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Deutschlandticket Der Nahverkehr gehört ausgebaut (Kommentar)

Daten zeigen, wo das Deutschlandticket kaum attraktiv ist. Was die Politik tun kann.

Von Alexander Schierholz 04.02.2026, 16:07
Unser Kommentator befasst sich mit der Nutzung des Deutschlandtickets.
Unser Kommentator befasst sich mit der Nutzung des Deutschlandtickets. (Foto: MZ / Stedtler)

Halle/MZ - Viele Kritiker des Deutschlandtickets wollen es immer schon gewusst haben, nun haben sie es schwarz auf weiß und können sich bestätigt fühlen: Attraktiv ist das Ticket vor allem in Ballungsräumen, in denen viele Busse und Bahnen in engem Takt fahren. Auf dem flachen Land nützt es eher wenig. Das zeigen Daten für Sachsen-Anhalt, die Tendenz dürfte sich mühelos auf den Rest der Republik übertragen lassen.

Was klingt wie eine Binsenweisheit – wo kaum ein Bus fährt, bringt einen auch das günstigste Ticket nicht weiter –, ist ein deutlicher Auftrag an die Politik und die Verkehrsverbünde, den Nahverkehr auch in ländlichen Gebieten auszubauen. Das kostet Geld, natürlich, aber es wäre im Sinne des Klimas und der Verkehrswende gut angelegtes Geld.

Klar ist: Auf dem Land wird Mobilität nie ganz ohne Auto funktionieren. Doch auf örtliche Verhältnisse und individuelle Bedürfnisse zugeschnitte Angebote könnten helfen, den Autoverkehr zu verringern. Das zeigen bundesweit zahlreiche Projekte, bei denen (Klein-)Busse nicht mehr nach einem festen Fahrplan auf festen Routen fahren, sondern dann, wenn sie benötigt werden. Davon braucht es mehr.

Das Deutschlandticket darf nicht wieder zum politischen Zankapfel werden

Bleibt ein Ausbau des Nahverkehrs aber aus, werden sich irgendwann keine neuen Kunden für das Deutschlandticket mehr gewinnen lassen. Die Kosten der Verkehrsbetriebe, für Personal und Energie, laufen aber weiter. Dann müssten am Ende wieder der Bund und die Länder Geld nachschießen – Geld, das sie besser gleich in neue Angebot stecken könnten.

Das Ticket würde damit auch einmal mehr zum politischen Zankapfel. Mehr als einmal in seinem kurzen Leben seit Mai 2023 stand es wegen Finanzstreitigkeiten auf der Kippe. Das darf nicht wieder passieren. Daher ist es gut, dass die Entwicklung des Kaufpreises künftig an einen verlässlichen und nachvollziehbaren Index gekoppelt werden soll. Es wird höchste Zeit dafür.