„2000 Jahre alte Hirten-Mythologie“

Jusos Sachsen-Anhalt lästern über Jesus

Magdeburg - Der SPD-Nachwuchs nennt das Christentum eine „2000 Jahre alte Hirten-Mythologie“. Die Kirche warnt die Partei vor „vergifteter Rhetorik“.

Von Hagen Eichler 08.01.2018, 20:07

Sachsen-Anhalts Jusos greifen die Kirche an. Beim SPD-Landesparteitag am Wochenende will die Nachwuchsorganisation eine strikte Trennung vom Staat durchsetzen.

Die Zahl der Gläubigen sei im freien Fall, heißt es in der Begründung. Das Christentum wird als eine „über 2 000 Jahre alte Hirten-Mythologie“ bezeichnet, die keine Antworten auf die Probleme des 21. Jahrhunderts liefere.

Jusos Sachsen-Anhalt kritisieren christlichen Glauben

Damit kritisieren die Jusos nicht das Verhältnis von Staat und Kirche, sondern den Glauben an sich. Der Begriff „Hirten-Mythologie“ spielt darauf an, dass nach der Bibel Hirten die ersten waren, die Jesus als Sohn Gottes anbeteten. Die abfällige Formulierung wurde zuvor bereits von dem atheistischen Buchautor Philipp Möller verwendet.

Juso-Landesvorsitzende Tina Rosner sagte auf MZ-Nachfrage, der Antrag samt Begründung stamme von den Jusos im Harz, werde aber vom Landesverband unterstützt. Auch kirchlich gebundene Jusos hätten für den Antrag gestimmt. Über den Stil könne man „sicher streiten“, so Rosner. „Ich verstehe, wenn dieser Begriff für Irritationen sorgt.“ Entscheidend seien aber die konkreten Forderungen, nicht die Antragsbegründung.

Die evangelische Kirche zeigt sich gleichwohl irritiert. Die SPD sei in der Vergangenheit immer darauf bedacht gewesen, „alle Gruppen in die gesellschaftliche Gestaltung einzubeziehen“, sagte Albrecht Steinhäuser, Beauftragter der evangelischen Kirche bei der Landesregierung. „Ich bin mir sicher, dass es auch zukünftig nicht ihr Bestreben ist, mittels vergifteter Rhetorik einen Graben zwischen Christen und Nicht-Christen zu errichten.“

Jusos wollen alle Zahlungen des Landes an die Kirchen kippen

Mit ihrem Antrag setzen die Landes-Jusos mehrere Forderungen auf die Tagesordnung. Abschaffen wollen sie den Einzug der Kirchensteuer durch die staatlichen Finanzämter. Katholiken und Protestanten seien nur zwei von vielen Religionsgemeinschaften, argumentiert Juso-Landeschefin Rosner: „Da stellt sich die Frage, warum der Staat ihnen eine exklusive Leistung anbietet.“

Kippen will der SPD-Jugendverband auch alle Zahlungen des Landes an die Kirchen. Historisch handelt es sich dabei um Entschädigungen für die Enteignung von Kirchenland im Jahr 1803. Sachsen-Anhalt stellte die Uralt-Verpflichtungen auf ein neues Fundament: 1993 wurde ein Vertrag mit den evangelischen Kirchen abgeschlossen, 1998 folgte für das katholische Bistum Magdeburg ein Vertrag mit dem Heiligen Stuhl. Im vergangenen Jahr überwies Sachsen-Anhalt auf dieser Basis der evangelischen Kirche 27,7 Millionen Euro, an die katholische flossen 5,7 Millionen Euro.

Wie das Land aus diesen Verpflichtungen aussteigen soll, lässt der Antrag offen. Ein auf historischen Verträgen beruhendes System müsse aber hinterfragt werden, sagte Rosner. Das Gleiche gelte für den evangelischen und katholischen Religionsunterricht: Die „Monopolstellung“ der beiden Konfessionen müsse beendet werden.

Zuletzt soll auch das kirchliche Arbeitsrecht verschwinden. Dass christliche Einrichtungen Angestellte wegen deren privater Lebensführung entlassen könnten, sei nicht hinzunehmen. Dass es dafür in Sachsen-Anhalt keine Beispiele gibt - etwa den Rauswurf eines homosexuellen Mitarbeiters - ficht die Jusos nicht an. „Bundesweit gibt es solche Fälle. Wir wollen nicht warten, bis das in Sachsen-Anhalt zum Problem wird“, sagte Rosner.

Beim Parteitag in Wernigerode dürfte den Jusos allerdings einiger Wind entgegenwehen. Bei der SPD sind überdurchschnittlich viele Christen aktiv. Landeschef Burkhard Lischka, Sohn eines Pfarrers, ist ebenso evangelisch wie Landtagsfraktionschefin Katja Pähle. Die Antragskommission schlägt denn auch vor, das kirchenkritische Papier zunächst parteiintern zu beraten - unter anderem im „Landesfachausschuss Christen“. Pähle will sich persönlich zu Wort melden. „Über das Thema Religionsfreiheit müssen wir uns offenbar neu verständigen“, sagte sie der MZ. (mz)