Auf dem Weg zum Neustart

Familien-Café in Wittenberg soll wieder entstehen

Anika Richter bereitet Eröffnung an anderem Standort vor. Unterdessen boomt in der Lutherstadt der Secondhand-Laden „Kunterbunt“, in dem sich einst das Café befand.

Von Corinna Nitz 13.01.2022, 10:52
Das Team von „Kunterbunt“, dem Secondhand-Laden in der Wittenberger Pfaffengasse: Nicole Kuhn, Anika Richter (Mitte) und Nicole Hoy. Richter arbeitet derzeit  am Neustart eines Eltern-Kind-Cafés.
Das Team von „Kunterbunt“, dem Secondhand-Laden in der Wittenberger Pfaffengasse: Nicole Kuhn, Anika Richter (Mitte) und Nicole Hoy. Richter arbeitet derzeit am Neustart eines Eltern-Kind-Cafés. FOTO: Klitzsch

Wittenberg/MZ - „Setz dich!“ „Sei leise!“ „Komm her!“ Das sind einige Klassiker, die Anika Richter aufzählt und mit denen Eltern in Cafés und Restaurants ihren Nachwuchs zur Ordnung rufen, manchmal wahrscheinlich schon, bevor von anderen Gästen grimmige Blicke kommen. Noch problematischer als aktive Kinder muss das Stillen der Allerjüngsten sein. Das schickt sich nicht im öffentlichen Raum, nicht hier. Richter scheint solche Erfahrungen gemacht zu haben und es war der eigene Nachwuchs, der sie auf die Idee brachte, 2019 ein Eltern-Kind-Café zu gründen. Ein Ort, an dem es für junge Eltern, vielfach Mütter, entspannt zuging und sie sich stärken konnten.

Volle Regale

Offen war es, bis Corona kam. Auch das ist in diesen Zeiten ein Klassiker, ein Satz, den man hört im Gespräch mit Menschen, die unter der Pandemie besonders leiden, etwa weil sie Soloselbstständige sind. Oder weil ihnen - wie im Fall von Richter - im Lockdown beruflich gleich mehrere Standbeine wegbrachen. Denn es konnte nicht mehr nur das Café nicht weiter öffnen, sondern Richter durfte zunächst auch ihre Sport- und Gesundheitskurse nicht mehr live anbieten.

Nun scheint die junge Frau, die sportlich in Klebitz unterwegs ist und ebendort auch eine Kinderkleiderbörse etabliert hatte, sich nicht so schnell entmutigen zu lassen. Aus dem Familien-Café in der Wittenberger Pfaffengasse wurde der Secondhand-Laden „Kunterbunt“, aus Einzelkämpferinnen, neben Richter auch Nicole Hoy und Nicole Kuhn, eine GbR. Der Laden boomte und auch zum Ortstermin Anfang dieses Jahres sind Regale und Auslagen gut gefüllt. Auch Spielzeug gibt es und Kinderwagen, gerade letztere können neu - je nach Marke - preislich schon mal in den oberen dreistelligen Bereich und noch darüber klettern. Gebraucht werden die Anschaffungskosten für solche Gefährte erträglich, das gilt erst recht für die Bekleidung.

„Ich war überrascht, wie gut Secondhand in Wittenberg angenommen wird“, spricht Anika Richter von einer offenbar positiven Resonanz. Sie erklärt sich das so: „Viele werden nachhaltiger und kaufen nicht mehr nur neu.“ Gerade bei Bekleidung macht das ja auch Sinn, denn nur selten trägt ein Säugling oder Kleinstkind die Sachen ab, welche da teuer eingekauft wurden. Es sei, so heißt es aus dem Kunterbunt-Team, auch schon vorgekommen, dass völlig ungetragene Neuware in den Laden gegeben wurde.

Vorbereitungen laufen

Neu ist ein gutes Stichwort - denn noch einmal, also neu starten will Anika Richter in diesem März mit dem Familien-Café, allerdings in der Geschwister-Scholl-Straße, Nummer 21. Noch werden die Räume vorbereitet, die Rede ist von eingerissenen Wänden und Putzarbeiten, auch Leitungen sind zu verlegen. Wenn all dies abgeschlossen sein wird, werde man sehen, was vom eingelagerten Equipment des alten Standortes am neuen weiter verwendet werden kann. Ziemlich mutig, schließlich ist die Pandemie, die den Betrieb des ersten Cafés ausbremste, noch nicht abgeklungen. Richter aber macht einen optimistischen Eindruck, ihr Partner unterstütze sie, dito die Familie.