Sorgenvolle Zukunft

Bauern aus Beesenstedt warnen: „Der deutsche Obstbau stirbt“

Harald Klimt gibt nach 30 Jahren den Traditionsbetrieb an seinen Sohn Sebastian ab. Wieso beide mit sorgenvollem Blick in die Zukunft schauen. Was sie verändern wollen.

Von Franz Ruch
Harald Klimt (rechts) hat seinen Obstbauernhof in Beesenstedt an seinen Sohn Sebastian weitergegeben.
Harald Klimt (rechts) hat seinen Obstbauernhof in Beesenstedt an seinen Sohn Sebastian weitergegeben. Foto: Silvio Kison

Beesenstedt/MZ - So richtig viel werde sich erstmal nicht ändern, sagt Harald Klimt. Obwohl der Obstbauer aus Beesenstedt nun in Rente geht und den vor 30 Jahren gegründeten Betrieb an seinen Sohn, Sebastian Klimt, übergibt, wollen beide erst einmal wie gehabt weiterarbeiten. „Nur, dass wir den Spieß umdrehen: Jetzt sagt er mir, was ich tun soll“, sagt Harald Klimt und lacht. Ein vollständiger Rückzug komme für den 66-Jährigen noch nicht in Frage, da im Betrieb noch jede Hand gebraucht werde. Vor allem jetzt, da die Kirschsaison beginnt, die Obstbäume voll hängen und der Kampf auf dem weltweiten Obstmarkt immer schwieriger wird.

Obstbauer aus Beesenstedt übergibt Traditionsbetrieb seinem Sohn

Aktuell werden beim Obstbaubetrieb Klimt etwa 14,5 Hektar bewirtschaftetet, mit Süßkirschen, Äpfeln und Aprikosen als Hauptkulturen, sagt Harald Klimt. Der gebürtige Beesenstedter sei 1974 das erste Mal bei der damaligen LPG in Verbindung mit dem Obstbau gekommen. Nach dem Studium, ein paar praktischen Jahren und der Wende übernahm er 1991 das Grundstück aus dem DDR-Eigentum.

Seinen Traditionsbetrieb übergebe er seinem Sohn „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt er. Zum einen sei er zuversichtlich, weil er wisse, dass sein Obstbau-Vermächtnis bei seinem Sohn in „guten und fachlich fundierten Händen“ liege. Zum anderen sei seine Branche aber grundsätzlich gefährdet: „Der deutsche Obstbau stirbt. Wir können im globalen Wettbewerb nicht mehr bestehen“, sagt er.

Obstbauer will weg von Niedrigpreissegment des Lebensmitteleinzelhandels

Auch Sohn Sebastian Klimt weiß um die Probleme, als kleinerer Obstbaubetrieb mit dem Preisdruck der Großkonzerne konkurrieren zu müssen: „Die Politik propagiert kleine und regionale Höfe, legt die Rahmenbedingungen aber auf Großbetriebe aus. Das macht es für uns sehr schwierig.“ Aus diesem Grund will der 40-Jährige künftig möglichst aus dem Niedrigpreissegment des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) aussteigen und auf höherpreisige Früchte sowie die stärkere Vermarktung über den eigenen Hofladen setzen. „Der Hofladen funktioniert. Aber alles, was an den LEH geht, ist mittelfristig wirtschaftlich nicht haltbar.“ Als Reaktion sollen zunächst Apfelbäume ausgelagert und durch Birnen ersetzt werden. „Birnen gehören noch zu den höherpreisigen Früchten. Der Apfelmarkt ist hingegen völlig überschwemmt.“

Trotz der Widrigkeiten freue sich Sebastian Klimt über die Arbeit auf dem Obstbaubetrieb. Der zweifache Vater ist 2015 im Familienbetrieb eingestiegen, nachdem er zunächst Koch gelernt hatte, dann einige Jahre bei der Bundeswehr tätig war und seit 2014 Gärtnermeister im Obstbau ist. Auch Vater Harald Klimt bleibt Beesenstedt treu. Er wolle seine ehrenamtliche Arbeit im Ortschaftsrat und im Wasserturm-Verein fortsetzen. „Wie beim Obstbau, gibt es auch hier komplizierte Strukturen, die aber trotzdem Spaß machen“, sagt er.