Gewerkschaft sieht Zusammenhang mit MigrationImmer mehr Messerattacken in Sachsen-Anhalt seit 2013

Magdeburg - Gewerkschaft sieht Zusammenhang mit Migration:

Von Jan Schumann 25.04.2018, 08:00

In der Debatte um die Sicherheit in mitteldeutschen Städten sorgen neue Zahlen für heftigen Diskussionsstoff:

In der Fünfjahresbetrachtung haben Sachsen-Anhalts Sicherheitsbehörden eine Zunahme von Straftaten mit Messern registriert.

Zuletzt gingen die einschlägigen Delikte leicht zurück, verharren aber  auf hohem Niveau. Das geht aus einer Auflistung des Innenministeriums hervor, die der MZ vorliegt.

Demnach stieg die Zahl der Straftaten, in denen Messer   Waffen und Drohmittel waren, seit 2013 um 21 Prozent. 2017 zählte die Polizei   724 Fälle,  also zwei pro Tag.   

Am häufigsten wurden  Messer zur Bedrohung eingesetzt (313), in rund 230 Fällen zur gefährlichen Körperverletzung. Auffallend:  Körperverletzungen  mit Messern auf öffentlichen Plätzen verdoppelten sich seit 2013 auf 113 Fälle.

Und es gab auch Todesopfer. 2017 listet  die Polizei vier Morde und 19 Totschlagsdelikte auf, in denen Messer Tatwaffen waren. Eine Zunahme ist das nicht:  2013 gab  es 25 Menschen, die durch Messer ums Leben kamen.

Das Ministerium betont, insgesamt sei die Statistik  nur bedingt aussagekräftig:  Anders als bei Schusswaffen ist die konkrete Erfassung der Waffe „Messer“ keine Pflicht für  Polizisten.

Aufgedeckt hat die  Zahlen   der SPD-Innenpolitiker  Rüdiger Erben. Er sagte, Polizisten  müssten besser  vorbereitet werden und forderte  Verbote. Bereits jetzt ist das Tragen  verschiedener Stichwaffen  in der Öffentlichkeit  untersagt:

Dazu gehören Klappmesser, die sich einhändig  feststellen lassen, Kampfmesser und Klingen ab  zwölf Zentimetern Länge. „Das reicht nicht“, so Erben, „man muss auch deren Besitz verbieten. Wer braucht solche Messer?“

Die Gewerkschaft der Polizei hält das für nicht praktikabel. „Das geht völlig daneben“, sagte der Vorsitzende Uwe Petermann. „Wer soll das kontrollieren?“ Er glaube auch nicht, dass  eine höhere Strafandrohung helfe. „Das schafft man nur mit einer besseren Polizeipräsenz.“

Wieso die Zahlen  steigen, geht  aus den Behördenangaben nicht hervor. „Das wäre aktuell  reine Spekulation“, sagte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) der MZ.   Petermann vermutet einen Migrations-Zusammenhang. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Zuwanderung junger Männer zu einer Zunahme der Körperverletzungsdelikte  führt.“ 

Das ändere aber nichts daran, „dass wir historisch gesehen aktuell sehr wenige  Gewaltstraftaten  haben“. Stahlknecht hält dagegen, dass  ein solcher Zusammenhang   schlicht nicht nachweisbar sei.

Auffällig ist: Ein Drittel der  Tatverdächtigen war jünger als 21 Jahre alt. Erben forderte deshalb mehr  Prävention: „Jugendliche und junge Erwachsene müssen aufgeklärt werden, was erlaubt und was verboten ist und auch darüber, was Messerstiche anrichten können.“  Stahlknecht sagte, er sei offen dafür, Messerangriffe künftig   genauer zu erfassen. (mz)