Havag Fahrplan-Kürzungen

Havag Fahrplan-Kürzungen: Land lehnt Finanzhilfe ab

Merseburg - Als treuer Fahrgast der Straßenbahn glaubte Klaus-Peter Schulz aus Bad Dürrenberg zunächst an einen Aprilscherz. Dass die Havag ab 2. Mai ihr Fahrplanangebot auf den Linien 5 und 15 kürzen will, kam auch für ihn überraschend: „Einerseits heißt es, dass der Nahverkehr gestärkt werden soll. Und dann wird gestrichen. Logisch ist das nicht.“ Der Antrag der Havag sieht vor, täglich später zu beginnen und die Bahnen abends zeitiger in die Betriebshöfe zu holen. Alleine auf der Überlandlinie 5 sollen pro Woche 76 von derzeit noch 414 Fahrten ...

Von Dirk Skrzypczak 31.03.2016, 21:55

Als treuer Fahrgast der Straßenbahn glaubte Klaus-Peter Schulz aus Bad Dürrenberg zunächst an einen Aprilscherz. Dass die Havag ab 2. Mai ihr Fahrplanangebot auf den Linien 5 und 15 kürzen will, kam auch für ihn überraschend: „Einerseits heißt es, dass der Nahverkehr gestärkt werden soll. Und dann wird gestrichen. Logisch ist das nicht.“ Der Antrag der Havag sieht vor, täglich später zu beginnen und die Bahnen abends zeitiger in die Betriebshöfe zu holen. Alleine auf der Überlandlinie 5 sollen pro Woche 76 von derzeit noch 414 Fahrten wegfallen.

In sozialen Netzwerken wird kritisch über die geplanten Kürzungen im Straßenbahnverkehr diskutiert. Auf Facebook erreichten die MZ diese Meinungen:

Sigrid Ciofani: Später starten und früher aufhören, so wie die Beamten.

Simone Asmus: Da bezahlt man über 80 Euro im Monat und kommt noch nicht mal ordentlich von Merseburg nach Halle.

Nicky Trautmann: Die Verantwortlichen denken nicht daran, dass Leute auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, um zur Arbeit zu kommen.

Rainer Schneider: Wir sehen uns dann die Tage auf dem Radweg zum und vom Job.

Jana Baumgart: Weniger Leistung für mehr Geld, jedes Jahr erhöht der MDV die Preise. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

Elke Röschke: Wie soll man auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, wenn nichts mehr fährt?

Dagegen regt sich heftiger Widerstand. So fordert der grüne Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel, „den bisherigen Umfang des Angebots der Linie 5 beizubehalten“. Das müsse auch für die Tagesrandzeiten und das Wochenende gelten. „Eine Straßenbahn, mit der man zu Abendveranstaltungen kommt, aber nicht mehr nach Hause, wird von den Bürgern nicht genutzt“, ist er überzeugt. Striegel sieht das Land in der Pflicht, sich an der Finanzierung der Linie 5 zu beteiligen. Derzeit tragen Halle und der Saalekreis den Hauptteil der Kosten. 1,5 Millionen Euro überweist der Kreis in diesem Jahr an die Havag, die ihrerseits Kosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro geltend macht.

Das Land Sachsen-Anhalt könnte sich beteiligen, um das Defizit von 700.000 Euro zu schließen - will es aber nicht tun. Der Antrag des Saalekreises, die längste Überlandstrecke Europas als landesbedeutsame Linie einzustufen, wurde am 2. Februar dieses Jahres abgelehnt. Begründung: Diese Fördergrundlage beziehe sich ausschließlich auf den Busverkehr - sowie auf Straßenbahnen, die ihrerseits aber ausschließlich nur mit historischen Fahrzeugen unterwegs sind.

Unterdessen hoffen andere Nahverkehrsbetriebe, dass die aktuellen Diskussionen den guten Ruf des ÖPNV im Saalekreis nicht ankratzen. „Ich hoffe jedenfalls nicht, dass diese Anpassung der Einstieg in den Ausstieg ist“, meinte etwa Lothar Riese, Chef des kommunalen Busunternehmens PNVG. „Aber ich weiß natürlich, dass die Leute genau das fürchten.“

Momentan lässt es sich schwer einschätzen, wie hart eine Fahrplanreduzierung die Passagiere tatsächlich treffen würde. Laut Havag sei werktags zwischen 5.30 und 7.30 Uhr das Fahrgastaufkommen am höchsten, im weiteren Tagesverlauf dann stabil und homogen. „Nach 18 Uhr wird es merklich weniger“, sagte Unternehmenssprecherin Iris Rudolph. An den Wochenenden sei die Auslastung zwischen 8.30 und 18.30 Uhr gut. Laut dieser Statistik würden die Einschnitte die überwiegende Zahl der Fahrgäste nicht tangieren.

Dennoch lehnen der Saalekreis, Merseburg, Bad Dürrenberg und Schkopau die Pläne der Havag ab. „Ich erinnere nur an die 30 Millionen Euro, die in das Straßenbahnnetz im Saalekreis investiert worden sind. Ein Großteil des Geldes ist über Fördermittel geflossen. Daraus ergibt sich eine Verantwortung“, erklärte Vize-Landrat Hartmut Handschak. (mz)