Chemiestandort Leuna

Chemiestandort Leuna: Fit für den Ernstfall

Leuna - Nach dem verheerenden Brand bei BASF in Ludwigshafen sitzt auch am Chemiestandort Leuna der Schock tief. „Was in Ludwigshafen passiert ist, macht uns betroffen“, sagte Christof Günther, Geschäftsführer des Standortdienstleisters Infra Leuna einen Tag nach der Katastrophe mit zwei Toten. Eine weitere Person wurden nach dem Zwischenfall auch gestern Abend noch ...

Von Michael Bertram

Nach dem verheerenden Brand bei BASF in Ludwigshafen sitzt auch am Chemiestandort Leuna der Schock tief. „Was in Ludwigshafen passiert ist, macht uns betroffen“, sagte Christof Günther, Geschäftsführer des Standortdienstleisters Infra Leuna einen Tag nach der Katastrophe mit zwei Toten. Eine weitere Person wurden nach dem Zwischenfall auch gestern Abend noch vermisst.

Mit Spekulationen über die noch ungeklärte Ursache für das Unglück hielt sich Günther zurück, betonte aber auch, dass man sich in Leuna, wo BASF ebenfalls produziert, für solche Störfälle gerüstet sieht. „Der Brandschutz ist uns wichtig“, sagte er. „Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren rund fünf Millionen Euro in unsere Werkfeuerwehr investiert.“

Regelmäßige Schulungen

Es würden keine Kosten gescheut, um zu garantieren, dass die Mitarbeiter fit sind, wenn es darauf ankommt. Sowohl die Einsatzkräfte, die innerhalb einer Hilfsfrist von fünf Minuten am Unglücksort sein müssen, als auch die Mitarbeiter der über 30 Produzenten in Leuna würden regelmäßig geschult. Einmal in der Woche stehe etwa eine praktische Übung auf dem Programm. „Wir fühlen uns am Standort sicher, denn die Mitarbeiter wissen, was sie tun“, sagte der Infra-Leuna-Geschäftsführer. Im Falle einer Alarmierung würden stets alle Kräfte ausrücken. Rund um die Uhr sind 15 hauptamtliche und drei nebenberufliche Feuerwehrleute einsatzbereit. Jede Einsatzfahrt sei auch gleichzeitig Übung, meinte Günther.

Darüber hinaus werde in den Anlagen die Sicherheitstechnik regelmäßig erneuert. Sensoren würden Flammen oder ausströmendes Gas frühzeitig erkennen und im Ernstfall auch die Produktion stoppen. In den Pipelines seien sogenannte Schnellschlussventile verbaut, die einen ähnlichen Effekt bringen und so fatale Kettenreaktionen ausschließen sollen, erläuterte Wolfgang Stephan, am Leunaer Standort verantwortlich für Feuerwehr und Werkschutz. Auch die Löschwasserversorgung sei gesichert. Im Brandfall würden die Kühl- und Brauchwasserreserven angezapft.

Räumliche Aufteilung soll Katastrophen verhindern

Besonders groß geschrieben wird das Thema Sicherheit in der Total-Raffinerie. „Unsere Anlage ist so konstruiert, dass bestimmte Bereiche schon räumlich voneinander getrennt sind, um Gefährdungen zu minimieren“, sagte Sprecher Stefan Möslein. Sollte es doch zu schwerwiegenden Zwischenfällen kommen, könne die Produktion nicht sofort heruntergefahren werden - dafür brauche es etwas Vorlaufzeit. „Da aber ein Bereich auf dem anderen aufbaut, ruht die Produktion zwangsläufig.“

Zweimal im Jahr finden zudem Großübungen statt, vier Mal im Jahr interne Schulungen. „In einem Simulatorraum ist die Leitwarte nachempfunden, so dass verschiedene Szenarien durchgespielt werden können“, erklärte Möslein. Außerdem gebe es eine eigene Inspektionsabteilung, die unter anderem die 30 000 Rohrleitungen und 4 000 Druckbehälter regelmäßig unter die Lupe nimmt. Laut den Angaben zählt die Werkfeuerwehr am Chemiestandort jedes Jahr rund 100 Einsätze. In 95 Prozent der Fälle handele es sich allerdings um Fehlalarme. „Brände zählen wir vielleicht zehn“, sagte Stephan. Größere Störfälle seien bislang jedoch nicht vorgekommen.

Katastrophenschutz koordiniert Warnungen an die Bevölkerung

Ein wichtiger Aspekt sei dabei auch der Umgang mit Störfällen. „Ob die Öffentlichkeit darüber informiert wird, ist die Sache jedes einzelnen Produzenten“, teilte die Infra Leuna auf MZ-Anfrage mit. Im schlimmsten Fall würden Warnungen durch den beim Landkreis angesiedelten Katastrophenschutz koordiniert. Der entscheidet laut Angaben der Kreisverwaltung in einem vierstufigen Verfahren, was zu tun und wer zu informieren ist. Bereits ab Stufe zwei - wenn zum Beispiel Belastungen des Grundwassers nicht auszuschließen sind - wird die Bevölkerung eingeweiht, wie es hieß. (mz)