Jäger gehen auf Distanz

Wer macht so was? - Tierkadaver illegal in der Natur entsorgt

Zwei Schwarzwilddecken und ein totes Lamm rufen die Behörden in Mansfeld-Südharz auf den Plan. Solche Vorfälle sind leider keine Einzelfälle.

Von Helga Koch
Der Kadaver der Schwarzwilddecke (Foto: Ordnungsamt)

Südharz

Für Wanderer dürfte es ein schockierender Anblick gewesen sein, zumal in Zeiten drohend näher kommender Schweinepest: In der Gemeinde Südharz, nahe Dittichenrode, sind am Breitunger Weg und am Weg zum Holzstieg, Richtung Roter Kopf, zwei sogenannte Schwarzwilddecken entsorgt worden. Außerdem wurde am Breitunger Weg ein Schafkadaver gefunden, der in einem Bettbezug abgelegt worden war. Der Jagdpächter hat das Ordnungsamt der Gemeinde Südharz eingeschaltet, sagt Amtsleiterin Iris Brauner. Über die Vorfälle wurde der Umwelt- und Ordnungsausschuss des Gemeinderates bereits informiert.

Jäger distanzieren sich von diesen Vorfällen

„Beide Fundorte liegen im Dittichenröder Jagdrevier, an der Grenze zum Bennunger Jagdrevier“, sagt Brauner. Der Jagdpächter habe mehrere Fotos ans Ordnungsamt geschickt und Anzeige gegen unbekannt erstattet, denn es handle sich um „eine illegale Entsorgung von Tierkadavern“. Doch wer macht so was? „Ordentliche Jäger verwahren sich dagegen“, sagt die Amtsleiterin. Normalerweise und waidgerecht handhabten es die Jäger so, dass sie die Reste der erlegten Tiere vergraben.

Im Fall des toten Lammes sei es wiederum so, dass der Eigentümer den Kadaver der Tierkörperbeseitigung hätte zuführen müssen. „Das Schaf war noch ganz klein, es hatte noch nicht mal eine Ohrmarke.“ Sonst hätte man den Eigentümer feststellen können. Der Fund des toten Lamms, sagt Brauner, sei sofort dem Landkreis gemeldet und das Tier am folgenden Tag von der Tierkörperbeseitigung abgeholt worden.

Illegale Entsorgung von Tierkadavern kein Einzelfall

Dass auf diese Weise Kadaver entsorgt worden sind, ist in Mansfeld-Südharz offenbar kein Einzelfall, wie Sprecherin Michaela Heilek bestätigt. „Das Veterinäramt wird oft über solche Vorfälle informiert“, sagt sie. Allerdings gebe es keine bestimmten Gebiete im Landkreis, in denen sich derartige Vorfälle häufen. „Solche Meldungen erfolgen durch Bürger, Gemeinden und Jäger“, berichtet Heilek. Der Landkreis versuche dann nach Möglichkeit, den Besitzer der Tiere ausfindig zu machen, zum Beispiel anhand von Ohrmarken, wenn welche vorhanden sein sollten. „Sollte es nicht möglich sein, den Tierbesitzer zu ermitteln, wird die Entsorgung durch die Firma SecAnim in die Wege geleitet.“ Die Kosten für die Entsorgung müsse dann der Landkreis tragen. Dafür würden jährlich etwa 1.000 Euro im Haushalt der Kreisverwaltung eingeplant, sagt Heilek.

Die Entsorgungskosten dem Verursacher in Rechnung zu stellen scheint aber die Ausnahme zu sein. „Es tritt sehr selten der Fall ein, dass ein Eigentümer oder Verursacher ausfindig gemacht werden kann“, sagt Heilek. Sollte jedoch jemand „auf frischer Tat ertappt“ oder sein Fehlverhalten anderweitig bekannt werden, dann könne es durchaus teuer werden: „Gegen den Verursacher wird Strafanzeige erstattet oder ein Bußgeld verhängt“, sagt die Landkreissprecherin. (mz/Helga Koch)