Wirtin wird gekündigt

Ärger für Schützlinge von Christian Rach: Wirtin aus Teutschenthal wird gekündigt

Teutschenthal - Gemeinde Teutschenthal kündigt Wirtin, der einst TV-Sterne-Koch geholfen hat. Grund sind Mietschulden. Weshalb sie aber nicht gehen will.

Von Oliver Müller-Lorey

In Diana Bornhakes Restaurant ziert ein Zitat die Wand des Gastraums: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Doch auf die Begegnung mit manchen Menschen kann die Wirtin im Moment gut verzichten. Die mit Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung zum Beispiel. Mit dem Rathaus haben die Pächterin, die die Gaststätte auf dem Teutschenthaler Schafberg seit zweieinhalb Jahren betreibt, und ihr Mann Daniel Krämer nämlich mächtig Ärger.

Ende 2016 hat die Gemeinde Teutschenthal der Wirtin wegen Mietschulden fristlos gekündigt. Eigentlich sollte sie bis Mitte Januar ausgezogen sein, doch in „Diana’s Restaurant“ läuft der Betrieb weiter, als sei nichts geschehen: Toast-Hawaii, Lachsfilet und Steak Zigeuner Art. In der Küche klappert jemand mit Töpfen. Nach und nach betreten Gäste, darunter viele Familien, das Restaurant. Nur auf den vier Bowlingbahnen, die ebenfalls zur Gaststätte gehören, herrscht gähnende Leere - für einen Nachmittag mitten in der Woche nichts Ungewöhnliches. Soll das hier also alles bald vorbei sein?

TV-Sternekoch Christian Rach begleitete sie im Fernsehen in der Sendung „Rach und die Restaurantgründer“

Immerhin hatte Diana Bornhake auch prominente Starthilfe zur Eröffnung. TV-Sternekoch Christian Rach begleitete sie im Fernsehen in der Sendung „Rach und die Restaurantgründer“. Er sprach mit ihr die Speisekarte durch und gab Tipps, etwa zur Kalkulation. Alles umsonst?

Diana Bornhake will freiwillig jedenfalls nicht ausziehen, weil sie sich von der Gemeinde ungerecht behandelt fühlt. Dass sie Mietschulden habe, sei zwar korrekt. Doch die seien nur aufgelaufen, weil die Gemeinde ungewöhnlich hohe Nebenkosten von ihr fordere. Allein in den ersten beiden Monaten, in denen das Restaurant bestanden habe - im November und Dezember 2014 - seien 1.400 Euro an Wasser-, Heizungs- und Versicherungskosten von ihr verlangt worden.

Restaurant-Besitzerin aus Teutschenthal: Für das Jahr 2015 soll sie 8.000 Euro Nebenkosten nachzahlen

Für das Jahr 2015 soll sie 8.000 Euro Nebenkosten nachzahlen, obwohl sie monatlich schon mehr als 1.000 Euro Nebenkosten zahle. Für 522 Quadratmeter ein hoher Verbrauch, der aus ihrer Sicht Anlass zu Zweifeln gibt. „Wir haben die Vermutung, dass das gar nicht alles unsere Verbräuche sind“, sagt die Hobby-Gastronomin, die hauptberuflich als Verwaltungsfachangestellte arbeitet.

Tatsächlich sind im Gemeindezentrum, in dem sich ihr Restaurant befindet, auch noch die Teutschenthaler Bücherei und ein großer Veranstaltungssaal untergebracht. Könnten deren Heizkosten auf Diana Bornhakes Restaurant abgewälzt worden sein? „Ich habe vier Zähler. Wofür die sind, hat mir aber niemand erklärt“, so die Wirtin. Die Betriebskostenabrechnungen, da ist sie ziemlich sicher, ist nicht rechtens und deshalb für ihre Mietschulden verantwortlich. Sei alles korrekt abgelesen und abgerechnet worden, wäre sie nie in die roten Zahlen geraten.

In der Gemeinde will man zum Ärger auf dem Schafberg am liebsten so wenig wie möglich sagen. „Die Kündigung erfolgte auf Grund des Paragrafen 543 des Bürgerlichen Gesetzbuchs“, sagt Teutschenthals Bürgermeister Ralf Wunschinski (CDU). Dieser Paragraf regelt die außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund. Etwa, wenn der Mieter mit zwei aufeinanderfolgenden Mieten im Rückstand ist.

„Frau Bornhake hat einen Termin zur Räumung nicht wahrgenommen, jetzt läuft der rechtliche Weg.“ Ob der Wirtin möglicherweise zu hohe Nebenkosten wegen falsch abgelesener Zähler in Rechnung gestellt wurden, dazu will Wunschinski sich nicht äußern. Er betont aber, dass es seitens der Gemeinde keine Ambitionen gebe, nach einem Nachfolger zu suchen. „Wir müssen erst das Vertragsverhältnis mit dem jetzigen Pächter sauber klären, alles andere ist Spekulation“, so Wunschinski.

Diana Bornhake bangt indes um den Ruf ihrer Gaststätte. „Es wird erzählt, dass wir schließen, die Leute rufen an. Es wurden auch schon Feiern abgesagt. Das merkt man.“ Dazu komme die andauernde Anspannung und die Sorgen, die sich vor allem ihr Mann wegen der Situation mache. (mz)