Irritationen um Nachtflüge

Irritationen um Nachtflüge am Flughafen Leipzig/Halle: In Schkopau zeigt man sich überrascht

Schkopau - In Schkopau zeigt man sich überrascht, dass sich ein neues Anflugverfahren bereits durchgesetzt hat. Durch dieses kann die Zahl der Landungen steigen.

Von Michael Bertram 17.08.2018, 09:30

In der Gemeinde Schkopau zeigt man sich mit Blick auf neueste Entwicklung am Flughafen Leipzig/Halle irritiert. So nahm Bürgermeister Andrej Haufe (CDU) am Donnerstag mit Überraschung zur Kenntnis, dass ein neues Anflugsystem, das mehr Nachtflüge am Luftfrachtdrehkreuz möglich macht, bereits etabliert scheint. „In der letzten Sitzung der Fluglärmkommission hieß es noch, dass die Erprobung läuft“, sagte er. „Meines Wissens nach war von einem erfolgreichen Abschluss bei dem Treffen allerdings keine Rede.“

Das neue Anflugverfahren erlaubt es der Deutschen Flugsicherung, die Abstände zwischen den landenden Flugzeugen, die bislang zwischen 23 und ein Uhr im Zwei-Minuten-Takt aufsetzen, weiter zu verkürzen. Damit könnten pro Stunde 31 statt wie bisher 28 Flieger landen. Mehr Flugzeuge bedeuten allerdings auch mehr Lärm, was die um die ohnehin schon um den Schlaf gebrachten Einwohner in den umliegenden Kommunen des Flughafens sicher nicht begeistern dürfte.

Flughafen Leipzig/Halle: Steigerung der Flüge durch eine andere Einteilung der anfliegenden Maschinen

Möglich ist die Steigerung der Flüge, die sich nach wie vor im gesetzlich zulässigen Rahmen bewegen, durch eine andere Einteilung der anfliegenden Maschinen. Diese erzeugen Wirbelschleppen, die nachfolgende Flugzeuge in Schwierigkeiten bringen können, wenn sie zu dicht dran sind. Je größer das Flugzeug, desto größer die Luftverwirbelungen. Deshalb wurden die Maschinen bislang in vier Größenklassen unterteilt. Durch die Erweiterung auf sechs Klassen kann nun feiner unterschieden und zum Teil enger hintereinander geflogen werden.

Schkopaus Bürgermeister zeigt sich angesichts der neuen Möglichkeiten für die Flugsicherung und die Airlines noch halbwegs gelassen. „Diese Möglichkeit heißt ja noch nicht, dass es tatsächlich so kommen wird“, erklärte das Gemeindeoberhaupt. Zudem hätten sich in den vergangenen Monaten, in denen das Anflugsystem bereits getestet wurde, wohl nicht mehr Beschwerden von betroffenen Bürgern gezeigt.

Flughafen Leipzig/Halle: Fluglärm wird zum Thema

Auch in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses war der Fluglärm Thema. Sabine Faulstich, Leiterin des Umweltamtes des Kreises, zeigte sich jedoch machtlos. „Was am Flughafen Leipzig/Halle passiert, bewegt sich alles im rechtlichen Rahmen und ist so möglich“, erklärte sie den Ausschussmitgliedern, die etwas über die Arbeit der halbjährlich tagenden Fluglärmkommission, in der Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Bürgerinitiativen sitzen, erfahren wollten.

Laut der im Kreisausschuss präsentierten Zahlen blieb die Zahl der Flugbewegungen pro Jahr mit knapp 65.000 in den vergangenen Jahren fast konstant. Allerdings stieg der Anteil der Nachtflüge allein zwischen den Jahren 2011 und 2016 von 48 auf 52 Prozent. Eine mögliche Erweiterung des Luftfrachtdrehkreuzes, etwa durch den Einstieg chinesischer Investoren, wurde in dem Gremium zudem mit größter Besorgnis betrachtet. Zum Stand der Gespräche war nichts zu erfahren. (mz)