Berufsberater Karsten Hutfilz im Gespräch

Vorm Start ins Berufsleben: Wie finde ich eine Lehrstelle, die zu mir passt?

Berufsberater Karsten Hutfilz beantwortete in der Redaktion Fragen rund um die Praktika, Ausbildung und was man beachten sollte.

Karsten Hutfilz stellte sich in der Eisleber Redaktion den Fragen der Leser.
Karsten Hutfilz stellte sich in der Eisleber Redaktion den Fragen der Leser. (Foto: Jürgen Lukaschek)

Eisleben/Hettstedt/Sangerhausen/MZ - Berufsberater Karsten Hutfilz stellte sich am Mittwochnachmittag per Telefon und im Internetchat den Fragen der Leser der Mitteldeutschen Zeitung. Die Fragen und Antworten notierte Beate Thomashausen.

Wo finde ich eine Lehrstelle?

Karsten Hutfilz: Natürlich gemeinsam mit uns. Aber eine Reihe Jugendliche findet selbst einen Ausbildungsplatz, über Bekannte, im Betrieb der Eltern oder über die Medien und Praktika. Wer sich informieren möchte, was es überhaupt so gibt, kann auf unserem Online-Portal Jobbörse tagesaktuell die Angebote ansehen.

Ich habe keine Ahnung, was ich gut kann. Wie finde ich raus, welcher Job für mich in Frage kommt?

Wir bieten in der Berufsberatung Tests an, mit denen man seinen Stärken und Schwächen auf die Spur kommen kann. Ziemlich anspruchsvoll ist der Test „Check U“, der sogar über etwa zwei Stunden geht. Den habe ich auch selbst einmal mitgemacht.

Und was ist dabei rausgekommen? (lacht) Dass ich gar nicht so falsch liege mit meiner Berufswahl. Soziale Berufe wurden mir vorrangig vorgeschlagen, aber auch Garten- und Landschaftsbau, weil ich angegeben hatte, dass ich die Natur liebe.

Welche Unterlagen brauche ich eigentlich, wenn ich mich um eine Lehrstelle bewerben will?

Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf, Zeugnis und Lichtbild und eventuell eine Praktikumsbescheinigung. Allerdings sollte es schon in dem Berufsfeld gewesen sein. Und ich rate, dass man nicht einfach nur die Bewerbung abschicken und auf Antwort warten, sondern auch mal im Betrieb anrufen und aktiv nachfragen oder sich auf eine Stellenanzeige melden sollte.

Sollte man ein Praktikum machen?

Ja, auf jeden Fall, um sich zu erproben und die Arbeitswelt kennenzulernen. Ich kann da einfach nur ermutigen, einfach mal loszugehen in einen Betrieb im Ort und nach einem Praktikum zu fragen.

Kann ich in meinen Alltagsklamotten zum Bewerbungsgespräch fahren oder muss es ein Anzug sein?

Das hängt davon ab, wo man sich bewerben möchte. In einer Bank gibt es einen anderen Standard als in einem Handwerksberuf. Von einer Jogginghose oder mit Sprüchen bedruckte T-Shirts rate ich ab. Aber eine ordentliche Jeans und ein einfarbiges T-Shirt sind meist vollkommen in Ordnung.

Kann ich wieder ins Berufsinformationszentrum kommen oder gibt es Termine in der Berufsberatung?

Das BIZ soll schrittweise wieder geöffnet werden. Das soll kommende Woche abgesprochen werden, wie das machbar wäre. Wir denken an kleine Gruppen. Wie wir das regeln können, teilen wir den Schulen mit, sobald es entschieden ist. Einzeltermine in der Berufsberatung sind möglich. Aber da ist eine Absprache nötig.

In welchen Branchen werden denn überhaupt Lehrlinge gesucht?

Insgesamt gibt es noch 107 freie Lehrstellen in Sangerhausen, 135 in Eisleben und weitere 113 in Hettstedt. Im verarbeitenden Gewerbe werden ganz besonders Lehrlinge gesucht. Da sind in Sangerhausen 38 Ausbildungsstellen frei, in Eisleben sogar 48 und in Hettstedt noch einmal 45 Lehrstellen.

Kann ich Bewerbungskosten abrechnen und wo?

Ja, das kann man. Auch Reisekosten kann man abrechnen. Man muss den Antrag bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter vorher stellen. Wichtig ist, dass es sich um eine betriebliche Ausbildung handelt. Die Kosten werden nicht übernommen für Bewerbungen an Universitäten oder für jemanden, der eine Beamtenlaufbahn einschlagen will. Für duale Studiengänge ist es aber teilweise möglich, dass wir Kosten übernehmen.

Muss ich in einem Bewerbungsgespräch wirklich sagen, was ich gut kann und was nicht?

Es wird auf jeden Fall gefragt werden, warum man denkt, dass man für den Beruf geeignet ist. Da ist es eine Möglichkeit, seine Stärken auch einmal anzusprechen, dass man in einem Praktikum schon gemerkt hat, dass man den Anforderungen gerecht werden kann. Und warum sollte man nicht sagen, dass man mit Menschen gut Kontakt findet, wenn man in einer Bank arbeiten möchte. Wenn gefragt wird, was man verbessern könnte, soll man nicht unbedingt sagen, dass man Mathe nicht gut kann oder unpünktlich ist, sondern lieber etwas erwähnen, was nicht so ins Gewicht fällt in dem Beruf.

Kann ich meine Eltern zur Berufsberatung mitnehmen?

Na sicher. Gerne. Eltern sind stark an der Berufswahl ihrer Kinder beteiligt. Beim Erstgespräch sind häufig die Eltern mit dabei. Aber mein Hauptaugenmerk liegt immer auf dem Jugendlichen und deren Wünschen.

Und was mache ich, wenn ich mich falsch entschieden habe und die Ausbildung mir keinen Spaß macht?

Jeder beginnt seine Ausbildung mit einer Probezeit. Sowohl der Jugendliche als auch der Ausbildungsbetrieb können dann ohne Angabe von Gründen kündigen. Oft passiert das, wenn jemand einfach eine Ausbildung begonnen hat, um irgendetwas zu haben. Aber das ist immer schade, wenn der Start ins Berufsleben nicht so erfolgreich war. Deshalb setzen wir auf die Beratung und finden gemeinsam mit den Jugendlichen das Richtige.