Langlauf-Talent aus Leuna

Langlauf-Talent aus Leuna: Weltcup-Premiere für Jessica Löschke in Dresden

Dresden/Leuna - Freudestrahlend übermittelte Jessica Löschke ihrer Familie die Nachricht per Telefon. Bundestrainer Peter Schlickenrieder hatte das Leunaer Skilanglauf-Ass für den Weltcup der Aktiven in Dresden nominiert. Für die junge Sportsoldatin war es die erste Weltcup-Nominierung bei den „Großen“. Bisher war sie zumeist im Intercontinal-Cup unterwegs, lieferte bereits einige gute Platzierungen ...

Von Olaf Wolf 19.12.2020, 12:15

Freudestrahlend übermittelte Jessica Löschke ihrer Familie die Nachricht per Telefon. Bundestrainer Peter Schlickenrieder hatte das Leunaer Skilanglauf-Ass für den Weltcup der Aktiven in Dresden nominiert. Für die junge Sportsoldatin war es die erste Weltcup-Nominierung bei den „Großen“. Bisher war sie zumeist im Intercontinal-Cup unterwegs, lieferte bereits einige gute Platzierungen ab.

Die 20-Jährige vom TSV Leuna konnte mit ihren Trainings-und Wettkampfleistungen also den DSV-Team-Chef überzeugen. Dabei stand vor einem halben Jahr noch nicht einmal fest, ob die junge sympathische Athletin überhaupt wieder Leistungssport betreiben kann.

Bei einem Trainingslauf in ihrer Wahlheimat Oberwiesenthal rammte sie sich den Skistock in die Wade. Mit Skirollern war sie mit ihren Trainingskollegen unterwegs. Ein Rettungshubschrauber brachte sie umgehend in die Uni-Klinik Dresden, wo sie sofort operiert wurde. Was folgte, war ein langwieriger Heilungsprozess und die immer wiederkehrende Frage „Kann ich wieder Sport treiben“.

Jessica Löschke nach hat nach schwerer Verletzung lange gezweifelt

Die Befürchtungen waren unbegründet, wohl nicht nur, weil das medizinische Personal und die Physiotherapeuten ganze Arbeit leisteten. „Ab und zu verspürt sie noch ein leichtes Ziehen an der Wade, aber sie kann das Bein definitiv wieder zu 100 Prozent belasten“, erzählt Mutter Sabine Löschke, die ihre Tochter einst für den Wintersport begeisterte und ihre erste Trainerin war.

Verspätet, aber noch rechtzeitig vor dem Saisonbeginn konnte Jessica Löschke wieder in das Training einsteigen. „Zwischendurch hatte sie auch Glück, dass sie sich trotz der Coronapandemie recht frei bewegen konnte“, meint Sabine Löschke.

Neben dem täglichen Training in Oberwiesenthal bei ihrem Heimtrainer Lars Hähnel ging es für Jessica nach Ruhpolding und in das schweizerische Davos. Team-Chef Schlickenrieder und Bundestrainer Janko Neuber hatten zum Kaderlehrgang geladen.

Langlauf-Weltcup in Dresden findet Dank Hygienekonzept statt

„Insbesondere in Davos ging es richtig zur Sache. Da wurden auch Sprints trainiert und Wettkampfsituationen simuliert“, weiß Sabine Löschke zu berichten, die von ihrer Tochter immer auf dem Laufenden gehalten wurde. Einige Zeit zweifelte Jessica Löschke, ob der Heim-Weltcup in der sächsischen Metropole überhaupt stattfinden werde. Der erneute Lockdown hätte auch zur Absage des Events führen können.

Doch die Dresdner Organisatoren waren vorbereitet, legten entsprechende Hygienekonzepte vor, so dass der Durchführung nun nichts mehr im Weg steht. „Jessica hat erst in dem Augenblick so richtig daran geglaubt, dass sie starten darf, als sie in Oberwiesenthal in den Bus gestiegen sind“, erzählt ihre Mutter.

