Kreissportbund schlägt Alarm

Kreissportbund schlägt Alarm: Vereinen im Saalekreis gehen die Trainer aus

Braunsbedra - Kreissportbund schlägt Alarm, weil sich immer weniger Übungsleiter finden. Welche zusätzlichen Anreize die Präsidentin deshalb von einigen Arbeitgebern fordert.

Von Michael Bertram 23.01.2019, 06:00

Wenn Sven Rosenbaum zum Training lädt, dann freut sich der Übungsleiter des SV Braunsbedra, dass seinem Ruf stets viele begeisterte Sportler folgen. „Nicht alle davon wollen in den Leistungssport, viele kommen, weil sie sich einfach fithalten und etwas für ihren Körper tun wollen“, zeigt sich der Leichtathletiktrainer des Vereins aus dem Geiseltal über das wachsende Interesse erfreut.

Dennoch gibt es ein Problem, das seit Jahren viele Vereine beschäftigt: Während die Sportangebote der Vereine immer mehr Menschen anziehen, sind Übungsleiter zur seltenen Spezies geworden. Ein Effekt, der zur Bedrohung wird für die Sportangebote und deren Qualität.

„Wir müssen ja auch Übungsleiternachwuchs heranführen, damit es künftig im Verein weitergeht“

„Bei 25-köpfigen Trainingsgruppen kann man vielleicht etwas an der Athletik machen, die Technik bleibt aber genauso auf der Strecke wie disziplinspezifische Übungen“, nennt Sven Rosenbaum ein Problem. Deshalb sind die Vereine mehr denn je gefordert sich breiter aufzustellen. Nicht nur, um das aktuelle Angebot abzusichern. „Wir müssen ja auch Übungsleiternachwuchs heranführen, damit es künftig im Verein weitergeht“, gibt Rosenbaum zu bedenken.

Auch der Kreissportbund (KSB) hat das Problem auf dem Schirm. Viel mehr tun, als bei jeder Gelegenheit an Interessierte zu appellieren, sich zum Übungsleiter ausbilden zu lassen, kann aber auch er nicht. Eigene schnell zu absolvierende Basiskurse wurden bereits geschaffen, die darüber hinaus auch um einiges günstiger sind als die offiziellen Lehrlänge von Fachverbänden oder Landessportbund.

KSB-Präsidentin: „Wir brauchen mehr Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren“

„Wir brauchen mehr Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren“, hat KSB-Präsidentin Angela Heimbach ein weiteres Problem erkannt, das nicht nur den Sport betrifft. In vielen gesellschaftlichen Bereichen ist es schwieriger geworden, Ehrenamtliche zu finden. Wohl auch, weil immer mehr Aufgaben dem Ehrenamt aufgetragen werden.

„Ehrenamtliche Arbeit wird zu wenig anerkannt“, meint die Präsidentin, die im KSB entsprechend verdiente Persönlichkeiten regelmäßig auszeichnet. „Die Privatwirtschaft kann sich das sicher nicht leisten, aber warum sollte der Öffentliche Dienst Übungsleiterkurse nicht öfter als Bildungsurlaub anerkennen?“, nennt Heimbach einen möglichen Anreiz. Denn Geld zur Ausbildung von Interessierten sei da. „Was ihnen fehlt, ist in erster Linie die Zeit.“ Allein der Basiskurs umfasse 45 Unterrichtsstunden. Ein Komplettkurs sogar 120.

Keine Trainer: Vor allem im Fußball ist die Not groß

Vor allem im Fußball sei die Not groß. In den meisten Vereinen gebe es inzwischen einen Übungsleitermangel in bestimmten Bereichen, ganz egal, ob es Ringen, Kampfsport oder Reiten ist. Aber auch im Breitensport ist es nicht mehr so einfach, geeignete Trainer vorzuhalten, die den Ansturm abfedern können, wie der KSB erklärt.

Immerhin konnte der KSB etwas mehr als ein Dutzend Menschen finden, die sich seit gut zwei Wochen zum Übungsleiter ausbilden lassen. Unter ihnen sind viele Junge. Auch aus Sven Rosenbaums Leichtathletik-Abteilung gibt es drei Teilnehmer, was den Übungsleiter natürlich freut. „Ich bin seit 1982 Übungsleiter“, betont Rosenbaum. „Es ist einfach schön, eigene Erfahrungen weiterzugeben und die Sportart anderen zu vermitteln, die man selbst so sehr liebt.“ (mz)