Deutscher Posaunentag

Deutscher Posaunentag: Coswiger fahren zu größtem Bläsertreffen der Welt

Coswig - 23.000 Menschen mit Blasinstrumenten - was für eine Vorstellung. Da kann man wahrlich von drei Tagen Flächengold in Dresden sprechen, wenn von Freitag bis Sonntag das Blech an allen Ecken blitzt und tönt. In Sachsen findet der Deutsche Evangelische Posaunentag statt, das größte Bläserchortreffen der ...

Von Ilka Hillger 02.06.2016, 16:18

23.000 Menschen mit Blasinstrumenten - was für eine Vorstellung. Da kann man wahrlich von drei Tagen Flächengold in Dresden sprechen, wenn von Freitag bis Sonntag das Blech an allen Ecken blitzt und tönt. In Sachsen findet der Deutsche Evangelische Posaunentag statt, das größte Bläserchortreffen der Welt.

Inmitten der Musikermenge spielt ein Dutzend Instrumente aus Coswig und Oranienbaum mit. Mitglieder des Coswiger Posaunenchores von Hildburg Kunze, verstärkt um zwei Spieler des Posaunenchores Oranienbaum, machen sich Freitagmorgen auf die Reise elbaufwärts. Für die Coswiger ist Coswig das Ziel, die namensgleiche Stadt zwischen Meißen und Dresden. „Dort haben wir private Unterkünfte“, erzählt Hildburg Kunze.

Über die Hälfte aller Posaunenbläserinnen und -bläser aus Anhalt fährt zum Deutschen Evangelischen Posaunentag, der von Freitag bis zum 5. Juni in Dresden stattfindet. Die Musiker spielen in Chören in Dessau-Roßlau, Coswig, Raguhn, Zerbst, Wülknitz, Radegast, Gernrode und Bernburg. Als besonderes Ensemble ist aus Anhalt der Jugendposaunenchor „Youth in Brass“ vertreten, dem 15 Jungbläser angehören. Der Bläserkreis Anhalt ist als Auswahlchor der Landeskirche ebenfalls an einem Konzert in der Hofkathedrale beteiligt. Teil der anhaltischen Präsenz in Dresden ist auch das Containerprojekt „Anhalt kompakt“ mit drei zur Ausstellung gestalteten Überseecontainern, die auf dem Postplatz am Zwinger stehen werden. Nach dem Dresden-Ausflug reisen die Container nach Coswig und sind dort Teil des Programmes der Coswiger Sommermusiktage.

In Posaunenchören spielen nicht nur Posaunen, sondern üblicherweise Trompeten, Posaunen, Tenorhörner, Waldhörner und Tuben mit, manchmal auch Holzblasinstrumente. In Deutschland gibt es rund 7000 evangelische Posaunenchöre. In der anhaltischen Landeskirche sind es 15 Chöre mit rund 240 Mitgliedern. Sie organisieren sich im landeskirchlichen Posaunenwerk, das den Gemeinden Unterstützung bei ihrer Arbeit bietet, Lehrgänge und Weiterbildungen veranstaltet sowie Freizeiten und überregionale Treffen wie Kirchentage und Landesposaunenfeste organisiert. (mz/ihi)

Für diesen Komfort - „wir hatten keine Lust auf Turnhallen-Quartiere“ - mussten die Anhalter nur eine alte Freundschaft wieder aufwärmen. Schon 1987 hieß es „Coswig besucht Coswig“. An die gegenseitigen Besuche in den späten 1980er Jahren erinnerte man sich bereits 2012 beim Kirchentag in Dresden und nun wieder. „Wie schon vor 30 Jahren ist der Coswiger Posaunenwart immer noch Konditor und wir hoffen natürlich auf köstliche Torte, wie 1989, als uns die Sachsen besuchten“, sagt Kunze. Für mehr wird aber vor den Toren Dresdens kaum Zeit bleiben.

„Schlafen, Duschen, Frühstück“, sagt die Posaunenchorleiterin. Dann geht es auch schon in die Landeshauptstadt und darauf freut sich besonders die jüngste Mitreisende, Maria Köhn. Die 16-Jährige ist zum ersten Mal bei solch einem großen Posaunentag dabei. „Gespannt“, beschreibt die Trompeterin ihren Zustand, als sich der Chor am Dienstag dieser Woche auf einer letzten Probe vor der Reise im Pfarrhaus von St. Nicolai trifft.

Da kann Trompeterin Nortje Meyries-Beck aus Oranienbaum schon vom letzten Posaunentag 2008 in Leipzig berichten. Damals stieg man aus dem Zug und hörte die ersten Bläser auf dem Bahnsteig, die nächsten spielten in der Bahnhofshalle und dann musizierte eine Truppe vor dem Bahnhof. „Erst waren es ein paar, dann stellten sich welche dazu und spielten mit“, sagt sie und erwartet auch in Dresden solch eine Atmosphäre.

Die Blechblasinstrumente machen es den Musikern leicht, sich einfach dazu gesellen zu können. „Das ist alles in einer Tonart“, so Hildburg Kunze. Die Noten für die zahlreichen Konzerte haben die Bläser ohnehin seit Wochen geübt.

Diesmal ganz komfortabel mit einem Extra-Notenheft. „Gloria 2016“ versammelt alle Stücke, die Dresden zum Klingen bringen und ist zugleich das Standardheft für das Reformationsjubiläum 2017. Da findet sich neben Neukompositionen wie „Über die Elbe“ und der Reformationsfanfare auch Populäres, Reinhard Meys „Über den Wolken“ beispielsweise, Maria Köhns erklärtes Lieblingsstück. „In Leipzig hatte vor sechs Jahren jeder noch einen kleinen Koffer für die Notensammlung dabei“, erinnert Kunze.

Sie blättert im Heft und landet schnell bei der mehrseitigen Stafette, die Teil der spektakulären Serenade beidseits am Königsufer werden soll. Am Samstagabend nehmen dort alle Teilnehmer des Posaunentages - sortiert nach ihren Landeskirchen - Aufstellung und geben die Komposition über neun Stationen weiter.

Die Landeskirche Anhalts spielt im Verbund mit der aus Mitteldeutschland und Berlin-Brandenburg gleich das erste Couplet, und weil die Musik noch einmal zurück wandert auch zum Abschluss. „Außerdem gehen wir auch alle zum Abschlussgottesdienst Sonntagmittag ins Stadion“, sagt Hildburg Kunze. Längst schon wissen die Coswiger, wo dort ihr Stellplatz ist.

„Das ganze Treffen wurde perfekt organisiert“, loben die Bläser aus Anhalt, die so ganz auf das Motto „Luft nach oben“ eingestimmt sind. Kritisch wird ihr Blick nach oben nur, wenn es um das Wetter geht. Regen können sie nicht gebrauchen. „Mit Instrument in der Hand hält sich der Regenschirm schlecht und die Noten werden nass“, so Chorleiterin Kunze. Anderseits mag ausreichend Bläserhauch auch Regenwolken vertreiben. (mz)

Das Programm zum Posaunentag in Dresden gibt es hier. http://www.dept2016.de