter Sozialberatung und Tagesaufenthalt „Wärmestube“ bei der Evangelischen Stadtmission Halle, Heiko Wünsch. „Keiner spricht so gern über dieses gesellschaftliche Problem.“ Die Stadtmission habe sich als erste Einrichtung vor 130 Jahren des Themas Armut in Halle angenommen.

Heute gibt es die „Wärmestube“ und die Sozialberatung. „In der Wärmestube mit 25 Plätzen ist ein Kommen und Gehen. Es gibt keine Jahreszeit, in der weniger oder mehr Menschen das Angebot annehmen“, sagte Wünsch. „Hauptsächlich sind es Männer, welche 50 Jahre und älter sind, und einige ältere Frauen.“

Sozialarbeiter betreuen Obdachlose

Die zwei Räume der „Wärmestube“ sollen ein Ort der Ruhe und Sicherheit sein. „Hier bedrängt die Gäste niemand, hier will keiner etwas von ihnen. Wenn sie reden wollen, sind wir da. Es gibt Kaffee, Filme und Videospiele sowie Radio und Zeitungen“, sagte Sozialarbeiter René Pietsch. „Die Menschen hier sind in der Regel allein. Familienangehörige haben sich von ihnen abgewendet.“ Die Probleme seien vielfältig: Alkoholsucht, Tablettenabhängigkeit, Drogen, Schulden oder psychische Krankheiten. Meistens komme vieles zusammen.

Die Stadt Magdeburg hat festgestellt, dass sowohl Männer als auch Frauen Hilfe in der Obdachlosenunterkunft suchen, sogar Familien mit Kindern. Den Angaben zufolge sind erfahrene Betreuer vor Ort. Im Durchschnitt bleiben die Bewohner hier 117 Tage.

Obdachlose kommen für Gesellschaft und Essen

Die Leiterin der Dessauer Bahnhofsmission, Benita Lanfermann, berichtete: „Täglich kommen zu uns zwischen 30 und 40 Menschen“. Und: „Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, manche bleiben länger, manche kürzer. Etliche kommen am Vormittag, weil sie die Gesellschaft mögen, manche sind einfach nur zum Essen da. Aus meiner persönlichen Arbeit sehe ich, dass mehr Menschen zu uns kommen.“

Bei der Bahnhofsmission in Halle treffen sich täglich etwa 40 Menschen. Nicht alle, aber etliche von ihnen sind obdachlos. „Gegen Ende des Monats können es dann schon mal über 60 am Tag sein“, berichtete die stellvertretende Leiterin, Marlies Lang. Die Probleme ähneln sich: Arbeitslosigkeit, Alkohol und Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen.

Es kämen meist Männer in der Altersgruppe 30 bis 50 aufwärts, Frauen seien selten. „Bei 40 Männern sind es vielleicht fünf Frauen, meist Ältere“, sagte Lang. „Frauen können offenbar in schwierigen Lebenssituationen besser zurechtkommen als Männer.“ (dpa)