Parkplatz statt Parzellen in Bad Lauchstädt

Parkplatz statt Parzellen in Bad Lauchstädt: Warum Pächter der Kleingärten sauer sind

Bad Lauchstädt - Bad Lauchstädt will die „Alte Anlage“ deutlich verkleinern. Die Flächen sollen für die Stadtentwicklung genutzt werden. Dies sorgt für Unmut bei den Pächtern.

Von Robert Briest 28.10.2017, 09:00

Die Kleingartenanlage „Alte Anlage“ ist auf dem Weg von Merseburg nach Bad Lauchstädt kaum zu übersehen. Entlang des vorderen Teils der Merseburger Landstraße reihen sich die Rückwände der Gartenlauben auf. Nach Ansicht der Stadtverwaltung der Goethestadt ist dies kein schöner Anblick.

Doch diese ästhetischen Überlegungen sind nur ein Grund, weshalb Bad Lauchstädt bei der Kleingartenanlage die Säge ansetzen und sie deutlich verkleinern will. So sollen etwa die nördlichen Gärten, also just jene, deren Lauben den Rand zur Merseburger Landstraße säumen, aufgelöst werden. Auch im östlichen Teil der Anlage sollen Parzellen wegfallen.

Pachtvertrag mit dem Kleingartenverband in Merseburg gekündigt

Geschehen soll dies etwa 2019, erklärte Bürgermeister Christian Runkel (CDU). Der Stadtrat hat auf seiner jüngsten Sitzung allerdings schon einen ersten Schritt dafür unternommen. Er entschied mit großer Mehrheit, den Pachtvertrag mit dem Kleingartenverband in Merseburg sowie die Nutzungsverträge mit den Gärtnern zu Ende 2018 zu kündigen.

Eine Vorbereitungsmaßnahme. Man könne sich mit dem Kleingartenvertrag aber auch einen Änderungsvertrag vorstellen, sagte Runkel. Ohnehin sollen die Gärtner im mittleren Teil der Anlage wieder neue Verträge erhalten. Die Gemeinde will die Anlage nicht komplett auflösen.

Mangelnde Schönheit der Laubenrückwände für Besucher der Stadt

Dass sie sie jedoch verkleinern will, hat neben der nach Ansicht des Bürgermeisters mangelnden Schönheit der Laubenrückwände für Besucher der Stadt mehrere Gründe. So ist etwa das Angebot an Kleingärten in der Goethestadt deutlich größer als die Nachfrage. In den vier großen Anlagen gebe es reichlich Leerstand, argumentierte die Verwaltung. „Der Kleingartenverband kritisiert den großen Leerstand und hat uns aufgefordert, eine städtische Anlage zu schließen“, sagte Runkel.

Die Verwaltung würde Teile der Anlage zudem gern für die Stadtentwicklung nutzen. 2019 wird der westliche Teil der Merseburger Landstraße vom Markt bis zur Kreuzung zur Straße „Am Bahnhof“ saniert. Dabei wird der derzeit zu schmale Fußweg verbreitert, wodurch etwa 25 Parkplätze wegfallen. Die Stadt würde dies gern durch einen neuen Parkplatz an der Stelle der jetzigen Nordwestecke der Kleingartenanlage kompensieren.

Goethestadt braucht dringend neue Bauplätze

Zudem brauche die Goethestadt dringend neue Bauplätze, um neue Einwohner zu gewinnen, argumentierte Runkel. Deshalb sollen nach aktuellen Überlegungen Parzellen an der Kleinlauchstädter Straße Bauland für drei Einfamilienhäuser weichen.

„Natürlich müssten einige Gärtner umziehen“, räumte Runkel ein. Er verstehe, dass dies zu Unmut führe, weil natürlich einige sehr schöne Gärten hätten. Solch Unmut war bereits im Stadtrat zu vernehmen. Das Publikum bestand vor allem aus Kleingärtnern, die sich wenig erfreut über die Entscheidung zur Kündigung des Pachtvertrages zeigten.

Pächter: „Bevor man eine grüne Oase plattmacht, sollte man lieber neue Mieter suchen“

Einer von ihnen war Peter Gericke, ein Rentner aus Halle-Neustadt, der zu den betroffenen Parzellenpächtern im Nordteil der Anlage gehören würde. Er zürnte: Er sei seit 42 Jahren in der Anlage. „Bevor man eine grüne Oase plattmacht, sollte man lieber neue Mieter suchen“, forderte er nach der Sitzung. Auch das Ästhetikargument wollte er nicht gelten lassen. Zudem forderte er: Wenn man einen Parkplatz bauen wolle, solle man dafür doch leerstehende Gärten nutzen, nicht seinen. „Wir müssen da noch mal reden.“

Eine Haltung, die auch im Rat zur Sprache kam. So erklärte Carsten Grunert (Freie Wählervereinigung Bad Lauchstädt/SPD) man habe im Sozialausschuss festgestellt, dass man noch intensiv mit den Pächtern der Lauben diskutieren müsse. (mz)