Neujahrsempfang Bad Schmiedeberg

Neujahrsempfang Bad Schmiedeberg: Ehrung in großem Stil

Bad Schmiedeberg - Beim Treffen in Bad Schmiedeberg werden knapp 30 Personen und Vereine für ihr Engagement ausgezeichnet. Manchen ist das zu viel.

Von Marcel Duclaud

Die Stadt Bad Schmiedeberg hat wieder einen Neujahrsempfang. Der im vergangenen Jahr neu gewählte Bürgermeister Martin Röthel (SPD), von dem in den ersten Monaten seiner Amtszeit eher wenig zu hören war, will allmählich Akzente setzen. Sein Vorgänger Stefan Dammhayn (CDU) hatte zum Frühlingsfest eingeladen, jetzt wird im prächtigen Saal des Kurhauses wieder im Winter empfangen.

Mehr Raum für Ortschaften

Röthel geht es wesentlich um die Ehrung des Ehrenamtes und darum, den Ortschaften - wie im Wahlkampf versprochen - mehr Raum zu geben in der gemeinsamen Stadt. Beides spiegelte sich im Programm wider, das ob der Fülle allerdings ein bisschen lang geriet, wie mancher Seufzer und mancher verstohlene Blick auf die Uhr zeigten.

Den obligaten Reden folgten kurze Bilanzen der acht Ortschaften samt der Auszeichnung von 28 (!) Einzelpersonen in sieben Kategorien, deren Engagement ebenso gewürdigt wurde wie das eines lange bestehenden und außerordentlich aktiven Vereins, das der Anglerfreunde Bad Schmiedeberg.

Röthel hatte zunächst auf ein erfolgreiches Jahr 2016 verwiesen und seinem Vorgänger gedankt für die Arbeit an den Projekten. Zuallererst nannte der Bürgermeister die weitgehend abgeschlossene Sanierung des Schulkomplexes, was noch fehlt und in diesem Jahr erfolgen soll, ist die Gestaltung des Außengeländes.

Röthel erwähnte die Deich-Sanierung am Schloss in Pretzsch, ein schwieriges Unterfangen, das dank Kooperation von Natur- und Denkmalschutz, Stadt und Träger recht schnell bewältigt werden konnte, den Bau der Ortsdurchfahrt Trebitz, das neu errichtete Feuerwehrgerätehaus in Meuro und zudem die Anschaffung von Fahrzeugen für die Brandschützer.

Dass die Stadt sich wieder ein bisschen mehr belebe, konstatiert Röthel und verwies neben anderem auf die Begegnungsstätte in der Leipziger Straße und den vor wenigen Wochen eröffneten Edeka-Markt. Dass die Versorgung in Pretzsch gesichert werden konnte, verbucht der Bürgermeister als Erfolg einer aktiven Bürgerschaft.

Im Übrigen entwickelten sich die Betreuungszahlen der Kindertagesstätten positiv: „Die Erhaltung aller sechs Kitas und der Schulstandorte hat Priorität“, stellte er klar.

Problematisch hingegen sei nach wie vor die angespannte Haushaltssituation der Stadt („Was nicht da ist, kann nicht ausgegeben werden“), Röthel sprach von einer Herausforderung.

Das gelte nicht zuletzt für den Mangel an Fachkräften, der ein Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt darstelle. Manches Personal sei entweder nicht zu finden oder aber nicht dazu zu bewegen, sich in Bad Schmiedeberg anzusiedeln.

Die Ehrung des Ehrenamtes in Bad Schmiedeberg erfolgt in sieben Kategorien: Kinder- und Jugendarbeit, Sport, Veranstaltungen, Seniorenhilfe, Feuerwehr, Kultur- und Heimatpflege, Verein. Ausgezeichnet wurden: Susann Bergmann (Trebitz), Jens Bormann (Meuro), Erhard Dubrau und Monalisa Dubrau (Pretzsch), Helga Fiebig (Kleinkorgau), Christian Fischer (Priesitz), Frank Friemelt (Sachau), Wolfgang Grell (Schmiedeberg), Enrico Heede (Trebitz), Heike Hoffmann (Pretzsch), Kerstin Knuth, Philipp Kristin (beide Söllichau), Florian Lexius (Pretzsch), Klaus Peter Walter und Werner Medicus (Trebitz), Günther Obst, Kerstin Pfeifer (Schmiedeberg), Bärbel Pfeifruck (Meuro), Uta Pflug (Trebitz), Holger Pötzsch (Korgau), Rolf Quandt (Reinharz), Veronika Röhl (Großkorgau), Felix Saul (Schmiedeberg), Eva Schenk (Söllichau), Jens-Uwe Schulze (Schnellin), Herbert Thielebein, Sibylle Zugowski (Pretzsch), Lothar Uhlisch (Schnellin) sowie die Anglerfreunde Bad Schmiedeberg.

Bei den anstehenden Vorhaben nannte der Bürgermeister unter anderem den Neubau des Hortes: „Die Container können keine Dauerlösung sein.“ Zudem den Park in Pretzsch, der nach historischem Vorbild gestaltet und eine touristische Attraktion werden soll oder die geplanten Sanierungsarbeiten an der noch immer geschlossenen „Schönen Aussicht“. Was er sich wünscht, ist ein „respektvolles Miteinander“ und mehr Mitwirkung insbesondere auch aus den Ortschaften.

Kalte Füße, warme Herzen

Als Gäste sind neben anderen der Bürgermeister von Wittenberg, Jochen Kirchner, der sozialdemokratische Europaabgeordnete Arne Lietz und Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) nach Bad Schmiedeberg gekommen. Lietz bezeichnete Bad Schmiedeberg als „Stadt der kalten Füße und der warmen Herzen“, er spielte damit auf die Kneipp-Tretbecken an und auf seine Wahlkampfunterstützung für Martin Röthel, beide sind damals von Haus zu Haus gezogen und des öfteren auf einen Kaffee eingeladen worden.

Im Übrigen sei die Wahlbeteiligung bei den Bürgermeisterwahlen in Bad Schmiedeberg doppelt so hoch gewesen wie bei den Europawahlen: „Leider.“ Dannenberg hob die Investitionen in den Schulkomplex von Bad Schmiedeberg hervor, viele Millionen sind dafür geflossen. Auch 2017 stelle der Kreis Geld etwa für Schulen und Straßenbau zur Verfügung.

Der Landrat machte nicht zuletzt auf das Reformationsjubiläum aufmerksam, das eben auch Bad Schmiedeberg betreffe. Durch Gäste oder durch die erbetene Unterstützung von Feuerwehren bei anstehenden Großereignissen.

Den Reden schlossen sich, unterbrochen durch musikalische Beiträge von Stefan Schultz sowie den beiden Schülerinnen Luise Georgi und Albany Gomell die Bilanzen der Sprecher der Ortschaften und eben die „Ehrungen des Ehrenamtes“ an. Das Engagement in Bad Schmiedeberg, betonte Röthel, sei ausgesprochen vielfältig.

„Die Geehrten haben das zweifellos verdient, das sind gute Leute“, sagte nach dem Programm der pensionierte Grundschulleiter Harry Pfeifer, der schnell weg musste - zur Probe des Schalmeien-Orchesters. Er freute sich, dass auch junge Leute dabei waren. Allerdings: „Ob das in der Menge so bleiben kann“, müsse noch diskutiert werden.

Sagt auch der Stadtrat der Freien Wähler, Raik Buchta, der das Thema bereits im Rat angesprochen hatte: „Das ist zu viel. Das würdigt die Einzelnen, die für ihr Engagement ausgezeichnet werden, gar nicht mehr.“ (mz)