Drei Tote an der B100

Drei Tote an der B100: Sind auch die Behörden am Unfall schuld?

Kemberg - Ein Unfallschwerpunkt bei Kemberg, auf dem drei Menschen starben, sollte schon lange entschärft sein. Doch die Pläne liegen unbearbeitet in zwei Behörden.

Von Hagen Eichler und Marcel Duclaud 22.08.2017, 02:00

Ein Verkehrsunfall mit drei Toten auf der B 100 nahe Kemberg (Landkreis Wittenberg) bringt die Behörden in Erklärungsnot und wirft die Frage nach ihrer Mitverantwortung auf. So ist die Kreuzung an der B 100 seit langem als Unfallschwerpunkt bekannt und der Umbau zu einem Kreisverkehr geplant.

Kembergs Bürgermeister nach Unfall auf B100: „So jedenfalls kann das nicht weitergehen.“

Eine Entscheidung jedoch haben das Landesverwaltungsamt und die Landesstraßenbaubehörde auch nach über einem Jahr nicht getroffen. Kembergs Bürgermeister Torsten Seelig (CDU), der die Behörden wegen des Zeitverzuges bereits am Wochenende kritisiert hat, fordert nun Tempo: „So jedenfalls kann das nicht weitergehen.“

Bereits seit 15 Monaten gibt es für den Kreisverkehr einen Planungsentwurf. Von Mai 2016 bis März 2017 lag er zu einer Vorprüfung im Landesverwaltungsamt, dann ging er zurück in die Landesstraßenbaubehörde.

Unfallschwerpunkt an B100: Baubeginn eines Kreisverkehrs nicht absehbar

Ein Genehmigungsverfahren ist nicht eingeleitet, ein Baubeginn nicht absehbar. Bei einer Anfrage wenige Tage vor dem Unfall habe man ihm signalisiert, „es werde schwierig“, so Seelig. Der Grund laut Bürgermeister: Personalnot.

Das Landesverwaltungsamt hat erst kürzlich eingeräumt, es sei überlastet, 180 Mitarbeiter fehlten. Innen-Staatssekretärin Tamara Zieschang (CDU) listete im Juni 27 unbesetzte Stellen in der Abteilung für Wirtschaft und Verkehr auf. Die Verfahrensdauer zum Kreisverkehr habe mit Personalnot aber nichts zu tun, heißt es nun in der Behörde. „Dieser Zeitraum ist nicht ungewöhnlich für ein komplexes Verfahren“, sagte Sprecherin Denise Vopel.

Der Sachbearbeiter habe intensiv gearbeitet, im übrigen verkürze die Vorprüfung das eigentliche Verfahren. Der Tod dreier Menschen habe die Behörde bestürzt. „Wir möchten unser tiefes Bedauern über diesen furchtbaren Unfall zum Ausdruck bringen“, heißt es in einer Stellungnahme, man sei in Gedanken bei den Angehörigen.

Allerdings: „Der Anstand gebietet es, sich vor dem Hintergrund des tragischen Unfalls nicht in Schuldzuweisungen oder Ausflüchten zu üben, zumal die Ergebnisse der Ursachenermittlung durch die Polizei noch ausstehen.“

Präsident der Landesstraßenbaubehörde warnt vor Aktionismus

Gleichwohl geraten die Behörden unter Druck. Am Mittwoch will sich Verkehrs-Staatssekretär Sebastian Putz (CDU) mit ihnen sowie Polizei und Bürgermeister beraten. CDU-Landtagsfraktionschef Siegfried Borgwardt, zu dessen Wahlkreis Kemberg gehört, sendet bereits ein klares Signal aus. Mit Blick auf den Kreisverkehr sagte er: „Ich gehe davon aus, dass die Behörden das Vorhaben prioritär behandeln.“

Der Präsident der Landesstraßenbaubehörde, Uwe Langkammer, warnt derweil vor Aktionismus. An der Kreuzung gelte Tempo 70, es gebe Abbiegespuren und Stoppschilder an der untergeordneten Straße. „Das entspricht den üblichen Standards. Nicht alle Probleme können mit baulichen Veränderungen gelöst werden.“

Die Landtagsabgeordnete Kristin Heiß (Linke) fordert derweil eine sofortige Personalaufstockung im Landesverwaltungsamt. „Das Land muss dafür sorgen, dass die Sicherheit im Straßenverkehr gewährleistet wird.“ (mz)