Länderspiel Wittenberg - Vatikan

Länderspiel Wittenberg - Vatikan: Der Sprüche-Motivator Eduard Geyer

Wittenberg - Eduard Geyer, der letzte Nationaltrainer der DDR, will als Übungsleiter das Wittenberger Benefizteam zum Sieg über den Vatikan verhelfen.

Von Michael Hübner 15.06.2017, 08:39

Eduard Geyer kann am Sonnabend im Arthur-Lambert-Station seine schon sehr gute Länderspielbilanz weiter aufpolieren. „Ich will jedes Spiel gewinnen“, sagt der 72-Jährige am Mittwoch im MZ-Gespräch, „und wenn die Jungs das auch wollen, wird es klappen.“

Die Jungs, das sind die gestandenen Männer des Wittenberger Benefizteams, die auf die Nationalelf des Vatikans treffen. Das Hinspiel in Rom ging 0:1 verloren. Geyer - bei der Erstauflage noch nicht an Bord - kennt Länderspiel-Niederlagen kaum. Als letzter Nationaltrainer der DDR gewann er acht Partien, zwei Spiele endeten remis, zwei gingen verloren.

Fast wäre die ostdeutsche Legende auch zur Endrunde der Weltmeisterschaft nach Italien gefahren. Als eine Woche vor dem entscheidenden Qualifikationsspiel die Mauer fiel, hockte die Mannschaft im Trainingslager - und dachte an alles andere als an Fußball. In Wien verdrehten Westverträge den DDR-Spielern den Kopf.

Das Länderspiel zwischen dem Wittenberger Benefizteam und der Nationalelf des Vatikans wird am Samstag um 17 Uhr im Arthur-Lambert-Stadion vom Schiedsrichter Alrik Luther angepfiffen. Die beiden Trainer des Gastgebers, Karl-Heinz Röthel und Eduard Geyer, müssen schon vor dem Anpfiff einen herben personellen Rückschlag verkraften. Die Stürmerhoffnung der Platzherren Tobias Klier wird definitiv nicht mit auflaufen. „Ich habe bereits abgesagt“, bestätigt der Angreifer am Mittwoch auf MZ-Anfrage. Der Trainer von Eintracht Elster wird am Sonnabend ab 15 Uhr in Irxleben von seiner Elf gebraucht. Es geht im ersten Relegationsspiel um den Aufstieg zur Fußball-Verbandsliga.  

Die Partie ging unter ominösen Umständen, in der auch der Schiedsrichter eine Hauptrolle spielte, verloren.

In seiner aktiven Laufbahn hat Geyer sich als Nachwuchsspieler für ein großes Turnier qualifiziert. „Wir haben aber in England keine Einreise erhalten. So etwas ist für einen jungen Spieler schlimm“, sagt er.

Auch als Trainer ist er sehr erfolgreich. 1989 führte er Dynamo Dresden zum Titel, obwohl der doch vor jeder Saison quasi per Regierungsbeschluss dem BFC Dynamo versprochen war. Geyer sorgte nach der Wende in der Bundesliga mit Cottbus für Aufsehen.

Sein Agieren an der Seitenlinie und seine Interviews besaßen höchsten Unterhaltungswert. „Ich bin kein Sprücheklopfer“, stellt Geyer am Mittwoch energisch klar und betont: „Journalisten sind nicht meine Freunde!“ Cottbus sei „schlecht geschrieben“ worden und dazu habe es noch Referees mit seltsamen Entscheidungen gegeben.

Dieser Mann passt doch prima nach Wittenberg! Einer seiner Spieler am Sonnabend - es geht um den Piesteritzer Verbandsliga-Coach Heiko Wiesegart - lehnt Gespräche mit der Presse konsequent ab. Doch Geyer - „In den Medien gibt es besonders viele schwarze Schafe“ - ist trotzdem zu jeder Debatte bereit.

Und, na ja, das Wort vom Sprüche-Motivator lehnt er zumindest nicht kategorisch ab - auch wenn er die Überschrift zum Beitrag kritisieren wird. Ein Fußball-Fachmagazin hat eine Hitliste der Geyer-Zitate veröffentlicht. Da geht es um Vergleiche mit dem Osterhasen oder um den Zahn einer Spieler-Oma. Das fällt mir spontan ein“, sagt der Mann, der für seine Schlagfertigkeit gefürchtet ist.

Sein Vergleich von Nachwuchsspielern mit den Nutten von St. Pauli ist legendär. „Die haben sich einfach nicht sportgerecht verhalten“, hält Geyer, der als Disziplinfanatiker gilt, die Kritik für berechtigt. Doch der Zeitpunkt war nicht glücklich gewählt.

„Drei Tage später war unser Gastspiel in Hamburg. Da war die Hölle los“, so der Trainer. Und auch seine Frau habe ihn mal am Frühstückstisch zur Rede gestellt. Ihr Mann hatte angekündigt, Schwächen in der Hintermannschaft durch das Aufstellen seiner eigenen Ehefrau zu kompensieren. Prompt titelten Journalisten „Frau Geyer ist der bessere Libero“.

„Das kann doch nicht sein. Wir kassieren bei den Bayern in München nach einem Einwurf ein Gegentor“, redet sich der Trainer noch heute in Rage. „Bei einem Einwurf ist doch die Abseitsregel aufgehoben“, so die Fußball-Legende. Er kann sich sicher sein: Die Wittenberger Spieler sind zwar keine Profis, kennen aber das Fußball-Einmaleins. (mz)