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Diskussion in Uftrungen um die Trinkwasserversorgung über den Wasserverband Südharz

Von Helga Koch
Symbolbild - Trinkwasser
Symbolbild - Trinkwasser (Foto: Patrick Pleul/zb/dpa)

Uftrungen/MZ - Die Uftrunger Ortschaftsratssitzung hat es erneut gezeigt: Die künftige Wasserversorgung berührt die Bürger ganz besonders. Bisher versorgt die Gemeinde Südharz die rund 900 Einwohner selbst mit Trinkwasser. 2022 soll das der Wasserverband Südharz übernehmen, fordert das Land Sachsen-Anhalt. „Inzwischen hat es dazu einige Arbeitsberatungen gegeben“, sagt Ortsbürgermeister Peter Kohl (Uftrunger Liste), der auch als Mitglied des Südharz-Gemeinderates und als Vertreter in der Verbandsversammlung damit konfrontiert wird.

Uftrungen selbst erhält keine Fördermittel zur Reparatur

„Das Thema ist seit zweieinhalb Jahren vakant“, sagt Kohl. Seitdem hat das Land insgesamt bis zu neun Millionen Euro Fördermittel an den Zweckverband übergeben beziehungsweise in Aussicht gestellt - unter mehreren Bedingungen. Eine besagt, dass die Gemeinde Südharz die Trinkwasserversorgung für Uftrungen dem Verband übertragen soll. Diese Forderung sorge für Befindlichkeiten, weiß Kohl. „Man kann geteilter Meinung dazu sein, wie über das Eigentum Dritter verfügt wird“, sagt er. Das Land habe schon vor längerer Zeit die Leitlinie formuliert und zunehmend gedrängt, effizientere Strukturen in der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung zu schaffen - größere, schlagkräftigere Verbände.

„Unser Ortsnetz ist dringend reparaturbedürftig“, schätzt Kohl ein. „Trinkwasser ist ein Lebensmittel, es gibt hohe Anforderungen, es werden zig Werte kontrolliert.“ Um das Netz in Ordnung zu bringen, bekäme die Gemeinde keine Fördermittel. Das Land werde nicht lockerlassen und die Gemeinde irgendwann zustimmen, die Aufgabe abzugeben.

Um aus dieser Situation das Beste für die Bürger zu machen, habe sich der Ortschaftsrat mehrere Punkte überlegt: Der Wasserverband solle seine Satzung so ändern, dass die Kreisstadt ihr Vetorecht aufgibt. Das Uftrunger Trinkwassernetz wäre in den nächsten Jahren zu erneuern, im Brunnen im Riethfeld eine Entsäuerungsanlage zu ergänzen. Wichtig wäre, sofort eine Bauherrengemeinschaft zwischen Verband und Gemeinde zu bilden, um das Leitungsnetz und die Hauptstraße mit zu erneuern; Baubeginn könnte 2023 sein. Zeitnah müssten dafür Fördermittel beantragt werden, auf Anlieger dürften keine Beiträge zukommen.

Gespräch mit dem Umweltministerium

Bereits Ende August habe zur gesamten Problematik ein Gespräch im Umweltministerium stattgefunden, an dem unter anderem Hauptamtsleiterin Anja Wöbken und Mitarbeiter des Landkreises teilgenommen hätten, sagt Kohl. „Das Ministerium ist mitgegangen, dass was an unseren Trinkwasseranlagen gemacht werden muss, es wäre förderfähig.“ Die Gemeinde sei beauftragt worden, zeitig Fördermittel für Straßen- und Gehwegbau zu beantragen. Das stehe aus.

Die genannten Punkte seien Teil eines umfangreichen Gesamtkonzepts, das der Ortschaftsrat Ende August den Bürgern vorstellen will, wie Kohl sagt. Eine Rolle spielten zudem etwa die Erschließung des Wohnbaugebiets, die mögliche Erweiterung des Industriegebiets oder fehlende Radwege. Das Konzept habe man der Gemeinde im April präsentiert, sie solle die Kosten schätzen. „Auch da ist jegliche Antwort offen.“

Die Geschäftsführung des Wasserverbands arbeite an dem Thema, berichtet Kohl. Der Verband komme den Uftrungern hinsichtlich der Trinkwassergebühr womöglich sogar entgegen. Falls die nächste Kalkulation für den Ort günstigere Wasserpreise ergebe als fürs übrige Verbandsgebiet, könnte für eine Periode der niedrigere Wasserpreis gelten, aber: „Das ist noch nicht entschieden.“