Bauen gegen Langeweile

Kinderheim Harkerode: Beschäftigung für die Kinder während Corona-Lockdown

Harkerode - Kinderheim Harkerode: Beschäftigung für die Kinder während Corona-Lockdown

Von Beate Thomashausen 13.10.2020, 11:15

Langweilig sei die Zeit des Lockdowns gewesen, sagt die 13-jährige Gina und sieht allein bei der Erinnerung daran, ein wenig geknickt aus. „Ich habe die Schule vermisst“, bekennt die ebenfalls 13 Jahre alte Jane. Und für Laura (16) war es am schwierigsten, die Freunde aus der Schule nicht treffen zu dürfen. Vor allem, weil es ja für sie auch das letzte Schuljahr in Mansfeld war. Mittlerweile steckt sie ja schon mitten in der Ausbildung. Das war eine schwierige Zeit, als das gesellschaftliche Leben fast komplett zum Erliegen gekommen war.

Damit den drei Mädchen und auch allen anderen Kindern und Jugendlichen im Kinderheim in Harkerode nicht die Decke auf den Kopf fiel, war von einem Tag auf den anderen eine ganze Menge mehr Einsatz von den Erziehern und dem gesamten Personal gefragt.

Kinderheim Harkerode: Wegen Corona kein Kontakt zur Familie

Denn gewohnte Tagesabläufe gab es nicht mehr. Kitas und Schulen wurden geschlossen. Freizeiteinrichtungen waren zu. Die Kinder durften nicht auf Spielplätze gehen. Und besonders erschwerend für die Jungen und Mädchen: Auch die Kontakte zu den Familien waren in jener Zeit nicht so möglich. Besuche daheim bei den Eltern oder anderen Verwandten waren untersagt.

Außergewöhnlich, nennt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinderheim Harkerode, Torsten Fricke, den Einsatz der Erzieher und des gesamten Personals der Heime in Harkerode und Hettstedt, für die er verantwortlich zeichnet. Homeschooling musste abgesichert werden genauso wie auch eben alles organisiert werden musste vom Arztbesuch bis zum Wäschewaschen. Und das rund um die Uhr.

Neue Spielgeräte wurden im Lockdown gebaut

Nebenbei musste den Kindern zudem vermittelt werden, warum es den Lockdown überhaupt gibt und wie sie sich nun zu verhalten haben, um sich und andere zu schützen. Fricke hatte damals eine unkonventionelle Idee, wie man der Langeweile im Kinderheim vorbeugen könnte. Er zog kurzerhand das technische Personal von allen Baustellen ab und spannte sie zur Betreuung der Kinder mit ein. Balken, Bretter, Farben und Lacke wurden gekauft. Gemeinsam mit den Technikern sägten, bohrten feilten und strichen die Kinder dann gemeinsam. Geräte für den Spielplatz entstanden so. Die Arbeit war vor allem für die Jungen eine willkommene Abwechslung. Die Mädchen halfen beim Streichen oder auch in der Küche.

Bettina Friebe, sie ist eine der Erzieherinnen in Harkerode, meint rückblickend, dass diese Zeit schon ganz schön stressig gewesen sei. „Die Langeweile abzufedern, war da eine unserer wichtigsten Aufgaben.“ Jede Menge Tränen sei zu trocknen gewesen, denn die Kinder hätten schon sehr stark ihre Eltern vermisst, denn die meisten Kinder sind im Heim, weil sie aus sozial schwierigen Verhältnissen kommen.

„Die Leistungen aller waren und sind als außerordentlich“

Man habe auch Angst davor gehabt, was denn sein würde, wenn das Virus tatsächlich ins Kinderheim kommt und es Erkrankte geben wird. „Aber unsere Angst und Unsicherheit durften wir uns vor den Kindern nicht anmerken lassen, denn sie brauchten uns ja noch mehr als sonst als Familienersatz.“ Es sei auf jeden Fall eine sehr intensive Zeit gewesen, sagt die Erzieherin. Sichtbares Zeichen für alle sind nach den langen Wochen im Lockdown Spielgeräte entstanden. Darauf sind die Kinder stolz.

Und stolz wie Bolle ist auch Heimleiter Torsten Fricke, und zwar auf seine Leute, die durch ihren Einsatz die Corona-Krise im Kinderheim gemeistert haben. Deshalb lud er sie zu einer kleinen Festveranstaltung ins Harkeröder Schloss ein. „Die Leistungen aller waren und sind als außerordentlich“, lobte er und dass jeder Einzelne trotz Einschränkungen und Mehrbelastungen „zu exzellenter Betreuung“ der Kinder beigetragen habe. Aber auch wenn sich das ganze Kinderheim vom jüngsten Knirps bis zum Hausmeister als eingeschworene Gemeinschaft herauskristallisierte, waren die Lockerungen im Mai dann doch mehr als willkommen. Den gemeinsamen Ostseeurlaub haben alle genossen. (mz)