Einiges wird im Unterschied zum letztjährigen Weltcup allerdings anders sein. So sind vor Ort keine Zuschauer zugelassen, die Sportlerinnen und Sportler aus über 20 Nationen absolvieren also de facto Geisterläufe. Sehr zum Ärger von Familie Löschke. Die wären gern am Sonnabend vor Ort gewesen, um ihre Tochter anzufeuern.

Familie Löschke kann Tochter Jessica nur im Fernsehen verfolgen

„In der Vergangenheit waren wir sogar mit Sportlern vom TSV Leuna vor Ort und haben mit den Tausenden Fans an der Strecke die Protagonisten bejubelt“, blickt Sabine Löschke zurück. Damit bleibt den Eltern und Schwester Cora nur die Möglichkeit, die Veranstaltung vom TV aus mitzuverfolgen. „Zum Glück übertragen sie auf Eurosport auch die Qualifikation“, bemerkt Sabine Löschke erleichtert.

Vom Töchterchen wird sie auch kurz vor ihrer Weltcup-Premiere permanent auf dem Laufenden gehalten. Nach der frühen Abreise am Freitag in Oberwiesenthal traf das Team gegen 10 Uhr in Dresden ein. Einen Tag zuvor mussten alle Beteiligten nochmals zum Test, bekamen am späten Donnerstagabend die Bestätigung, dass dieser negativ ausgefallen sei.

Nach ihrer Ankunft in Dresden ging es zunächst kurz in das nahe der - fast hermetisch abgeriegelten - Wettkampfstätte befindliche Team-Hotel. Einen eigenen Flügel haben die Teilnehmer dort, sind gewissermaßen auch dort isoliert, um eine mögliche Infektionsgefahr auszuschließen.

Jessica Löschke soll beim Weltcup in Dresden Erfahrungen sammeln

„Sie haben eigentlich nur die Sachen abgestellt und sind dann sofort auf die Loipe. Streckenkenntnis stand auf dem Programm. Jede Nation bekommt dort eine genau getimte Trainingszeit. Man hätte sich also nicht verspäten dürfen“, erzählt Sabine Löschke. Zeit für lange Gespräche blieben aber nicht. Teambesprechungen, physiotherapeutische Behandlung und zwischendurch Erholung standen am Freitag noch auf dem Programm.

Ab 10.30 Uhr wird es am Sonnabend dann so richtig ernst. Die Qualifikation steht auf dem Programm. Etwa 1,3 Kilometer müssen die Protagonisten auf dem rund 650 Meter langen Rundkurs absolvieren. Nur den besten 30 kommen weiter.

Was Sabine Löschke von ihrer Tochter erwartet: „Nun, es wird sicher sehr schwer für sie, in die K. O.-Läufe hineinzukommen. Ich denke, für Jessica geht es zuerst darum, Weltcup-Luft zu schnuppern und Erfahrungen zu sammeln. Natürlich würde sie gerne Punkte für die Weltrangliste mitnehmen, aber das wird ein hartes Stück Arbeit.“

Jessice Löschke misst sich in Dresden mit der deutschen Konkurrenz

Neben der internationalen Konkurrenz, die vornehmlich von den nordischen Nationen dominiert wird, gilt es auch, sich gegen die Mitbewerber aus dem eigenen Land durchzusetzen. Nadine Herrmann, Schwester von Ski-Ass Denise Herrmann oder Laura Gimmler, beide gehören wie auch die Leunaerin zum achtköpfigen Aufgebot des Deutschen Skiverbandes, wollen ebenso wie Jessica die Finalläufe erreichen.

„Egal, ob das klappt oder vielleicht diesmal noch nicht. Jessica macht auf jeden Fall den nächsten Schritt in Richtung internationale Konkurrenz im Aktivenbereich. Da will sie später einmal mitmischen. Und davon lässt sie sich nicht abbringen. Ich drücke ihr fest die Daumen“, sagt Sabine Löschke noch, der der Stolz auf ihre Tochter deutlich anzusehen ist. (mz)