Abriss der Würdenburg

Abriss der Würdenburg: Heftige Kritik an „Vernichtung von lokaler Identität“

Teutschenthal - Der Gemeinderat Teutschenthal verurteilt das Aus für die Würdenburg und sorgt sich um die Zukunft anderer ruinöser Liegenschaften der Besitzerfamilie.

Von Claudia Crodel

Der Abriss der Würdenburg in Teutschenthal am 1. und 2. April hat Wellen geschlagen, denn damit ist der Ortschaft ihr einziges wahres Schloss verloren gegangen. Auf der Aprilsitzung des Gemeinderats der Gemeinde Teutschenthal wurde die Thematik ausgiebig diskutiert und der Abriss aufs schärfste verurteilt.

„Die Mitglieder waren sich einig, dass diese Vernichtung von lokaler Identität in einer Zeit, in der Kulturgüter in unserem Bundesland nie einen höheren Stellenwert genossen haben, nicht zu entschuldigen ist“, heißt es in einer Pressemitteilung des Teutschenthaler Gemeinderats.

Schloss in Teutschenthal: Zu DDR-Zeiten im Volkseigentum

Die Familie Wentzel, in deren Besitz die Würdenburg seit 1915 durch eine Erbschaft war, hatte das Gut nach der Wende rückübertragen bekommen. Zu DDR-Zeiten im Volkseigentum war im Schloss bis 1986 eine Kindertagesstätte sowie bis 1991 eine Kinderkrippe untergebracht. Danach verfiel das Anwesen immer mehr.

„Trotz verstärkten Engagements in den letzten Jahren und dem Hinweis auf die Bedeutung des Gebäudes für den Ort und die Region, ignorierten die Eigentümer bis zuletzt ihre Verantwortung gegenüber ihren und unserem historischen Erbe“, teilt der Gemeinderat mit. Die Verwaltung habe zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit gehabt, auf das Abrissverfahren Einfluss zunehmen, da dieses ausschließlich zwischen Eigentümer und Landkreis verlaufen sei.

Schloss in Teutschenthal: Abriss nach einer bautechnischen Überprüfung genehmigt

Der Saalekreis hatte den Abriss des einsturzgefährdeten Teils des Schlosses nach einer bautechnischen Überprüfung genehmigt. Dafür hatte es auch Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gegeben. Lediglich kulturhistorisch bedeutsame Elemente sollten gesichert werden.

Der Gemeinderat fordert nun in Bezug auf andere ruinöse Liegenschaften der Gebrüder Wentzel entsprechende Sicherungs- und Pflegemaßnahmen. Zudem verweist der Gemeinderat darauf, dass entgegen der Behauptung von Carl Friedrich Wentzel die Gemeinde nicht in Gesprächen über einen eventuelle Neubau auf dem Grundstück der einstigen Ritterburg stehe.

Schloss in Teutschenthal: Über 400 Jahre Ortsgeschichte

Über 400 Jahre Ortsgeschichte wurden mit Abriss der Würdenburg unwiederbringlich zu einem Schutthaufen: Die Geschichte des Renaissance-Schlosses geht bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zurück. Bis 1832 diente es der Teutschenthal-Bennstedter Familienlinie der Edlen zu Trotha als Stammsitz. Danach war es im Zuge von mehrfachen Besitzerwechseln um die Mitte des 19. Jahrhunderts wiederholt Schauplatz verschiedener Militärmanöver.

Bei einer dieser Gefechtsübungen im Jahr 1857 traf sich die Beletage des damaligen europäischen Hochadels in Schloss Würdenburg. Darunter war auch der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. sowie der Prinz von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I.

Schloss in Teutschenthal: Mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmter Teilabriss

Carl Friedrich Wentzel hatte Anfang April gegenüber der MZ den Abriss als alternativlos bezeichnet. Vor gut 20 Jahren habe man versucht, das Gebäude zu Wohnzwecken wieder herzurichten, aber das habe nicht funktioniert. In letzter Zeit hätten oft Kinder in dem desolaten Bau gespielt - obwohl das Schloss eingezäunt gewesen war.

Um die Gefahr abzuwenden, die von dem Gebäude ausgeht, habe man sich für den Abriss entschieden. Und auch der Landkreis hatte seine Entscheidung verteidigt. Es handele sich um einen mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmten Teilabriss. Der Erhalt des gesamten Ensembles sei bautechnisch nicht mehr möglich gewesen, hieß es. (mz)